Andreas Otto
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Saal und zu Hause an den Endgeräten! Das ist ganz dicke Backe, Herr Kollege Gräff! [Beifall von Katalin Gennburg (LINKE)] Sie werden den Bund zwingen, das zu bauen, was Berlin vorschreibt. Na super! Vielleicht kann ich mal erinnern: Wir haben dem Bund das Grundstück verkauft, und der investiert mindestens 60 Millionen Euro für ein Projekt, das er für wichtig hält, das für Deutschland eine Bedeutung hat, und da ist es sicherlich richtig, dass Herr Gaebler irgendwann den Bauantrag unterschreibt. Der sollte aber nicht bestimmen wollen, was der Bund da errichtet. Das macht der Bund selbst. Das ist der Bauherr, das ist der Investor – Sie sind ja sonst bei Investoren auch nicht so mit dem Reinreden. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Ich will aber vielleicht mal ein bisschen was Grundsätzliches sagen. Die Bauakademie von Schinkel war letztendlich so etwas wie die Vorläuferin der Technischen Universität, der Technischen Hochschulen oder auch der Berufsschulen in Berlin. Davon zehren wir heute. In der Mitte Berlins wurde dies Gebäude von dem genialen Baumeister Schinkel errichtet. Der hat Bahnbrechendes für Berlin, für das Bauen, für die Ausbildung von Baumeistern, für den Umgang mit den Proportionen von Gebäuden und vieles andere mehr geleistet. Das Handeln von Schinkel war immer davon geprägt, dass er auf der Suche nach Lösungen für die baulichen Probleme der Zeit war. [Beifall bei den GRÜNEN] Dieser Grundsatz muss auch für uns gelten. Das ist auch unser Auftrag. Was sind die Probleme unserer Zeit? – Das ist der Bedarf an Wohnungen und an anderen Gebäuden. Das ist der verantwortungsvolle und der sparsame Umgang mit den Ressourcen, mit Energie, mit Baustoffen, und es ist das Bauen im Klimawandel. Das sind die Herausforderungen. Vor denen stehen nicht nur wir und die ganze Bundesrepublik, sondern auch diese Akademie. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Von Schinkel stammt auch der Ausspruch, dass europäische Baukunst gleichbedeutend mit griechischer Baukunst in ihrer Fortsetzung ist. Jetzt kommt es: Keine Maskerade – das Notwendige der Konstruktion schön zu gestalten, ist Grundsatz griechischer Architektur und muss Grundsatz bleiben für deren Fortsetzung. – Zitat Ende –. Schöner kann man es eigentlich nicht sagen. Wir brauchen Notwendigkeit in der Konstruktion und eine schöne Gestaltung. Das ist Aufgabe bei der Bauakademie in Berlin. Die Bauakademie soll Lösungen für die Probleme der Zeit erarbeiten und publik machen. In der Satzung der Stiftung Bauakademie findet sich dazu folgender Passus: Die Stiftung verwirklicht ihre Zwecke insbesondere durch Ausstellungen … und andere Veranstaltungen in den Bereichen Bauwesen, Stadtentwicklung, Wohnen und Baukultur (z. B. Foren, Seminare, Labore, Werkstätten) einschließlich des Angebots von Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für technische Berufe in den genannten Bereichen. Wunderbar! Ich stelle mir vor, dass wir mit dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen dort ein Seminar mit Herrn Gaebler, Frau Kahlfeldt, Herrn Gräff natürlich, den Vorständen von GESOBAU und DEGEWO machen und das Bauen mit Holz und Lehm praktisch ausprobieren. Das ist Schinkel, meine Damen und Herren! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Heiterkeit von Katalin Gennburg (LINKE)] Das ist Bauakademie im besten Sinne, und deshalb haben wir diesen Antrag gestellt. Wir wollen, dass das Innere, was da stattfinden soll, und das Äußere, die Gestalt, korrespondieren. Vielleicht noch ein anderer Aspekt: Am 3. Oktober wurde wieder viel über das wiedervereinigte Deutschland geredet: Was ist nur Ost, was ist nur West? – Viele haben festgestellt, dass es an gemeinsamen Projekten fehlt. So ein gemeinsames, zukunftsweisendes Projekt könnte im Herzen Berlins die Bauakademie sein, mit Lehmbauern aus der Lausitz, Zimmerleuten aus dem Schwarzwald, Solaranlagen aus Thüringen. Ein Projekt, das die Probleme unserer Zeit angeht und lösen hilft. Darum geht es. Deswegen bitten wir um Zustimmung zu unserem Antrag. Letzter Satz: Nachgebaute Gebäude wie zum Beispiel das Schloss haben wir in Berlin, aber auch in Potsdam bereits genug. Lassen Sie uns etwas Neues für die Zukunft anfangen. – Danke schön! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]
