Katina Schubert
Auf die Doppelstrukturen hat die Kollegin Wahlen ja schon hingewiesen. Trotzdem kann man eine solche Beratungsstelle so strukturieren, dass sie trotzdem ein zusätzliches und sinnvolles Angebot ist, wenn man die entsprechenden Mittel dafür auch bereitstellt. Ich glaube, dass der größere Fokus tatsächlich noch einmal auf den Arbeitsmarkt selbst zu lenken ist und zu gucken ist: Wo sind die strukturellen Hindernisse, die beseitigt werden müssen, damit Menschen mit Behinderungen tatsächlich auf dem ersten Arbeitsmarkt, in Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes, Erfolg haben, dass sie dort arbeiten können? – Hier wird jedes Jahr der Inklusionspreis verliehen; das macht die Senatorin. Da sieht man, dass es Unternehmen gibt, die da wirklich beispielhafte Vorarbeiten leisten, und dass es möglich ist, Arbeitsplätze so auszugestalten, dass es einem rollstuhlfahrenden Menschen nicht versagt ist, während der Arbeitszeit zur Toilette zu gehen oder sonstige Verrichtungen zu machen, dass es eben möglich ist, vernünftige ergonomische Bedingungen zu haben. Es gibt strukturelle Probleme in den Unternehmen, und da muss, glaube ich, ganz zentral angesetzt werden, damit auch Menschen mit Behinderungen keine Tortur von bürokratischen Aufwänden zu ertragen haben, bis sie endlich zu ihrem Arbeitsplatz kommen. Ich glaube, wenn wir daran irgendwie arbeiten können, was möglicherweise auch gar nicht so viel Geld kostet, weil man die Unternehmen dazu zwingen muss, es zu tun, kommen wir da noch mal ein Stück weiter. Wie gesagt: Wenn ihr die Kohle auftreibt, stimmen wir da zu. Ich glaube aber, es ist sinnvoller, sich darauf zu konzentrieren, Strukturen tatsächlich durchlässiger zu machen, sodass Menschen mit Behinderung real auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr Erwerbsplätze finden. Und da sind die Werkstätten tatsächlich keine Hilfe, denn es ist keine reguläre Beschäftigung, es gibt dort keine Tarifverträge und keine existenzsichernden Löhne. Natürlich wird es immer Menschen geben, für die sie wichtig sind, aber sie sind kein Ersatz für den ersten Arbeitsmarkt. – In diesem Sinne freue ich mich auf die Beratungen im Ausschuss! [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Catrin Wahlen (GRÜNE)]
