Thorsten Weiß
Frau Präsidentin! – Meine Damen und Herren! In einer Zeit, in der das Ideal der Inklusion oft kritiklos gefeiert wird, muss es unsere Aufgabe sein, eine differenzierte und vor allen Dingen realitätsnahe Debatte zu führen. Das Förderschulsystem ist nicht das Gegenmodell zur Inklusion, sondern ein essenzielles Angebot für die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler, deren Bedürfnisse in einem einheitlichen Schulsystem oft untergehen. [Beifall bei der AfD] Die Grünen argumentieren, dass Inklusion per Definition der bessere Weg sei. Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Fakten. Seit Jahren stagnieren die Ergebnisse in den sogenannten inklusiven Settings. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf profitieren oft nicht ausreichend, da sie in einem Regelsystem vernachlässigt werden, das auf Durchschnittlichkeit statt auf Individualität ausgelegt ist. Eine einheitliche Beschulung benachteiligt deshalb sowohl die Schwächsten als auch die Stärksten. Und das ist nicht der Weg, den die AfD gehen will. [Beifall bei der AfD] Ihre Inklusionspolitik überfordert darüber hinaus die Lehrkräfte. Das Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung hat in diesem Jahr 1 608 Lehrkräfte unterschiedlicher Schulformen befragt. Als eine große Belastung nehmen 71 Prozent der Lehrkräfte die Inklusion wahr. Der Aussage, dass Inklusion für Schüler gewinnbringend sei, widersprechen 55 Prozent der Lehrkräfte, und die Überforderung der Lehrer bleibt ein Teil der Unattraktivität des Lehrerberufs. Wir brauchen deswegen nicht mehr Inklusion. Wir brauchen eine Inklusion mit Augenmaß, die unser Schulsystem nicht überfordert. [Beifall bei der AfD] Die Forderung von Ihnen, keine neuen Förderzentren zu bauen, basiert auf der Annahme, dass diese Einrichtungen per se ausgrenzend seien. Doch Förderzentren bieten genau das, was das Regelsystem oft nicht leisten kann: eine gezielte und professionelle Betreuung durch geschulte Fachkräfte. Die Alternative, sogenannte inklusive Schwerpunktschulen, scheitert vielerorts bereits an der Akzeptanz in den Schulgemeinschaften und den logistischen Herausforderungen, [Zuruf von Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE)] mal davon abgesehen, dass oftmals die Ressourcen dafür fehlen. Förderschulen bieten hingegen gezielte Förderung und ein geschütztes Umfeld, Faktoren, die in überfüllten Regelschulklassen schlicht nicht gewährleistet sind. Studien belegen darüber hinaus, dass Schüler mit schwerem Förderbedarf an Förderschulen besser gefördert werden können. Akzeptieren Sie das doch endlich einmal! [Beifall bei der AfD] Auch der Ausbau digitaler Lösungen, den Sie für chronisch kranke Kinder fordern, ist doch gar nicht umsetzbar. Ohne flächendeckende Infrastruktur und pädagogisches Personal bleibt das alles realitätsferne Träumerei, aber ehrlicherweise sind wir von Ihnen ja auch nichts anderes gewohnt. Dazu kommt, dass Ihre Inklusionspolitik systemische Schwächen hat, denn Diagnosen werden oft inflationär gestellt, um mehr Ressourcen für Regelschulen zu erhalten. Dies führt zu Etikettierungen, die Kinder lebenslang stigmatisieren. Zugleich zeigen Daten, dass der Anteil von Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf in Inklusionssettings zwar steigt, aber nicht gleichbedeutend mit einer besseren Bildungsqualität ist. Die Vorstellung einer umfassenden Inklusion in Regelschulen ist eine Utopie, die weder den Bedürfnissen der betroffenen Kinder noch ihrer Mitschüler oder den Lehrkräften gerecht wird. [Beifall bei der AfD] Wenn Sie, meine Damen und Herren von den Grünen, fordern, alle Ressourcen auf ein inklusives System zu konzentrieren, ignorieren Sie wieder einmal die Realität: Mangel an Lehrkräften, Mangel an Fachkräften, fehlende Infrastruktur und die Überforderung unseres Schulsystems, der Lehrer und der Schüler. Ein starkes Förderschulsystem ist kein Rückschritt, sondern ein notwendiger Bestandteil einer gerechten Bildungspolitik. Die von Ihnen so hochgehaltene Vielfalt bedeutet auch, unterschiedliche Wege in der Bildung zu akzeptieren und zu fördern. Eine Ideologie, die alle Kinder in dasselbe System zwingt, wird zwangsläufig scheitern, und sie tut es ja bereits, und zwar auf dem Rücken der Schwächsten. Das werden wir nicht zulassen. – Vielen Dank! [Beifall bei der AfD]
