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Paul Fresdorf

FDP 07.04.2022 Sitzungen 19/10

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen. Oder: Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten. Das sind zwei Zitate, die von der Wichtigkeit historischpolitischer Bildung sprechen. Und seien wir ehrlich: Wir können nicht alle in der glücklichen Situation wie unser Alterspräsident Kollege Kurt Wansner sein, der den größten Teil der uns bekannten Geschichte mitgemacht hat. [Beifall bei der FDP – Beifall und Zuruf von Anne Helm (LINKE)] Darum müssen wir Sorge dafür tragen, dass wir in unseren Schulen dieses Wissen vermitteln. Es gibt nur wenige Bundesländer in der Bundesrepublik Deutschland, die so wenig Geschichtsunterricht in ihrer Stundentafel haben wie das Land Berlin. Das ist ein großes Problem, denn historisch-politische Bildung hilft, aus der Geschichte Erfahrungen zu ziehen, Zusammenhänge zu erkennen und sie auf künftiges Handeln zu übertragen. Wir erleben gerade den Überfall eines europäischen Landes durch eine andere große Macht. Ein Freund von mir, Daniel Draganov, der an der Deutschen Oper als Geiger tätig ist, hat mit seinen Kolleginnen und Kollegen einen Hilfskonvoi organisiert. Er ist mit vier Transportern rübergefahren und sagte zu mir, als wir über diese Rede gesprochen haben: Paul, die Geschichte wiederholt sich nicht. Die Geschichte wiederholt sich nicht, weil wir heute viel mehr mitbekommen, viel enger beieinander sind, durch die sozialen Medien, durch die Presse mehr erfahren. Darum wiederholt sie sich nicht. [Unruhe] Darüber habe ich etwas länger nachgedacht. Ich muss Ihnen sagen: Wenn man sich anschaut, wie – – Liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion! Ich weiß, Bildung interessiert Sie nicht, aber dann gehen Sie doch bitte raus! Seit 25 Jahren Desinteresse am Thema Bildung, und jetzt auch noch so einen Krach machen, das ist echt peinlich. [Beifall bei der FDP – Vereinzelter Beifall bei der CDU und der AfD – Zuruf von Frank-Christian Hansel (AfD)] Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht, [Zuruf von Steffen Zillich (LINKE)] aber Muster wiederholen sich, Kollege Zillich, auch die Muster von Propaganda. Wir kennen sie aus dem Dritten Reich, aber wir kennen sie auch aus der DDR, wie sie ganze Staaten und Bürgerschaften hinter sich ziehen konnte. So kann man auch Muster erkennen bei dem, was in Russland gerade passiert und wie die Russinnen und Russen über Jahre durch Propaganda auf diesen Krieg vorbereitet wurden. Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen – ich glaube schon, dass dies hier der Fall ist, liebe Frau Kühnemann-Grunow. Darum müssen wir unsere Berliner Schülerinnen und Schüler befähigen, durch einen guten Geschichtsunterricht, durch Fachlehrerinnen und Fachlehrer Geschichte kennenzulernen, Zusammenhänge zu verstehen und daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können. Gerade in unserer heutigen Zeit ist es wichtig, sich nicht nur oberflächliches Wissen anzueignen, über soziale Medien schnelle Eindrücke zu erhalten, sondern auch zu wissen, warum etwas passiert und wie etwas passieren kann. Es ist schon fast sträflich, wie wenig Geschichtsunterricht und gesellschaftswissenschaftliche Fächer bei uns unterrichtet werden. [Beifall bei der FDP] Auch die Vereinigung der Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer im Land Berlin ruft seit Jahren höchste Not aus im Bereich der geschichtlichen Bildung. Darum müssen wir schnell handeln. Wir haben Ihnen einen Antrag vorgelegt, mit dem wir Ihnen vorschlagen, das Fach Geschichte wieder stärker in der Stundentafel zu verankern und wahre Demokraten in den Schulen zu erziehen. Ich möchte nicht in einer Demokratie leben ohne Demokraten. Wir müssen eine gute demokratische Grundbildung haben, und die schaffen wir nur durch eine gute historisch-politische Bildung. [Beifall bei der FDP – Beifall von Kurt Wansner (CDU)] Wie wir das machen wollen, das können wir gerne im Ausschuss diskutieren, der Antrag geht ja in den Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie. Ich freue mich darauf, mit Ihnen in die Diskussion einzusteigen, wie wir im Land Berlin die Stundentafel umbauen können, um mehr historisch-politische Bildung zu ermöglichen. Wir sehen, sie ist zwingend notwendig, und wir brauchen sie. Darum freue ich mich sehr auf Ihre konstruktive Debatte mit uns. Denken Sie daran: Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen. [Beifall bei der FDP – Beifall von Kai Wegner (CDU)]

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