Katja Kipping
Ja, in der Tat, in gewohnter Manier gehen wir souverän, aber natürlich auch nachdenklich damit um. Eine Grundsatzkritik lautet: Baut doch lieber bezahlbaren Wohnraum! – Ja, in der Tat, wir brauchen deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum. Diesem Ziel hat sich der Senat auch verpflichtet, [Ronald Gläser (AfD): Aber nur auf dem Papier!] aber ich würde gerne die Gegenfrage stellen: Glaubt denn ernsthaft jemand, dass mehr bezahlbarer Wohnraum gebaut wird, wenn diese Erhebung nicht stattfindet und die „Zeit der Solidarität“ verschoben wird? Eine zweite Kritik lautet: Es gibt den Verdacht, dass dabei nur Orte gespottet werden, wo dann später Repressionen stattfinden. – Dazu kann ich noch mal ganz klar sagen: Das war und ist niemals Anliegen der Sozialverwaltung gewesen. Um aber die letzten Sorgen auszuräumen, muss man auch sagen: Der Träger ist bewusst ein Akteur der Zivilgesellschaft. Der VskA hat einen sehr partizipativen Ansatz. Wir bekommen nur die überarbeiteten Zahlen, ohne genauen Ortsbezug, sodass niemand, der dort spricht, Sorge haben muss, dass später ein Räumkommando kommt. Drittens: Es gibt Kritiken, die helfen dem Veranstalter, noch besser zu werden. So wurden beim letzten Mal zum Beispiel Bedenken geäußert, dass Menschen geweckt worden seien, um mit ihnen zu sprechen. Für Obdachlose, das muss man so sagen, ist die Straße halt das, was für andere das Schlafzimmer ist, und man möchte ja auch nicht im eigenen Schlafzimmer befragt werden, wenn man gerade im Schlafmodus ist. Der VskA hat das produktiv aufgegriffen und ganz deutlich gesagt und gibt das als Orientierung an alle Freiwilligen aus: Menschen, die schlafen, werden nicht angesprochen. Auch ansonsten wird nur der Kontakt gesucht, wenn man das Gefühl hat, das ist gewünscht. Sobald ein Zeichen von Unmut kommt, findet das nicht statt. Wer immer noch skeptisch ist, den kann ich nur noch mal einladen, sich an der Challenge zu beteiligen: zeitdersolidaritaet.de/mitmachen/. [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Klara Schedlich (GRÜNE)]
