parlament-berlin.de ↗

Dr. Maren Jasper-Winter

FDP 11.01.2023 Sitzungen 19/24

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich muss einfach drei Punkte noch einmal richtigstellen, die gerade durch die Kollegin Pieroth ein bisschen ins falsche Licht gerückt wurden. Der erste Punkt, die erste Forderung: Leitsystem für Beratung und Unterstützung von Eltern. Es gibt in Berlin vereinzelt, vor allem ehrenamtliche Unterstützung und Beratung für Eltern von Sternenkindern. Es gibt keine vernünftig strukturierte Beratung und Unterstützung in Form eines Leitsystems, das sich durch die Krankenhäuser und gynäkologischen Praxen strukturiert durchzieht, und darum geht es hier. Es geht darum, dass es nicht dem Zufall überlassen ist, an welche Person man in dieser schwierigen Situation gerade gerät, die dann vielleicht fachkundig auch mal beraten kann oder eben nicht. Meistens hat man völlig überforderte Gynäkologinnen und Gynäkologen, die da stehen und sagen: Oh mein Gott, was sage ich jetzt? Am besten gar nichts. Gehen Sie mal nach Hause, ruhen Sie sich aus – Punkt. – Das kann doch nicht unser Anspruch sein, und das war mit der Forderung gemeint. Das war, glaube ich, nicht ganz klar. [Beifall bei der FDP] Zweiter Punkt: Totgeburtenregister. Es wurde gesagt, es gäbe schon genug statistische Daten. – Es gibt vielleicht die Anzahl der Totgeburten, aber erstens nicht die Anzahl von Fehlgeburten und zweitens schon gar nicht die Umstände, mögliche Ursachen dieser Totgeburten, und das ist ein Riesenproblem. Lassen Sie mich ein Beispiel geben. Vielleicht kennen Sie das Buch von Natascha Sagorski „Jede 3. Frau“. Sie hat viele Interviews mit Frauen geführt, und ein Beispiel hat mich besonders berührt. Eine Frau hat in der 38. Schwangerschaftswoche, das ist kurz vor Entbindungstermin, zweimal hintereinander ihr Kind verloren, Totgeburt, weil man bisher nicht wusste, dass eine sehr spät auftretende Schwangerschaftsdiabetes, die regulär vorher nicht getestet wird, jeweils zum Tod des Kindes führen konnte. Es war reiner Zufall, dass das mal aufgedeckt wurde. Dieser Fall ist natürlich nicht irgendwo selbstverständlich in einem Register anonymisiert aufgetreten. Beim dritten Mal kam man auf die Idee, das Kind eher zu holen, und das Kind ist kerngesund zur Welt gekommen. Das ist mit einem Totgeburtenregister und einer echten Möglichkeit zu forschen gemeint. Wir wollen doch das Leid der Frauen und Männer für die Zukunft mindern, und deshalb brauchen wir dieses Register. [Beifall bei der FDP – Beifall von Katharina Günther-Wünsch (CDU)] Und der dritte Punkt war auch schräg: Friedhöfe. Klar gibt es Gräber von Sternenkindern auf vielen Friedhöfen. Hier geht es aber gerade doch um Gedenkorte für Kinder in einem sehr frühen Stadium oder aus welchen Gründen auch immer, die nicht begraben wurden, die kein eigenes Grab haben. Da ist tatsächlich, Frau Kollegin Seibeld hat es gesagt, sehr viel Luft nach oben. Diese Orte gibt es für diese Fälle, wenn, dann nur sehr vereinzelt. Ich muss das an der Stelle einfach noch mal klarrücken, weil die Fakten hier zum Teil vermengt werden. [Beifall bei der FDP – Beifall von Adrian Grasse (CDU)]

Alle Reden von Dr. Maren Jasper-Winter Protokoll ↗