Paul Fresdorf
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sprache hat Einfluss auf unsere Denkweise. Was und wie wir denken, wird entscheidend durch die Sprache, die wir sprechen, geprägt. Sprache ist mehr als Grammatik und Vokabeln. Sie ist Teil der Kultur und der wichtigste Bestandteil, wenn es darum geht, Wissen von einer Generation zur nächsten weiterzugeben. Sprache ist eine der ersten Kompetenzen, die ein kleines Kind erwirbt. Ob wir unseren Bildungsweg erfolgreich beschreiten, hängt in immensem Maße davon ab, wie gut wir die Sprache beherrschen, in der der Unterricht erteilt wird. Was macht nun eine lebendige Sprache aus? – Die Sprache als Mittel der Kommunikation und als Wissensvermittlung muss zuallererst eines sein: Sie muss klar und unmissverständlich sein. Sie muss im Alltag unterstützend wirken und die Verständigung untereinander erleichtern, insbesondere dann, wenn es um Wissensvermittlung in Schulen geht. Dient genderneutrale Sprache diesem Zweck, und wenn nicht, welchem Zweck dient sie, und worum geht es, wenn man sie anwendet? – Im Kern geht es bei der Verwendung dieser geschlechtergerechten und diskriminierungsfreien Sprache, in der man alle Geschlechter sichtbar macht, darum, ein Bewusstsein für die Gleichheit der Geschlechter zu schaffen, niemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen – so weit, so gut. Problematisch wird es dann, wenn die eigene Sprache wie eine künstliche Züchtung aus dem Sprachlabor erscheint, wenn wir uns eben nicht mehr einfach und klar verständigen können, wenn neu erschaffene Sprachgebilde entstehen, die das inhaltliche Verständnis beeinträchtigen und den Sprachfluss und damit die Gedanken unterbrechen. Bei dem Thema gendergerechte Sprache stehen sich regelmäßig zwei extreme Lager gegenüber: Die einen, die Gleichstellung per Sprachdekret auf Biegen und Brechen herstellen wollen, und die anderen, die von der andauernden politischen Korrektheit genervt sind. Ein freiheitliches und gleichberechtigtes Zusammenleben sollte unsere Gesellschaft auf jeden Fall prägen, aber darüber, über welche Mittel dies zu erreichen ist, lässt sich bekanntlich streiten. Ob es nun Fußgängerzone oder Flaniermeile heißen sollte, dürfte die Gleichstellung zwischen Mann und Frau wenig voranbringen. Entscheidend ist, dass es in unseren Schulen mehr um Inhalte geht, um Weltoffenheit, um Akzeptanz, um Toleranz, statt sich sprachlich an Details aufzuhängen, die die Inhalte unter Umständen auch in den Hintergrund rücken. [Beifall bei der FDP] Fest steht jedenfalls, über die gendergerechte Sprache herrscht keine allgemeinverbindliche Einigkeit. Im Gegenteil, von der Mehrheit der Bevölkerung wird sie laut Umfragen abgelehnt, und auf theoretischer Ebene läuft darüber hinaus eine fortlaufende Diskussion – politisch, gesellschaftlich und linguistisch. Wir sind also weit davon entfernt, eine allgemeingültige Regelung für die Schulen einführen zu können und sollten dies entsprechend auch tunlichst nicht machen. [Beifall bei der FDP] Zum AfD-Antrag: Die AfD fordert nun die zwanghafte Durchsetzung des amtlichen Regelwerks der deutschen Rechtschreibung. Das ist so ein bisschen das Hornberger Schießen. Wir haben es gerade gehört, das steht im Rahmenlehrplan drin, also Sie fordern etwas, das es schon längst gibt. Das ist viel Lärm um nichts. [Beifall bei der FDP und der LINKEN] Aber allein, wie Sie die Formulierungen in Ihrem Antrag platziert haben, lässt schon vermuten, dass es bei Ihnen nicht um vernünftigen Pragmatismus geht. Sie lehnen ja die Gendersprache allein schon deshalb ab, weil eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen so ganz und gar nicht in Ihr Weltbild passt. [Beifall bei der FDP, der SPD und den GRÜNEN – Jeannette Auricht (AfD): So ein Quatsch!] – Ich höre Sie schon rufen, das ist doch Quatsch, das stimmt doch gar nicht, aber wenn Sie einmal schauen, was Ihre Kollegen in Sachsen auf Instagram in den letzten Wochen geteilt haben, dann weiß man, wes Geistes Kind Sie sind. [Beifall bei der FDP und den GRÜNEN – Thorsten Weiß (AfD): Ach!] Da sieht man, und ich würde es gerne den Kolleginnen und Kollegen kurz zeigen, eine Grafik mit einer modernen, befreiten Feministin und einer traditionellen Frau. Die traditionelle Frau wird so beschrieben: Sie kümmert sich um die Erziehung und Bildung der Kinder, und es ist ihre erste Pflicht. Sie lebt stolz in der Familie für ihre Kinder und unterstützt den Mann in Liebe. – Die Fünfzigerjahre lassen grüßen. [Vereinzelter Beifall bei der FDP] Die moderne Frau, die befreite Feministin wird verteufelt, denn sie ist auf Abtreibung stolz und kriegt auch nur den Mindestlohn. Das ist ein wirklich ekelhaftes Klischee, das Sie hier verbreiten. Und das scheint auch der Antrieb Ihres Antrages zu sein. [Beifall bei der FDP, der SPD, den GRÜNEN und der LINKEN] Wir Freien Demokraten stehen für einen pragmatischen, liberalen Umgang mit Sprache. Wir sollten aber immer wieder beobachten und überprüfen, wie es in unseren Bildungseinrichtungen aussieht und ob das Nichtverwenden von gendergerechter Sprache zu schlechteren Noten führt, denn das wäre verwerflich. Das muss die Bildungsverwaltung auch immer wieder klarstellen. Schülerinnen und Schüler müssen die Möglichkeit haben, sich zu kontroversen Themen eigene Meinungen bilden zu können. [Jeannette Auricht (AfD): Können sie ja!] Und die gendergerechte Sprache ist nun tatsächlich ein kontroverses Thema, weshalb wir sie in Schulen grundsätzlich nicht verordnen sollten. [Beifall bei der FDP] – Danke, liebe Kollegen, das ist sehr freundlich! – Wir brauchen diesen Diskurs. Wir müssen ihn in dieser Stadt führen und sollten uns dabei nicht von Ideologien leiten lassen. Gesellschaftliche Veränderungen werden immer irgendwann durch die Sprache abgebildet, und wer weiß, welche Formen der Sprache uns eines Tages überraschen werden, vielleicht ganz andere als die, über die wir gerade sprechen. – Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit! [Beifall bei der FDP – Vereinzelter Beifall bei der SPD, den GRÜNEN und der LINKEN]
