Paul Fresdorf
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! 26, fast 27, Jahre SPD im Bildungsressort haben mannigfaltige Probleme in der Bildungspolitik geschaffen, die Sprachförderung ist eines davon. Bildung ist wohl die wichtigste Ressource in unserem Land und in dieser Stadt. Wir sind es unseren Kindern und uns selbst schuldig, die heranwachsenden Generationen bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Deshalb fordern wir Freien Demokraten – und das im Übrigen schon seit Langem – die weltbeste Bildung für unsere Kinder und Jugendlichen. [Beifall von Holger Krestel (FDP)] Damit dies gelingen kann, ist die wohl wichtigste Voraussetzung das Beherrschen der deutschen Sprache. Um am Unterricht teilzuhaben, um Wissen und Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben zu erwerben und das individuelle Potenzial voll entfalten zu können, ist es unerlässlich, dass die Kinder Deutsch verstehen und sprechen können. [Beifall bei der FDP] Nur so können sie ihren Bildungsweg erfolgreich bestreiten und alle Chancen, die ihnen das Leben bietet, nach ihren Vorstellungen nutzen. Sprachförderung bedeutet aber nicht nur gute Bildungschancen, die Sprachförderung ist auch die Basis einer gelingenden Integration. Inzwischen hat jedes zweite Kind in Berlin unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund. Deshalb ist es umso unverständlicher, warum die Sprachförderung der Kinder in dieser Stadt mit so viel Nachlässigkeit betrieben wird. Seit dem Jahr 2008 müssen Kinder in Berlin, die weder eine Kita besuchen, noch Deutsch können, vor der Einschulung an einer Sprachförderung teilnehmen. Es ist absurd, dass diese simple Aufgabe im Jahr 2023, also 15 Jahre später, immer noch nicht funktioniert und wir wieder Zeit und Ressourcen darauf verschwenden müssen, hier darüber zu diskutieren, dieses Problem endlich zu beheben. [Beifall bei der FDP – Felix Reifschneider (FDP): Skandal!] Sprachförderung ist kein Vorschlag, wie man nach der lapidaren Ausführung seitens des Senats und der Bezirke meinen könnte, es ist Gesetz und das aus gutem Grund, wie ich bereits ausgeführt habe. [Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE): Von Sprachförderung steht in Ihrem Antrag nichts drin!] Das Beherrschen der deutschen Sprache ist kein unwichtiges Detail, das man mal eben unter den Tisch fallen lassen kann. Im vergangenen Jahr sind von 3 091 zum Sprachstandstest aufgeforderten Kindern gerade einmal 1 058 erschienen. Von 3 091 Kindern sind 1 058 erschienen. Das ist nicht einmal ansatzweise die Hälfte. Das sind 2 033 Kinder zu wenig! Man könnte meinen, das alleine sei schon ein unhaltbarer Zustand, aber nein, es geht noch besser. Von diesen 1 058 Kindern wurde bei 891 Kindern ein Sprachförderbedarf festgestellt, also bei immerhin knapp 85 Prozent. Von diesen 891 förderbedürftigen Kindern besuchten anschließend – das ist Stand November 2022 – gerade einmal 162 ein Förderangebot. Selbst wenn klar ist, dass ein Kind gefördert werden muss, passiert in dieser Stadt nichts, und das ist eine Schande! [Beifall bei der FDP und der CDU] Wie können wir dieses Thema nun zielführend bearbeiten? Wie sieht eine optimale Sprachförderung aus? [Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE): Das steht hier nicht drin!] Die Antwort ist weniger kompliziert, als man denken mag, wenn man sich die Zahlen einmal anschaut. Wir sind heutzutage in der glücklichen Lage, viele wissenschaftliche Erkenntnisse darüber zu haben, wie die kindliche Entwicklung verläuft und wie Kinder optimal gefördert werden können. Für die sprachliche Entwicklung muss man festhalten, dass diese im Alter von vier Jahren abgeschlossen ist. Erst dann mit den Sprachstandstests zu beginnen, ist ein Fehler, weshalb wir fordern, schon im Alter von drei Jahren diesen Test vorzunehmen. [Beifall bei der FDP] Die Kinder müssen früh die Chance bekommen, Sprachförderung zu erhalten, um in dem Moment, wo sie in das Bildungssystem kommen, von diesem auch profitieren zu können. Wir fordern neben einer früheren Sprachstandsfeststellung eine konsequente Durchführung dieser Tests für alle Kinder, die vorgeladen werden, mit allen rechtlichen Möglichkeiten, die man gegenüber den Eltern hat, auch ein verpflichtendes letztes Kitajahr für alle Kinder in dieser Stadt, in dem die vorschulische Arbeit verstärkt werden soll. [Beifall bei der FDP] Gerade diese vorschulischen Kompetenzen erlernt man am besten in der Gemeinschaft. Das ist Frustrationstoleranz, das ist ein soziales Miteinander, das ist aber auch das Mit-Sprache-Auseinandersetzen und sich mit anderen Kindern in der deutschen Sprache auseinanderzusetzen. Dieses Vorschulsetting muss zwingend eingeführt werden, wenn wir unser Bildungssystem wieder auf den richtigen Weg bringen wollen. Jetzt läuft mir die Zeit leider davon, was nichts daran ändert, dass das Thema Sprachförderung, [Zuruf von Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE)] glaube ich, mit zum Fundament gehört, was wir für unser Bildungssystem brauchen. Es stärkt die frühkindliche Bildung. Es hilft uns, am Anfang der Bildungslaufbahn Chancen zu öffnen und nicht nachher viele Millionen und Abermillionen Euro in den Reparaturbetrieb zu stecken. Wir müssen beim Beginn einer Bildungskarriere anfangen. Darum werbe ich für die Zustimmung zu diesem Antrag und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der FDP]
