Christian Zander
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich, dass das Ansinnen, diesen Runden Tisch Kindergesundheit einzurichten, auch bei der Opposition auf so positive Resonanz stößt. Es wurde schon länger angemahnt, dass wir aktiver werden müssen, was die Kinder- und Jugendgesundheit anbelangt. So hatte die Berliner Ärztekammer anlässlich des Weltkindertags im September 2022 bereits gefordert, dass man der Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern mehr Aufmerksamkeit schenken muss. Das tun wir auch ein gutes Stück mit der Einrichtung dieses Runden Tisches, denn die Probleme sind drängender denn je, da die Pandemie die Ungleichheiten bei Gesundheit und Entwicklungschancen gerade bei jungen Menschen verstärkt hat. Auch die psychosozialen Ängste, die sich aufgrund der multiplen Krisen in der Welt breitmachen, befördern nicht gerade die mentale Gesundheit. Auch hierfür sind insbesondere die jungen Menschen anfällig. Ich finde, der Runde Tisch ist geeignet, viele Angebote, die wir schon haben, besser zu vernetzen. Es geht darum, die Schnittstellen besser miteinander zu verbinden. Wir überlegen ja schon die ganze Zeit, wie wir gute Ansätze für eine präventive Arbeit finden. Da gibt es schon verschiedene Ansätze: Wir müssen verstärkt in die Schulen. Wir müssen über Mobbing – das betrifft auch die mentale Gesundheit –, über Drogenkonsum, über Endometriose und andere Sachen aufklären. Das alles sind präventive, gute Sachen für die Förderung der Gesundheit, aber so ganz stimmig ist das noch nicht. Es gibt kein gutes Konzept dafür, wie alles ineinandergreifen kann. Deshalb finde ich es einen guten und richtigen Schritt, das zum Thema des Runden Tisches zu machen. Was in der Pandemie zwangsweise aufgrund der Personalressourcen vernachlässigt worden ist, waren die flächendeckenden Schuleingangsuntersuchungen. Dafür war das Personal einfach nicht da. Das konnte man wegen der Pandemie nicht leisten. Es hat sich herausgestellt, dass das eher kontraproduktiv war. Hier muss noch einmal ein anderer Schwerpunkt gelegt werden. Vielleicht kann man das noch einmal systematisch anders aufziehen, weil die Schuleingangsuntersuchung eine einmalige Gelegenheit ist, dass sich ein Kind verpflichtend bei ärztlichem Personal vorstellen muss. Wir wissen alle, dass die Untersuchungen beim Kinderarzt nur ein verbindliches Einladungswesen sind und dabei eben keine Pflicht besteht. Wir haben als Koalition – das haben Sie, Frau Pieroth, ein bisschen anders dargestellt – natürlich auch schon in der Vergangenheit, seitdem wir hier seit Ende April arbeiten, versucht, erste Schwerpunkte zu setzen und zu zeigen, dass uns die Kinder- und Jugendgesundheit besonders wichtig ist. So haben wir auch gerade zum Thema gemacht, wie wir auf die nächste Infektionswelle im Winter vorbereitet sind. Wir haben gehört, dass erste Schritte vorbereitet sind, ähnlich wie bei der Coronapandemie. Das betrifft das Bettenmanagement. Wir haben noch andere Punkte angestoßen. Eine andere erfreuliche Entwicklung ist, dass die KV Berlin neue Hausarztsitze ausgeschrieben hat. 21,5 Arztsitze sollen es werden. Es müssen zwar noch alle durch die Gremien genehmigt werden, aber ich gehe mal davon aus, dass das so kommt. Wir hoffen auch, dass die Sitze möglichst schnell mit Ärztinnen und Ärzten besetzt werden können. Es reicht ja nicht, dass man die Sitze ausschreibt. Ich möchte aber der KV danken, dass sie das gemacht und daraus gelernt hat [Beifall bei der CDU – Beifall von Bettina König (SPD)] und dass das Prinzip auch bei der hausärztlichen Versorgung gefruchtet hat, indem man nicht mehr ganz Berlin als einen Planungsbereich sieht, sondern daraus vier Planungsbereiche gemacht hat. Es gibt einen, der gut versorgt ist, und drei unterversorgte Bereiche. Das ist auch in Spandau und Reinickendorf so und nicht nur in unseren östlichen Stadtteilen. Deshalb finde ich, dass das schon einmal eine gute Entwicklung ist. Weitere Sachen, die zu Verbesserungen führen können, sind die kleineren Schritte, die schon auf der Bundesebene gemacht worden sind, beispielsweise die Entbudgetierungen bei den Kinder- und Jugendmedizinern, die hoffentlich auch noch für den hausärztlichen Bereich kommen. Abschließen möchte ich mit dem Hinweis, den auch schon Frau Bettina König genannt hat, nämlich dass die DAK einen Kinder- und Jugendreport zur Kindergesundheit im Jahr 2022 veröffentlicht und danach noch eine Sonderanalyse vorgenommen hat. In dieser Sonderanalyse schreibt die DAK abschließend – ich zitiere mit Genehmigung der Präsidentin –: Wir begrüßen, dass die Berliner Koalitionspartner mit einem Runden Tisch Kindergesundheit hier eine Plattform schaffen wollen, um gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungswege zu finden. Wir müssen alles tun, damit Kinder in diesem Land gut und gesund aufwachsen. Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. – Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit! [Beifall bei der CDU und der SPD]
