Marianne Burkert-Eulitz
Werte Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lieber Herr Fresdorf! Was für eine fulminante Überschrift über Ihrem Antrag: „Funktionierender Bildungsstart für Berliner Schülerinnen und Schüler“. Ich hätte erwartet, Sie machen uns Vorschläge, wie Kinder mit schwierigen Startchancen besser gefördert und begleitet werden können, ihre Eltern in den Bildungsprozess ihrer Kinder besser eingebunden werden, die Kitas in armutsbelasteten Stadtquartieren noch besser unterstützt werden können, damit Bildungserfolg weniger davon abhängig ist, ob ein Kind in einer Apothekerfamilie aufwächst oder in einem Ein-Eltern-Haushalt in der x-ten Generation, staatlich alimentiert. [Sibylle Meister (FDP): Ja! Wirklich super!] Was steht im Antrag? – Tests. Herr Fresdorf! Wo war Ihr lautes öffentliches Engagement, als Herr Lindner, Bundesfinanzminister der FDP, das Programm Sprachkitas plattgemacht hat? – Da habe ich nichts von Ihnen gehört. [Aha! von der SPD – Holger Krestel (FDP): Das ist doch eine glatte Falschinformation! Das Programm ist ausgelaufen! – Zuruf von Paul Fresdorf (FDP)] Was ist nun Ihre Berliner Antwort für einen gelingenden Bildungsstart, liebe FDP? – Tests und die Einführung einer Vorschule. Das hat mich schon enttäuscht, Herr Fresdorf. [Beifall bei den GRÜNEN und der SPD] Grundsätzlich ist es richtig zu wissen, welche Ausgangssituation hinsichtlich der Sprache eines kleinen Kindes vorhanden ist. Ihre Ideen sind aber weder innovativ noch neu und sicherlich kein funktionierender Start in die Schule. Die Überarbeitung und Weiterentwicklung der Sprachförderung in den Berliner Kitas aufgrund des Handelns dieser Koalition findet längst statt. Frau Haußdörfer hat es Ihnen gerade erklärt. Es werden neue Instrumentarien der Sprachstandsfeststellung für Berlin mit der Fachhochschule Potsdam entwickelt. Der Zeitpunkt der Sprachstandsfeststellung wird vorgezogen, und das ist kein Geheimwissen. Das wird öffentlich diskutiert. Wo waren Sie? Wo haben Sie zugehört, Herr Fresdorf, als Sie diesen Antrag geschrieben haben? Die Sprachstandstests aller Kitakinder sowie aller Nichtkitakinder wollen Sie unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten durchführen. Frau Günther-Wünsch hat schon mal Bezug darauf genommen. Echt jetzt, FDP? Das soll liberale Politik sein? [Paul Fresdorf (FDP): Rechtsstaat!] Wenn also Eltern dem nicht nachkommen, dann will die FDP zum Familiengericht gehen, in das Sorgerecht der Eltern eingreifen lassen und sie der Kita unter Zuhilfenahme von Gerichtsvollzieher und Polizei zum Test vorführen lassen. Ist das Ihre liberale Politik? [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Das ist aber die Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten. Und klar, wenn ein kleines Kind gegen den Willen der Eltern zu einem Test gezwungen wird, wird es sicherlich fröhlich und entspannt in angenehm offener Atmosphäre an dem Test teilnehmen. Wo sind Ihre Ideen, wie die Kinder ihre Deutschkenntnisse verbessern können? Wo sind Ihre Ansätze für die Arbeit mit den Familien? Wo ist Ihre Wertschätzung der Familiensprache, die manchmal auch drei Sprachen sind? Welche Instrumente sollen da genutzt werden? Was vorstellbar wäre, ist eine Sprachstandserhebung bei Kitastart, also altersheterogen. Dann wüsste die Kita genau, wo sie ansetzen müsste. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Wo bleibt die Wertschätzung von Mehrsprachigkeit? Diese Koalition hat eine Landeskoordinierungsstelle für das Programm „Griffbereit & Rucksack“ geschaffen. Diese Programme verbinden mehrsprachige Familien mit den Kitas, Familienzentren und Schulen, und sie fördern ganzheitlich die Entwicklung der Kinder. Und Sie wollen die Erweiterung der Schulpflicht um ein qualifizierendes Vorschuljahr in der Kita. Sie müssen sich jetzt schon entscheiden: Vorschule in der Schule? Dafür haben Sie aber weder Platz noch Personal, aber eine Schulpflicht in der Kita ist rechtlich und tatsächlich überhaupt nicht möglich, und das wissen Sie ganz genau. Da gibt es das Grundgesetz, welches dem entgegensteht. Ein funktionierender Bildungsstart heißt für uns Grüne: multiprofessionelle Teams in der Kita, Kindheitspädagoginnen als besonders qualifizierte Fachkräfte, Kitasozialarbeit, die Konzentration auf Kitas und Kinder, die aus einer hohen Armutsbelastung kommen, und immer wieder der individuelle Blick auf die Kinder und ihr familiäres Umfeld. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD und der LINKEN]
