Marianne Burkert-Eulitz
Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Frau Präsidentin! Noch kurz ergänzend zur heutigen Fragestunde: Zwischen Kitas und Schulen ist der Unterschied hinsichtlich des Infektionsgeschehens nicht so groß. Es ist ein Trugschluss zu glauben und öffentlich darzulegen, dass aufgrund der vermeintlich kleineren Gruppen die Ansteckungsgefahr in Kitas geringer ist. Wer weiß, welche körperliche Nähe kleine Kinder brauchen, um getröstet und versorgt zu werden, kann auf diese Idee gar nicht kommen. In geschlossenen Kleingruppen arbeiten die wenigsten Kitas. Mit modernen Konzepten arbeiten die Kitas zu einem großen Teil des Tages offen. Vor allem am Nachmittag hört die Geschlossenheit einer Gruppe spätestens auf. Auch die erwachsenen Personen sind den Kindern sehr viel näher, sodass bei der Infektion einer Person ein hohes Maß an Ansteckungsgefahr besteht. Was ein vermeintlicher Unterschied zwischen der Schulpflicht und dem Kitarechtsanspruch ist, erschließt sich mir auch mit einem zweiten juristischen Staatsexamen nicht. Fakt ist, Testen hilft, Infektionsketten zu finden und zu unterbrechen, gerade wenn Kinder und Jugendliche asymptomatisch erkranken. Wie überall, gibt es Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die einer Risikogruppe angehören und dementsprechend geschützt werden müssen. Worauf wir uns jedoch konzentrieren müssen, ist die Zeit nach und mit Corona, starke Kinder, Jugendliche und Familien trotz Corona. Wir erleben alle, wie erschöpft Familien, Kinder und Jugendliche sind. Dies wurde gerade in dieser Woche durch die Studie „Jugend in Deutschland – Sommer 2022“ erneut deutlich. Die fünf größten Sorgenpunkte sind Psyche, Finanzen, Krieg, Arbeit und Politik. Die Kinder und Jugendlichen, die durch die Coronamaßnahmen nun schon im dritten Schuljahr psychosozial und schulisch am meisten belastet sind und große Schwierigkeiten haben, den bestehenden schulischen Leistungsanforderungen zu genügen, Übergänge, Abschlüsse und Anschlüsse zu schaffen, brauchen nicht nur vorübergehend Unterstützung, sondern sie brauchen unsere Unterstützung langfristig. Wir haben in Berlin das Jugendfördergesetz. Es unterstützt Jugendarbeit, schafft Orte für Jugendliche, Jugendklubs, Abenteuerspielplätze, Festivals und so weiter. Es ist ganz deutlich geworden, dass die berufliche Perspektive und Orientierung fehlt. Berufsorientierung, IBA-Praktika und viele andere müssen besser werden und gerade diese Gruppen unterstützen. Laut der neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung sind 66 Prozent der Berliner Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren überzeugt, dass sich ihre Ausbildungschancen verschlechtert haben, während gleichzeitig die IHK auf derzeit mehr als 11 000 freie Ausbildungsplätze verweist. Wie kann das sein? – Diese Diskrepanz und Orientierungslosigkeit müssen wir auflösen durch gute Kommunikation, das Schaffen von Räumen und die Wegnahme von Erwartungsdruck sowie [Thorsten Weiß (AfD): Sprechen Sie auch noch mal zum Thema?] ein richtiges Matching zwischen Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben. Kinder und Jugendliche leben nicht im luftleeren Raum. Sie sind eingebunden in ihre Familien, und diese Familien brauchen eine helfende, bedarfsgerechte Infrastruktur. Wir haben das Familienfördergesetz, das für Orte, Erholung und Unterstützung für Familien wie auch für Entlastung sorgt. Sie brauchen Beratung. Hier denke ich vor allem an die Erziehungs- und Familienberatungsstellen, die weiter ausgebaut werden müssen. Wir brauchen Programme, die Fachkräfte unterstützen, die Jugendliche und Kinder psychosozial begleiten, ihre Bildungs- und Ausbildungswege zu finden. Auch in der aktuellen Krise gibt es Perspektiven durch neue Themen, zum Beispiel Fachkräfte, die Klimaschutz in der Praxis umsetzen. Welche Ideen für die Bildung und Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen, die nicht dem Familien- und Bildungsbild der 1950er-Jahre entstammen, haben Sie? – Keine. Wie wollen Sie unsere Familien darin unterstützen, die Pandemie gut zu überstehen, hinter sich zu lassen? Wie wollen Sie unseren Jugendlichen helfen, sich zu orientieren, Perspektiven zu finden und neue Wege zu beschreiten? – Die AfD hat keine Ideen. Deswegen muss ich zu Ihrem Antrag nicht reden; das haben meine Kolleginnen schon gemacht. [Thorsten Weiß (AfD): Doch, müssen Sie nach der Geschäftsordnung! Schauen Sie mal in die Geschäftsordnung!] Es sind inhaltslose Anträge, müssen nicht weiter kommentiert werden. Sie sind abzulehnen; das werden wir hier tun. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN, der SPD und der LINKEN]
