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Werner Graf

GRÜNE 05.12.2024 Sitzungen 19/57

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wäre Chaos stiften eine olympische Disziplin, der Deutsche Olympische Sportbund und der Berliner Senat würden gerade gegeneinander um die Goldmedaille kämpfen. [Zuruf von der CDU: Was?] Der DOSB hat versprochen, dieses Jahr ein Bewerbungskonzept für die Olympischen Spiele vorzulegen. Es wird aber nicht kommen, und anstatt wie angekündigt eine nationale Bewerbung mit allen zu organisieren, spricht man jetzt doch wieder von nur einer Stadt oder einer Region. Die eigene Ethikabteilung des DOSB stellt dem DOSB in Bezug auf die Bewerbung für die World Games 2029 ein desaströses Urteil aus. Diese wären von Anfang an misslich und unprofessionell gewesen. Und nun? – Nun steht der DOSB auch noch führungslos da, weil der Vorstandschef lieber für die SPD in Köln als Oberbürgermeister kandidiert, als weiter seinen Job als DOSB-Chef zu machen. Und der der Senat? – Der Senat streicht lieber 6 Millionen Euro beim Sportstättensanierungsprogramm. Das können Sie auch einfach mal nachlesen, wenn Sie in die Anlage 9 reingucken würden. Den Schülerinnen werden die Klassenfahrten gekürzt und die Sanierung der Schulen stockt. Gleichzeitig ist der Senat aber bereit, sich ohne Finanzierungskonzept in ein vollkommenes Finanzwagnis Olympiabewerbung zu stürzen. Das passt doch vorne und hinten nicht zusammen! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Gerade die aktuellen Kürzungsdebatten sollten Ihnen doch eine Lehre sein: Wir können entweder Steuergelder für den Breitensport und die Trainerinnen ausgeben oder für ein prestigeträchtiges Großevent. Für Paris waren es um die 6 Milliarden Euro Steuergelder, die durch die öffentliche Hand bezahlt werden mussten, und da sind die Ticketeinnahmen und das Sponsoring schon abgezogen. 6 Milliarden Euro – damit können Sie den Berliner Sanierungsstau im Sport 14-mal beheben. Das wäre auch bitter nötig, denn in Berlin stehen viele Kinder eher auf den Wartelisten der Vereine, als dass sie wirklich auf dem Sportplatz stehen. Doch statt das Geld dort zu investieren, sprechen Sie lieber davon, wie viel eine Bewerbung für Olympia und Olympia für den Berliner Sport bringen würde. Aber gucken wir uns doch einmal die Realität genau an: Was hat der Berliner Turnverein von einem 1,5 Milliarden Euro teuren Sicherheitskonzept? – Erst mal nichts! Was hat der Fußballverein davon, dass temporäre Tribünen für Olympia auf- und danach wieder abgebaut werden? – Erst mal nichts! Was hat der Rugby-Verein von den kurzzeitig vorhandenen Beachvolleyballfeldern vor dem Brandenburger Tor? – Nichts! Und wie viele Kinder können wirklich schwimmen lernen, weil wir eine temporäre 10-Bahnenhalle aufbauen, um hinterher wieder abzureißen? – Keines! Sie haben kein Konzept, weder für die Sportanlagennutzung noch für die Finanzierung. Sie kürzen beim Breitensport und in den Berliner Bädern, aber wollen gleichzeitig Millionen Euro für eine Olympiabewerbung ausgeben. Mit Verlaub, das ist einfach unprofessionell! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Senat! Wenn Sie etwas für den Sport tun wollen, dann stellen Sie endlich sicher, dass in der ganzen Stadt ein Sportstättensanierungsprogramm aufgestellt, sichergestellt und koordiniert wird, dass dieses umgesetzt wird. Sorgen Sie dafür, dass die Vereine weniger Bürokratie haben und diese einfacher und besser auch die Trainerinnen und Übungsleiterinnen bezahlen können. Investieren Sie dieses Geld lieber in Schulsport und Vereinsstrukturen, damit die Vereine und die Schulen auch wirklich mehr Sport anbieten können. Nehmen Sie Abstand von dem Wagnis Olympia, kümmern Sie sich einfach um die wirklichen Baustellen in dieser Stadt! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Lieber Regierender Bürgermeister Kai Wegner! Liebe Iris Spranger! Schaffen Sie deshalb jetzt Klarheit und geben Sie noch jetzt vor der DOSB-Mitgliederversammlung am Samstag bekannt, dass Berlin so unvorbereitet nicht für Olympia zur Verfügung steht. – Vielen Dank!

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