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Franziska Brychcy

LINKE 25.05.2023 Sitzungen 19/31

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sonst reden wir derzeit sehr viel über die grundsätzlichen Voraussetzungen für gute Bildung, also Schulplätze und das pädagogische Personal, und deswegen fand ich das, ehrlich gesagt, ganz erfrischend, dass die Grünen hier heute einen Antrag einbringen über die moderne Prüfungskultur. Denn ich finde tatsächlich, dass sich an der Schule Dinge verändern müssen. Wenn jetzt ohnehin die Verordnungen an die neuen Oberstufen- und Abiturprüfungsvereinbarung angepasst werden müssen – darauf hat sich die KMK auch vereinbart –, finde ich das, ehrlich gesagt, eine ganz spannende Idee, dass man auch mal über moderne Prüfungsformate spricht – wie Portfolios, Forschungsberichte, praktische Produkte, Kolloquien oder Multimediapräsentationen – und auch überlegt oder zumindest mal prüft, denn Frau Günther-Wünsch hat ja gesagt, sie prüft sehr viel, [Heiterkeit von Marcel Hopp (SPD)] ob wir nicht eine rechtliche Grundlage dafür schaffen können, denn die Lebenswelten und beruflichen Anforderungen haben sich komplett verändert. Natürlich müssen sich auch die Schule, die Lern- und die Prüfungskultur mit entwickeln und modernisieren, um Schülerinnen und Schüler zu begeistern und zu motivieren statt abzuschrecken und zu frustrieren. Da fand ich die „Potsdamer Erklärung“ von vielen Bildungsakteurinnen und Bildungsakteuren von 2023 – Anfang des Jahres – ganz interessant, dass sich auch viele Schülerinnen und Schüler wünschen, dass sie interdisziplinärer und projektorientierter arbeiten und lernen wollen und eben die Lerninhalte auch lernen wollen, die sie später im Beruf oder in der Lebensrealität tatsächlich brauchen. Und ich finde, diese Idee ist ja etwas, das uns auch als Bildungspolitikerinnen und -politiker eint. Im Team zu arbeiten, selbstständig zu lernen, kreativ und vernetzt zu denken, sich auch komplexe Problemlösungskompetenzen anzueignen, digitale Mündigkeit – das sind alles Dinge, die wir ja voranbringen wollen. Ich finde, es ist jetzt gar nicht so weit hergeholt, dass man das in den Mittelpunkt stellt und dass sich das auch verändert hat. Darum begrüßen wir als Linke die Debatte, wie sich diese modernen Prüfungsformate etablieren lassen, denn natürlich braucht es einheitliche Bewertungsmaßstäbe und natürlich müssen auch die Pädagoginnen und Pädagogen und die Schülerinnen und Schüler daran beteiligt werden, solche Ideen und solch einen Prozess mitzuentwickeln und mitzudiskutieren. Ich möchte noch auf ein anderes Problem aufmerksam machen: Die neue Oberstufen- und Abiturprüfungsvereinbarung bringt auch die Herausforderung mit sich, dass an den Oberstufen, insbesondere an den ISSen und Gemeinschaftsschulen, denn es gibt eben nicht nur die Gymnasien, auch zukünftig 40 Kurse angeboten werden müssen, bis jetzt sind es 34. Das hat dann natürlich auch einen entsprechenden Bedarf an Lehrkräften zur Folge, den wir abdecken müssen und die an anderer Stelle natürlich fehlen. Und wir wollen ja nicht nur die Oberstufe machen, wir wollen Berufsorientierung, soziales Lernen, Schülerinnen- und Schülerfahrten und so weiter machen, Sie wissen das alles, das heißt, das ist natürlich eine sehr schwierige Situation. Wir brauchen hier auch eine Steuerung, weil insbesondere an Grundschulen, ISSen und Gemeinschaftsschulen – insbesondere in schwieriger Lage – eine schwierige Personalausstattung ist. Hier wollen wir keine Schülerinnen und Schüler alleinlassen. Das ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Wir Linke sind der Ansicht, das wissen Sie, dass wir eine Ausbildungsoffensive brauchen, dass wir jetzt in den Hochschulverträgen bedarfsdeckend ausbilden müssen. Das ist wichtig. Das müssen wir jetzt tun, damit wir dann 2029 auch die entsprechenden Absolventinnen und Absolventen haben. Daran werden wir die Koalition auch messen. [Beifall von Klara Schedlich (GRÜNE)] Fazit: Wenn wir die Oberstufen- und Abiturprüfungsvereinbarungen jetzt sowieso anpassen, wenn die Verwaltung das macht, sind wir da offen für moderne Prüfungsformate, damit Schülerinnen und Schüler gern lernen und auch Dinge für das spätere Berufsleben mitnehmen. Das finden wir wichtig, aber das darf eben nicht auf dem Rücken der Schulen in schwieriger Lage mit geringer Personalausstattung geschehen. Hier braucht es Steuerung, hier braucht es eine Ausbildungsoffensive, und wir müssen endlich bedarfsdeckend ausbilden. – Danke! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]

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