Carsten Ubbelohde
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Betroffene! Die Endometriose und mit ihr die Unterform Adenomyose wird weiterhin und sicherlich auch noch über einen längeren Zeitraum von hoher Dringlichkeit sein. Sie ist eine weibliche Volkskrankheit und berührt das Leben vieler Frauen, ohne dass diese Erkrankung bisher die gebührende und notwendige Beachtung in unserem Gesundheitssystem, in der Forschung und in der Politik gefunden hat. Das muss sich unverzüglich ändern. Endometriose beeinträchtigt das Leben vieler Frauen erheblich. Bereits in den Diskussionen und zu dem nicht so weitgehenden Antrag der Grünen vor einigen Monaten wurde noch einmal deutlich, dass ein umfassendes Verständnis für die Leiden der Frauen auf vielen Ebenen gefördert werden muss. Die AfD-Fraktion hofft allerdings, dass die nun vorliegenden Anträge auch ehrlich gemeint sind und eine tatsächliche Absicht zeigen, einen glaubwürdigen Beitrag zur Umsetzung im Interesse der betroffenen Frauen zu leisten. [Vereinzelter Beifall bei der AfD] Warum bestehen denn diese Zweifel? – Weil beispielsweise die Forderung nach einer Endometriosestrategie inklusive auskömmlicher Vergütung für die behandelnden Einrichtungen und Ärzte unter Aufführung fadenscheiniger Gründe im Deutschen Bundestag von den dortigen Fraktionen der SPD, man höre und staune, und auch der Grünen abgelehnt wurde. [Zuruf von der AfD: Hört, hört!] Eine schallende Ohrfeige für die tagtäglich unter dieser Krankheit leidenden Frauen. Ein weiterer Antrag zu einem Endometrioseregister und einer Aufklärungsintensivierung und einer zielgerichteten Ärzteaus- und weiterbildung wurde gar von den Bundestagsfraktionen der CDU, der SPD und den Grünen abgelehnt. Ein weiterer Affront gegenüber den an Endometriose leidenden Frauen in ganz Deutschland. Beiden Anträgen haben wir als AfD-Fraktion übrigens zugestimmt, auch wenn gerade diese nicht von uns stammten, und zwar, weil es uns um die Sache und um eine Verbesserung geht. Parteipolitische Sperenzchen haben da nichts verloren. [Beifall bei der AfD] Die Sorge der AfD-Fraktion Berlin um die Nachhaltigkeit dieser Anträge dürfte daher nachvollziehbar sein. Wir hoffen deshalb inständig, dass dieser Antrag im Ergebnis kein Schaufensterantrag sein wird, denn letztlich – das wird vermutlich auch den Gesundheitspolitikern der antragstellenden Fraktionen klar sein – braucht es hierzu am Ende mindestens flankierend auch eine nachhaltige bundespolitische Unterstützung. Daran werden wir Sie messen. Die grundsätzlichen Ansätze dieses Antrags sind zumindest ein richtiger erster Schritt. Sie sind auch aus Sicht der AfD-Fraktion richtig. Die Endometrioseforschung muss intensiviert werden, denn so ist bisher noch weitgehend ungeklärt, welche Marker und Risikofaktoren die Krankheit auslösen oder befördern. Bekannt ist grundsätzlich nur, dass für Frauen ohne Kinder oder Frauen mit späten Geburten ein erheblich größeres Erkrankungsrisiko besteht. Darüber hinaus gibt es weitere Kernbereiche, auf die der Fokus gelegt werden muss. Neben der Intensivierung der Forschung zur Erweiterung der wissenschaftlichen Grundlagen ist das, zweitens, die im Antrag auch aufgeführte zwingend notwendige Bildung und Fortbildung unserer Ärzteschaft, um Diagnose und Behandlung dieser Krankheiten auch praktisch zu verbessern. Drittens muss über zielgerichtete Kampagnen das Wissen und die damit verbundene Aufklärung über die Volkskrankheit Endometriose bei den Berlinern gestärkt werden, egal ob Mann oder Frau. Es betrifft in der Konsequenz letztlich das gesamte familiäre und berufliche Umfeld. Gleichwohl werden diese Maßnahmen nur dann auch praktisch Folgen haben, wenn parallel das Problem der unzureichenden Vergütung gelöst wird. Die gesetzlichen und privaten Kassen müssen in die Pflicht genommen werden. Seit mittlerweile Jahrzehnten warten die Ärzte auf eine Aktualisierung, auf eine angemessene Bewertung auch der mit Endometriose verbundenen Behandlungen. Aktuell werden in der gesetzlichen Krankenversicherung gerade mal die schon erwähnten paar Minuten tatsächlich vergütet. Für eine ernstzunehmende, die Erkrankung und die Patientinnen würdigende Erstbehandlung bräuchte es aber tatsächlich mindestens 45 Minuten. Zudem muss die mit der Behandlung und Therapie verbundene Interdisziplinarität berücksichtigt werden. Die Therapieansätze reichen von medizinischer über psychologische bis zu ernährungs- und bewegungstherapeutischer Behandlung. Die Behandlung und die Therapie von Endometriose müssen also wie bei allen anderen chronischen Erkrankungen in ganzheitlicher Sicht, als ganzheitlicher Ansatz verstanden werden. Zudem ist es auch aus Sicht der AfD-Fraktion richtig, die Adenomyose in die Betrachtung mit aufzunehmen. Diese kann ebenfalls erhebliche Schmerzen verursachen, und die Situation der betroffenen Frauen ist auf alle anderen aufgeführten Punkte gleichermaßen anwendbar. [Beifall bei der AfD] Die AfD-Fraktion wird den vorliegenden Antrag der Koalition für das Wohl und im Interesse der Frauen, die von dieser schweren Krankheit betroffen sind, daher gerne unterstützen. – Ich danke Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
