Paul Fresdorf
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Kinder haben Rechte. Das hört sich erst einmal wie eine Plattitüde an, eine leere Hülse, aber genau das ist doch der Kern dessen, warum wir ein dichtes Netzwerk von Kinderschutz in dieser Stadt brauchen, um die Rechte der Jüngsten unserer Gesellschaft zu schützen. [Beifall bei der FDP und der CDU] In erster Linie ist diese Verantwortung in der Familie zu sehen. Die Familie ist dafür da, die Rechte der Kinder zu schützen, aber in den schlimmsten Fällen ist es so, dass Eltern und andere Bezugspersonen diese Rechte nicht wahren, sondern verletzen. In diesen Fällen muss der Staat einschreiten und Regeln schaffen, damit wir die Rechte unserer Jüngsten schützen. [Beifall bei der FDP – Vereinzelter Beifall bei der CDU] Wie kann der Staat dieser Aufgabe überhaupt gerecht werden? Die allermeisten dieser grausamen und grässlichen Taten finden hinter verschlossenen Türen statt – dort, wo man nicht hinsehen kann und nicht hinsehen darf. Wir müssen aber sicherstellen, dass wir eine Kultur des Hinsehens etablieren. Eine Kultur, die sicherstellt, dass jeder, der mit der Lebenswelt der Kinder zu tun hat, ein Bewusstsein dafür hat, dass es halt nicht immer die heile Familie ist, sondern dass auch Sachen passieren können, die man sich nicht vorstellen möchte, die man sich aber vorstellen muss. Dies ist beim Thema Kinderschutz, glaube ich, ganz besonders wichtig. Wenn wir uns einmal anschauen, wie breit Kinderschutzfälle in unserer Gesellschaft auftreten, ist es vielleicht auch zu kurz gesprungen, zu sagen, nur Kinder, die mit der Kinder- und Jugendhilfe zu tun haben, brauchen eine besondere Aufmerksamkeit. Kinderschutzfälle passieren in allen Schichten dieser Gesellschaft, in Bereichen, wo man es sich nicht vorstellen kann. Deswegen sind wir gefordert, dass der Kinderschutz auch außerhalb von Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen stattfindet. [Beifall bei der FDP und der CDU] Wir müssen also Licht ins Dunkel bringen, wir müssen so viele gesellschaftliche Akteure wie möglich ins Boot holen, um dieses Kinderschutznetz so eng wie möglich zu flechten. Jeder Fall – das haben auch die Kolleginnen und Kollegen im Vorfeld gesagt – ist ein Fall zu viel und zerstört ein Lebensglück. Gerade die Fachkräfte, die mit Kindern arbeiten, müssen besonders ausgebildet und achtsam sein und ein besonderes Augenmerk darauf richten, dass es unseren Kindern gut geht. Der Antrag der CDU-Fraktion ist dafür ein Baustein. Ich denke, wir könnten in manchen Bereichen sogar noch weiter gehen. Ich denke zum Beispiel nicht nur an die Psychologischen Psychotherapeuten, die Zahnärzte oder die Ärzte, sondern auch an Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Logopädinnen und Logopäden, die wir da sicherlich ins Boot nehmen müssen, um das Netz so eng wie möglich zu knüpfen. Jede professionelle Kontaktperson eines Kindes muss das Bewusstsein haben, dass sie ein Teil dieses Netzwerks Kinderschutz ist. Berlin sollte dem Erfolgsmodell folgen. Da hat ein jahrelanger Diskurs stattgefunden. Joachim Stamp, unser Familienminister in NRD seinerzeit, hat eine sehr gute Gesetzesnovelle zum Laufen gebracht. Er hat gesagt: Es muss unser Anspruch sein – ich zitiere ihn, Frau Präsidentin –: …, das Mögliche zu tun. Jedes einzelne Kind, das wir gemeinsam vor diesen unerträglichen Verbrechen bewahren können, ist schließlich jede Anstrengung wert. Dem kann ich mich nur anschließen, denn jede Kindeswohlgefährdung ist mit großem Leid verbunden und begleitet die Kinder ein Leben lang. Kinder haben ein Recht darauf, unbeschwert aufwachsen zu können, also machen wir ihr Recht zu unserer Priorität. – Vielen Dank! [Beifall bei der FDP und der CDU – Beifall von Klara Schedlich (GRÜNE)]
