Tommy Tabor
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Berliner! Der Antrag der FDP spricht ein trauriges und emotionales Thema an. Wir können der Intention des Antrags folgen und begrüßen jede Maßnahme, die dazu beiträgt, die Anzahl von Totgeburten durch Datenanalysen und wissenschaftliche Forschung zu reduzieren, müssen allerdings noch einmal im Ausschuss genauer klären, wie diese Daten denn wirklich weiterhelfen können. Sie haben ja jetzt schon einmal ein Beispiel genannt, das hat mir schon mal weitergeholfen, das zu verstehen. Wir sehen jedoch bei einigen anderen Details noch weiteren Gesprächsbedarf. Als Vater von vier Kindern fühle ich mit allen Eltern mit, die den Verlust ihres Kindes verschmerzen mussten, egal, wann dieses grausame Schicksal zuschlug. Die Zeit der Schwangerschaft ist eine Zeit der Vorfreude, des Hoffens, aber auch eine Zeit des Bangens, dennoch irritiert das Vermischen von Fehl- und Totgeburten in dem FDP-Antrag etwas. Jeder Mensch geht mit seiner Trauer und dem beendeten Hoffen auf ein geliebtes Kind anders um. Bei dem Antrag werden immer wieder Totgeburten und Fehlgeburten vermischt, und wir sind der Meinung, dass man das genauer differenzieren muss. Die meisten Fehlgeburten erfolgen bis zur zehnten Schwangerschaftswoche. Viele dieser Fälle geschehen als stumme Fehlgeburten, bei der lediglich eine Blutung eintritt, die wie die normale oder etwas verspätete Monatsblutung erscheint. Die Ursachen sind dabei sehr vielschichtig. Nochmals: Jeder Mensch trauert anders, aber die ganz besonders traumatischen und zum Glück sehr seltenen Fälle sind die Fehlgeburten nach der zwölften Schwangerschaftswoche, bei denen das Kind unter 500 Gramm wiegt, es für eine Ausschabung zu groß ist, und eine natürliche Geburt eingeleitet werden muss, und natürlich die Fälle, für die laut Fachdefinition das Wort Totgeburt zutreffend ist, also das Geburtsgewicht mindestens 500 Gramm beträgt, oder die 24. Schwangerschaftswoche überschritten wurde. Genau, weil viele Fehlgeburten unbemerkt stattfinden, lässt sich die Datenlage nicht für alle im Antrag genannten Fälle entscheidend verbessern. Anders sieht es bei den Fehlgeburten nach der zwölften Schwangerschaftswoche und den klar definierten Totgeburten aus, hier ist der negative Trend tatsächlich nicht hinzunehmen, und jedes einzelne gerettete Leben zählt. Das sehen wir nicht nur hier so, sondern auch ganz besonders bei der deutlichen Reduzierung der Anzahl der Abtreibungen. Sie finden das in allen AfD-Programmen, jeglicher Ebene übrigens. Wir kämpfen für eine kinderbejahende, familienfreundliche und geburtenfördernde Politik, bei der sich keine Frau aus sozialen Ängsten oder anderen Gründen gegen ein Kind entscheiden muss. In einem Punkt des Antrags wurde die FDP bereits von der Wirklichkeit überholt: Trauerarbeit und seelische Nachsorge findet bereits auf hohem Niveau und in vielen Facetten statt. Das Gros wird von unseren so schlecht behandelten, aber unersetzlichen Berliner Hebammen geleistet, denen ich an dieser Stelle für ihre wertvolle Arbeit ausdrücklich danken möchte. [Vereinzelter Beifall bei der AfD] Sie unterstützen in den Kreißsälen, den Geburtshäusern, bei Hausbesuchen und in der Trauerarbeit. Viele von ihnen haben sich zusätzlich noch in der seelischen Betreuung von Eltern mit Sternenkindern qualifiziert. Auch das weitere Personal in den Geburtskliniken dieser Stadt leistet in vielen, systematisch völlig kaputtgesparten Krankenhäusern eine empathische Trauerbewältigung. Dafür nehmen Sie sich Zeit und Raum für die Eltern, die die notorisch unterbesetzten und unterfinanzierten Krankenhäuser eigentlich nicht bieten. Auch ihnen gebührt unser Dank. Ob es darüber hinaus weiteren Bedarf bei den trauernden Eltern gibt, müsste zunächst in einer weiteren Debatte geklärt werden. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
