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Christian Zander

CDU 06.06.2024 Sitzungen 19/49

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es wurde schon gesagt, dass die Geschichte des Antrags bis ins Jahr 2022 zurückreicht, und auch, dass es eine Initiative der FDP-Fraktion war, weshalb der Prozess nach dem Ausscheiden der FDP nach der Wiederholungswahl etwas ins Stocken geraten ist. Wir hatten dazu aber eine Anhörung am 5. Dezember 2022, und nach dieser Anhörung stand schnell fest, dass die Antragsgrundlage damals bei Weitem nicht ausreichend war. Es wurde vereinbart, dass man sich interfraktionell verständigt, um eine gemeinsame Positionierung auszuloten. Das Ganze haben wir jetzt nachgeholt. In der Ausschusssitzung in der vergangenen Woche haben wir einen Antrag beschlossen, über den wir einen guten Konsens hergestellt haben und zu dem fast alle Fraktionen etwas beigesteuert haben. Hier ist eigentlich unerheblich, wer welchen Teil dazu beigetragen hat, weil wir uns über einen längeren Zeitraum interfraktionell dazu ausgetauscht haben. – Liebe Frau Kollegin Pieroth! Ich verstehe Ihren Seitenhieb gar nicht. Weshalb sollte sich die CDU nicht für Frauengesundheit interessieren? Das verstehe ich nun überhaupt nicht. [Beifall bei der CDU] Wir waren damals Teil dieser Vereinbarung, dass wir uns zusammensetzen wollten. Ich möchte nun aber, da vieles schon gesagt worden ist, noch einmal auf die Anhörung zurückkommen, die vor anderthalb Jahren stattgefunden hat, und zwei wesentliche Aspekte herausziehen, die als Forderung in diesem Antrag Niederschlag gefunden haben. Es gab zwei Anzuhörende, einmal Frau Dr. Mechsner und einmal Frau Witt, die aus einer Selbsthilfegruppe für Endometriosebetroffene stammt. Die beiden haben deutlich gemacht, dass es bis heute fehlende Kenntnisse über Menstruationsbeschwerden gibt. Hinzu kommt, dass trotz einer so großen Häufigkeit die Frauenärzte keinen Auftrag haben, systematisch nach dem Vorliegen von Endometriose zu suchen, obwohl sie nach den vorliegenden Zahlen, die es trotz noch nicht ausreichender Forschung gibt, rein statistisch gesehen bei jeder täglichen Sprechstunde mindestens einmal oder auch mehrmals Endometriose diagnostizieren müssten. Vielen Gynäkologinnen und Gynäkologen fehlt die Erfahrung, zwischen normalen und nicht mehr normalen Beschwerden bei der Menstruation zu unterscheiden. Wenn Frauen bis zur Diagnose viele Jahre warten müssen, dann treten oft irreversible Schäden an den Genitalorganen auf. Den Expertinnen und Experten in diesem Bereich ist bewusst, wie die richtige Herangehensweise ist. Es bedarf einer multimodalen und interdisziplinären Therapie. Doch bietet die heutige Struktur nicht den erforderlichen Rahmen dafür, wenngleich es in der jüngsten Vergangenheit beispielsweise mit dem Screeningprogramm an der Charité über den Innovationsfonds gute Ansätze gibt. Aufgrund der langen Leidenszeit und möglicher Langzeitfolgen ist Endometriose nicht nur rein somatisch zu behandeln. Das passiert aber überwiegend, wenn es nur zu operativen Eingriffen kommt. Es bedarf aber eigentlich immer auch psychotherapeutischer begleitender Angebote, denn oft treten Depressionen und Angststörungen auf. Doch übernommen werden in der Regel nur die Kosten für die OP. Was den Fachleuten ebenso bewusst ist, sind aber nicht nur die Defizite des Gesundheitswesens bei der Grundlagen- und Versorgungsforschung sowie fehlende Kenntnisse und Möglichkeiten einer adäquaten Beratung und ärztlichen Begleitung. Ebenso bewusst ist, dass Endometriose in der breiten Bevölkerung weitgehend unbekannt ist, obwohl es die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung ist. Es braucht also Aufklärung, Schulungen, Forschung und ein Bewusstsein für dieses Krankheitsbild. Vorhandene Strukturen, die es gibt, sind von den Kapazitäten her jedoch viel zu klein, weil es an einer ausreichenden Finanzierung mangelt. Uns wurde geschildert, dass ein großer Bedarf, eine große Nachfrage besteht, aber viele abgewiesen werden müssen. Komorbiditäten können daher nicht adäquat versorgt werden. Es gibt sogar ein fertiges Konzept für Endometrioseschulungen und auch Aufklärung an Schulen von ehrenamtlichen Frauenärztinnen, die bereits Zugang zu Schulen haben. Doch, so wurde in der Anhörung gesagt, trotz vielfacher Suche ließ sich bis dato niemand finden, um für eine Finanzierung zu sorgen. Wenn Patientinnen das Bewusstsein haben, dass es auch diese nicht normalen Schmerzen gibt, wenn die Ärzteschaft gezielter screenen und interdisziplinär begleiten könnte, wäre dies ein großer Schritt in die Richtung, dass Endometriose frühzeitig erkannt und therapiert werden kann, ohne irreversible Schäden für die Betroffenen und ohne jahrelange Leidenszeiten. Hierzu wollen wir mit unserem Antrag den richtigen Anstoß geben. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD]

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