Felix Reifschneider
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu später Stunde, aber noch nicht müde, sind wir hier im Plenarsaal. Ich wüsste jetzt gar nicht, auf welche Anwesenheit von einer Senatorin oder einem Senator ich bestehen müsste, ob es eher der Wirtschaftssenator für Betriebe ist oder eher die Mobilitätssenatorin. Aber irgendwie fehlt es auf der Regierungsbank. [Danny Freymark (CDU): Dann beantrage doch einfach!] – Nein, das ist für den Antrag vielleicht gar nicht erforderlich. Ich bin ja sicher, dass mir zugehört wird. In den Neunzigerjahren war es mal ganz cool, als diese Scheckkarten rauskamen und alles Mögliche mit Scheckkarten probiert wurde. Mittlerweile hat, glaube ich, jeder und jede von uns mehr als fünf oder sechs dieser Scheckkarten im Portemonnaie, den Personalausweis, den Führerschein, die Karte für die Bibliothek, das Fitnessstudio und so weiter, und dann vielleicht auch noch die BVG-Karte. Das muss nicht sein. Deswegen nutzen viele Leute lieber Apps, bezahlen per App, haben auch ihre BVG-Monatskarte in der App. Jetzt ist der einzige doofe Umstand dabei, dass ich bei der BVG-Monatskarte, der Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr, hier in Berlin mit der App weniger Leistungen für denselben Preis erhalte, als wenn ich das normal auf Papier oder als Plastikkärtchen habe. Das muss nicht sein, nicht im 21. Jahrhundert, [Beifall bei der FDP – Vereinzelter Beifall bei der CDU] nicht im Jahr 2022. Deswegen fordern wir schlicht, dass die App genauso leistungsfähig und mächtig sein soll wie die Plastikkarte, dass eine Übertragbarkeit möglich gemacht werden soll. Wer jetzt Sorgen hat, dass dem Missbrauch damit Tür und Tor geöffnet wird: Da gibt es auch einfache technische Möglichkeiten, das zu verhindern. Ich erinnere mich natürlich auch noch an die Zeit, als ich nach Berlin gezogen bin. Da gab es noch das Zweistundenticket. Da standen immer die Leute an den U-Bahn-Stationen und wollten die Karten einsammeln und sie noch weiter verkaufen, wenn die zwei Stunden noch nicht abgefahren waren. Wer jetzt Sorge hat, das würde bei so einer digital übertragbaren Monatskarte dann auch so sein, dass man die Zeiten einfach – in Anführungszeichen – auf irgendeiner findigen Onlineplattform verhökert: Auch dafür gibt es Mechanismen, das aufzuhalten, beispielsweise, indem man die Zahl der Personen begrenzt, auf die eine Monatskarte innerhalb einer Woche, eines Tages oder eines Monats übertragen werden kann. Wir haben echt gute Erfahrungen mit der digitalen Übertragbarkeit von Zugangsermöglichungen in anderen Bereichen, beim Sport, bei Musikveranstaltungen und in vielen kulturellen Bereichen. Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Senat oder die BVG selbst bislang nicht auf den Gedanken gekommen sind, die Monatskarte digital übertragbar zu machen. Deshalb hier unser Antrag! Ich freue mich auf eine kurze, lebhafte Debatte und dass wir es dann möglichst zügig im Ausschuss behandeln und dem gesunden Menschenverstand folgend beschließen können. – Herzlichen Dank und bis später! [Beifall bei der FDP – Beifall von Oliver Friederici (CDU)]
