parlament-berlin.de ↗

Franziska Brychcy

LINKE 22.09.2022 Sitzungen 19/16

Nein, jetzt nicht. Danke! – Im wichtigen Bereich der Fort- und Weiterbildung ist bekanntgeworden, dass die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie unter anderem die Weiterbildung der Primarlehrkräfte im Fach Musik am Studienzentrum für Erziehung, Pädagogik und Schule und den Jahreskurs für Grundschullehrkräfte im Fach Musik gestrichen hat, obwohl es hier nur um ganz wenige Abordnungen geht und insgesamt 50 Lehrkräfte pro Jahr am Ende des Schuljahres zusätzlich das Mangelfach Musik unterrichten könnten. Es kann dann aber auch nicht in unserem Sinne sein, dass wir 4 Vollzeiteinheiten an Abordnungen einsparen, aber die Weiterbildung von 50 Kollegen in einem Mangelfach nicht stattfinden kann. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Diese Streichung muss aus unserer Sicht unbedingt noch mal überprüft werden. Letzte Woche hatten wir im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie eine Anhörung zur aktuellen Mangelsituation in der psychosozialen Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Wir haben seitens der Expertinnen nochmals bestätigt bekommen, wie wichtig diese strukturelle Unterstützung an den Schulpsychologischen und Inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren und in der Schulpsychologie ist und wie schwierig es auch gerade ist, Fachpersonal einzustellen, denn wir haben jetzt die Stellen im Haushalt, aber wir können sie nicht besetzen, weil wir keine Fachkräfte finden. Da können wir jetzt auf keinen Fall die Abordnungen auch noch streichen. Herr Weiß! Die AfD-Fraktion hat im Ausschuss auch nicht zugehört. Das wurde nämlich wunderbar von den Expertinnen noch mal deutlich gemacht. Ihre Forderung, die Schulinspektion auszusetzen – die Kollegen haben es auch schon ausgeführt –, hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie umgesetzt, obwohl es hier um ganz wenige Abordnungen geht, um 10 Vollzeiteinheiten. Das tragen wir als Koalition für dieses Schuljahr noch mit, weil wir wissen, dass die Schulinspektion neu aufgestellt werden soll. Aber der Landeselternausschuss hat sich an uns gewandt und deutlich gemacht, wie wichtig die Schulinspektion für Qualität und Schulentwicklung gerade in Zeiten der Pandemie ist. Das heißt, es ist wirklich eine absolute Notmaßnahme, die Schulinspektionen auszusetzen. Im nächsten Schuljahr muss es wieder an den Start gehen. Zum Schluss: Auch in der Bildungsverwaltung brauchen wir Mitarbeitende mit Praxiserfahrung, die zum Beispiel Digitalisierung, Qualitätsentwicklung, Inklusion begleiten. Da brauchen wir pädagogische Expertise und eigentlich viel weniger Verwaltungsprozesse, Verwaltungshandeln nach Vorschrift. Denn, wenn wir das gut umsetzen wollen, müssen wir das System Schule von Anfang an mitdenken. Kurzum: Ihre einfache Lösung, Abordnung, zurück in den Unterricht, Lehrkräftemangel gelöst, ist keine Lösung und ist kurzsichtig, weil wir uns in der Lehrkräftebildung, in der Fort- und Weiterbildung, in der psychosozialen Versorgung von Schülerinnen und Schülern den Ast absägen würden, auf dem wir sitzen. Es nützt nichts – wir müssen endlich bedarfsgerecht ausbilden. Wir müssen die Hochschulen für dieses Ziel mit den Hochschulverträgen gewinnen und wir brauchen einen Staatsvertrag für Lehrkräfteausbildung. Die Kultusministerkonferenzpräsidentschaft ist eine gute Chance. – Danke! [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD]

Alle Reden von Franziska Brychcy Protokoll ↗