Andreas Otto
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Saal und zu Hause an den Endgeräten! Das ist ein schönes Berlin-Brandenburg-Thema, das es gelegentlich lohnt zu besprechen. Zwei Sachen stören mich allerdings an den Ausführungen des Vorredners. Lieber Herr Gräff: Erstens ist der Antrag ein bisschen flach. Sie tun hier so, als ob noch nichts geschehen sei; das ist ja nicht so. Daran wird ja schon mehrere Jahre gearbeitet, und auch die Wirtschaftssenatorin hat ja im Ausschuss bestätigt, was schon geschehen ist. Das hat damals schon bei der Vor-Vorgängerin Ramona Pop angefangen. Seitdem arbeiten Berlin und Brandenburg zusammen an diesem Thema Wasserstoff. Von daher, finde ich, könnte man so einen Antrag auch ein bisschen qualifizierter machen. Das zweite, was mich an Ihrem Redebeitrag stört – und ein bisschen erweckt auch die Begründung den Eindruck –, ist dieser Heilsglaube, dass der Wasserstoff alles lösen wird. Sie haben sogar von der Wärme, von der Fernwärme mit Wasserstoff und so gesprochen. Ich glaube, da müssen wir ein bisschen vorsichtig sein [Frank-Christian Hansel (AfD): Richtig!] und dürfen den Leuten auch nicht die Taschen vollhauen, [Beifall von Frank-Christian Hansel (AfD)] und zwar aus zwei Gründen. Die erste Frage ist: Wie viel Wasserstoff gibt es eigentlich? Wie viel wird es geben? Die zweite Frage ist: Wofür braucht man den eigentlich? Ich würde mit der Verwendung von Wasserstoff immer da anfangen, wo es nichts anderes gibt, das ist einmal in der Industrie. Zum Beispiel kann man ihn in der Stahlproduktion verwenden, da gibt es Modellvorhaben – Eisenhüttenstadt –, im Schwerlasttransport oder insbesondere im Luftverkehr. Das sind die Hauptanwendungsfelder. Wenn wir irgendwann Flugzeuge mit Wasserstoff betreiben können, ist das eine gute Sache. Da müssen wir aber auch erst einmal hinkommen. Dann gibt es noch die Überlegung Schwerlastverkehr, oder denken Sie an unsere Heidekrautbahn, die von Karow nach Groß Schönebeck über Wandlitz fährt. Die machen einen Versuch, die wollen da dieses Jahr Züge mit Wasserstoff fahren lassen, da gibt es schon andere Technologien, da kann man auch über Batterie nachdenken oder, oder, oder. Also bitte seien Sie vorsichtig, den Wasserstoff als Allheilmittel zu verkaufen. Wir sind dafür, dass wir in Berlin und Brandenburg Wasserstoff erzeugen. Wir wissen aber auch, dass das einen schlechten Wirkungsgrad hat. Deswegen sollte man das hauptsächlich aus dem Strom machen, den man übrig hat. Und wir wollen, dass der auch angewandt wird, insbesondere in der Industrie und auch beim Flugwesen, das ist noch eine Anwendung, auch dazu gibt es Unternehmen in Berlin und Brandenburg. Lassen Sie uns aber realistisch bleiben. Lassen Sie uns nicht darauf setzen, dass wir damit alle Wohnungen in Berlin beheizen. Es gibt noch Leute, die behaupten, man könnte irgendwann jede Gastherme, jede Etagenheizung mit Wasserstoff betreiben. Das sehe ich nicht. Das erleben wir alle zusammen hier nicht, sondern: vorsichtig sein, realistisch bleiben. Deswegen werden wir uns bei diesem Antrag enthalten. Wir sind nicht gegen Wasserstoff, aber wir sind dagegen, zu hohe Erwartungen zu schüren. Es muss daran gearbeitet werden, Industrie, Verkehr warten darauf, daran wird in Berlin und in Brandenburg gearbeitet. – In diesem Sinne vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN]
