Tommy Tabor
Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Liebe Berliner! Die im Antrag der Grünen aufgestellte Forderung, alternative Prüfungsformen zu stärken, ist überflüssig, weil es diese Möglichkeiten bereits gibt. Darüber hinaus fordern Sie ganz explizit, die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz zu unterlaufen. Diese Forderungen lehnen wir ab und damit auch Ihren Antrag. Um beim Abitur eine stärkere Vergleichbarkeit zu erreichen, hat die KMK eine Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung getroffen. Das ist auch richtig so. Die AfD hat sich zwar immer für den Bildungsföderalismus und gegen ein bundesweites Zentralabitur ausgesprochen, aber sinnvoll ist der logische Schritt davor: die Harmonisierung von Leistungsanforderungen, die Anzahl von Leistungskursen und Klausuren. Der Antrag der Grünen unterläuft diese gemeinsame Strategie und ist ein weiterer Versuch, schulische Leistungsanforderungen zu tilgen. [Beifall bei der AfD] Wissen allein schafft noch keine Bildung, und doch kann sich die Bildung nur durch den Erwerb von Wissen, nur durch die Aneignung konkreter Inhalte ausformen. Mit Prüfungen können wir nur bedingt messen, wie gebildet ein Mensch ist, und doch kommen schulische Bildungsprozesse nicht ohne Prüfungen und Feedbackgespräche zum Lernstand aus. [Beifall bei der AfD] Lehrkräfte benutzen Beurteilungen zur Verbesserung der Lernerfolge. Wenn Schüler am Montag gesagt bekommen, dass sie am Freitag einen Test schreiben sollen, dann lernen sie in der Regel dafür; selbst wenn er ausfallen sollte, hat es dennoch einen Mehrwert für die Schüler gehabt. Wir brauchen Leistungsanforderungen, und wir brauchen entsprechend auch Prüfungen und Leistungsbeurteilungen. Lernen braucht Lernfeedback, auch durch Noten. Natürlich gibt es Prüfungsängste und Angst vor dem Zeugnis, aber man tut Schülern keinen Gefallen, wenn man Prüfungen und Noten abschafft. Herausforderungen zu begegnen und diese zu meistern, lässt Schüler wachsen. [Beifall bei der AfD] Man hilft Schülern, indem man sie auf Prüfungen vorbereitet, man hilft ihnen aber nicht, indem man die Prüfungen einfach abschafft. [Anne Helm (LINKE): Das steht doch gar nicht im Antrag!] Wenn kluge Köpfe von Leistung sprechen, schwadronieren Grüne sofort irgendwie von schwarzer Pädagogik. Tatsächlich verhält es sich aber so: Die grüne Bildungspolitik gleicht dem Rasenmäherprinzip, welches jedes Problem der Kinder beseitigen soll. Diese Rasenmähereltern, die ihren Kindern jede Herausforderung aus dem Weg räumen wollen, sind oft die Ursache, warum jungen Erwachsenen immer mehr die notwendige Lebenstüchtigkeit verloren geht. [Beifall bei der AfD] Die Fehler dieser Eltern wollen die Grünen nun zur allgemeinen Schulpolitik machen. Prüfungen sollen gestrichen werden. Jeder, der sein Kind liebt, wird sich aber trotzdem gegen diesen grünen Quatsch stellen und Nein sagen. [Beifall bei der AfD] Es hat einfach seinen Grund, warum es Prüfungen gibt, die benotet werden. Das Land Berlin bietet schulrechtlich einen Handlungsspielraum im Bereich der Leistungsüberprüfung und Lernerfolgskontrollen. Letztere sind weder in der Primärstufe noch in den Sekundarstufen I oder II abschließend vorgegeben, sodass hier innovative Formate gewählt werden können. Wir wünschen uns, dass das Lernen in Projekten wie zum Beispiel bei Schülerwettbewerben bei der Leistungsbewertung angemessen berücksichtigt werden kann. Art und Umfang von alternativen Prüfungsformaten sind aber nur begrenzt. Geometrische Formen während einer Matheprüfung bunt auszumalen statt zu berechnen, reicht eben weder für die Berufswelt noch für das Studium aus. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
