Christian Zander
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! In der letzten Sitzung des Gesundheitsausschusses haben wir bereits über diesen Antrag gesprochen. Es geht um ein Modellprojekt für den Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst mobiler Art, aber auch um den Aufbau einer telemedizinischen Infrastruktur, also eine Videosprechstunde fürFamilien,fürEltern,derenKinderkranksind. Ich würde mal sagen, dass es im Ausschuss weitestgehend eine Übereinstimmung darin gab, dass man erkannt hat, dass es Probleme gibt, dass es Verbesserungsbedarf gibt bei der medizinischen Versorgung von Kindern in Notfällen und auch außerhalb der regulären Sprechstunden. Allerdings folgten in den Redebeiträgen der meisten Fraktionen später Ausführungen – so hatte ich es zumindestwahrgenommen – ,weshalbmanamjetzigenZustand eigentlichnichtsändernkann. Es wurde gesagt, mit der Finanzierung haut das nicht so ganzhin, vomSystemund vonderMenge her,esgibtzu wenige Kinderärztinnen und Kinderärzte, und manchmal wurdeauchgarnichtderBedarffürdiesesAngebotgesehen. AberunsereAufgabealsPolitikeristdochnichtzuerklären,warumDingenichtfunktionierenodernichtgeändert werden können, sondern unsere Aufgabe liegt vielmehr darin, Lösungen anzustreben und nach Möglichkeiten zu suchen, auf welchemWeg Verbesserungerreicht und auf welchemWegHürdenüberwundenwerdenkönnen. [BeifallbeiderCDU – VereinzelterBeifallbeiderSPD] Wir müssen dabei aber natürlich selbstverständlich auch dieRealitätzurKenntnisnehmen,unddastunwirauch. Die eine Seite der Realität ist die, dass wir in einigen Bereichen der Stadt eine Unterversorgung bei Kinderarztpraxen haben, und natürlich soll mit diesem Antrag nichtdasZielverfolgtwerden,dasseineKinderarztpraxis frühergeschlossenwird,umstattdessenzuHausbesuchen unterwegs zu sein, denn so würde man die Behandlungskapazitäteninsgesamtja reduzierenund LückenananderenStellenreißen. Die andere Seite der Realität aber ist die Situation der Betroffenen. Was für eine Herausforderung für Elternteile, insbesondere auch für Alleinerziehende, sich mit einemkrankenKindundeinemkleinengesundenKindspät am Abend auf den Weg zur Rettungsstelle zu machen! Daswilldocheigentlichniemandselbsterleben. Man muss auch zur Kenntnis nehmen: Für Erwachsene gibt es Hausbesuche, für Kinder nicht. – Dazu kommen wir aber gleich noch mal. Nun könnte man sagen: Na ja, es gibt ja auch sehr viel mehr Hausärzte als Kinderärzte. Da ist das Ganze sehr viel einfacher. – Das ist schon richtig, aber man muss auch weiterhin zur Kenntnis nehmen, dass es dennoch bereits ein Angebot für Hausbesuche fürKindergibt,aberebenleidernur fürprivatVersicherteundfürSelbstzahler. Wir sehen also: Es ist grundsätzlich möglich, ein solches Angebot anzubieten, und deshalb möchten wir, dass daran gearbeitet wird, um auch Kassenpatientinnen und ‑ patienteneinesolcheLeistungzurVerfügungzustellen. [VereinzelterBeifallbeiderCDU – BeifallvonBettinaKönig(SPD)] Letztlich sollten sich diejenigen, die immer das Kostenargument anführen, schon fragen, ob es wirklich kostengünstiger ist, im Zweifel gar eine Fahrt mit dem Rettungswagen und dem Besuch in der Rettungsstelle oder der Kindernotdienstpraxis zu finanzieren, als die 100 Euro bis 150 Euro für einen Hausbesuch, abgesehen davon, welche Erleichterung es doch für die Eltern mit einem erkrankten Kind ist, die sich dann nicht mit ihm nachtsaufdenWegineinKrankenhausbegebenmüssen. Was wir mit dem Antrag aber auch fordern, ist der AufbaueinestelemedizinischenAngebots.Diesesistnichtso personalintensiv, hilft aber bei der Beratung und Versorgung und vermeidet unnötige Inanspruchnahme von Rettungsstellen. Die Digitalisierung und das E-Rezept haben den Anwendungsbereich jedoch deutlich erweitern können. In anderen Regionen Deutschlands konnte in der Notfallmedizin bereits eine telemedizinische Säule etabliert werden. Grundsätzlich sehen wir also, dass eine Refinanzierungmöglichist. Wenn wir also einen intelligenten Weg fänden, wäre das Modellprojekt ein zusätzliches Versorgungsangebot, das nichtzueinerVerringerungbereitsbestehenderAngebote führt. Wie könnte das Ganze also funktionieren? – Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD ist eine Formulierung zu finden, wo es heißt, dass wir nach neuen Wegen der Fachkräftegewinnung suchen und individuelle Möglichkeiten ausloten und aufzeigen wollen, auch im Alter als Ärztin oder Arzt tätig zu sein. Dies könnte also ein Weg sein. Wer aus Altersgründen über einen Rückzug oder teilweisen Rückzug aus der eigenen Praxis nachdenkt, könnte doch vielleicht dafür gewonnen werden, in einem gewissen Umfang Besuche und Videosprechstunden zu übernehmen. Gleiches gilt für Teilzeittätigkeiten, diezumBeispielauchausfamiliärenGründenzunehmen. Hier könnte doch die Telemedizin eventuell attraktiv sein, da sie eine deutlich höhere Arbeitsflexibilität eröffnet. Ich freue mich, dass unsere Initiative bei verschiedenen Akteuren schon auf Resonanz gestoßen ist und das Interesse vorhanden ist, Gespräche über mögliche Wege zu suchen. Das werden wir sehr gerne bald aufgreifen, und ich bin selbstverständlich auch für andere Vorschläge offen, die eine Verbesserung erbringen können. Die Telematik wird aus meiner Sicht ein wichtiger Eckpfeiler werden, nicht nur im pädiatrischen Bereich. Da sind uns andere Länder weit voraus. Wir können und müssen die nachahmen. Lassen Sie es uns also mit diesem Modellprojekt angehen. – Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit! [BeifallbeiderCDUundderSPD] VizepräsidentinDr.BaharHaghanipour: Vielen Dank! – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatdieKolleginPierothdasWort.
