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Marianne Burkert-Eulitz

GRÜNE 07.04.2022 Sitzungen 19/10

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf die AfD gehe ich an dieser Stelle nicht ein. [Marc Vallendar (AfD): Ist aber schade!] Werte Frau Günther-Wünsch! Die ukrainischen Kinder und Jugendlichen brauchen nicht nur einen Dreiklang mit Rückenwind, sondern eine philharmonische Polyphonie, wenn wir in der Sprache der Musik bleiben wollen. [Paul Fresdorf (FDP): Was für ein schönes Bild!] Es gibt Pausen und Disharmonien. Leichtfüßig und beschwingt fällt es unseren Schulen nach über zwei Jahren Pandemie sicherlich auch nicht, all die Kinder, die in den letzten Wochen oder auch schon über Jahre Leid und Schrecken erlebt haben und immer noch um Teile ihrer Familien in diesem schrecklichen Krieg fürchten müssen, herausgerissen aus ihrem bisherigen Lebensumfeld in einem fremden Land mit einer fremden Sprache. Im Moment ist nicht die Beschulung das Wichtigste für diese Tausende Kinder, das Erbringen von Leistungen, sondern Sicherheit, Alltag, die Begegnung mit anderen Kindern. Was die Familien in unserer Stadt erleben, sind Hilfsbereitschaft, Empathie und Solidarität. Das ist das Wichtigste, was wir ihnen derzeit geben können. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD und der LINKEN] Dort oben auf der Tribüne sitzen zwei ukrainische Frauen: Larissa und Olga aus dem Südosten der Ukraine, Mutter und Tochter. [Beifall von Frank-Christian Hansel (AfD)] Ihr Sohn und Enkel kann heute nicht hier sein, denn er geht seit zwei Wochen in die Klasse meines Sohnes. Die Familie kam vor drei Wochen in Berlin an. Sie wusste nicht, wohin. Friedrichshainerinnen und Friedrichshainer haben sie in ihr Haus aufgenommen. Bei der Frage an Valery, ob er in die Schule gehen möchte, bejahte er dies eifrig mit Kopfnicken. [Jeannette Auricht (AfD): Er kennt die Berliner Schulen nicht!] Am nächsten Tag in der Grundschule nachgefragt, war es überhaupt kein Problem für die Schulleiterin. Vielen Dank, Frau Ahl! Und Valery war auch nicht das erste Kind, das aus der Nachbarschaft eines Kindes aus der Schule aufgenommen wurde. Die Kinder der Klasse freuten sich auf Valery. Viele ukrainische Kinder können unbürokratisch in die Berliner Schulen gehen, auch in die freien Schulen, denn diese sind ebenfalls sehr aktiv. Es braucht nicht erst einen Antrag der Opposition, damit die Verwaltung und die Schulen handeln. Bildung ist ein wichtiges Thema in der Ukraine. Das betonen viele Mütter. [Jeannette Auricht (AfD): Was hat das mit Berlin zu tun?] Das Curriculum ist digital verfügbar, aber wir alle haben in der Pandemie gelernt, online allein für sich ist nicht das, was Kinder und Jugendliche in einer Krise brauchen. Was mir in Ihrem Antrag fehlt, ist, dass die Lebenswirklichkeit und die Lebenssituation der vor dem Aggressionskrieg Russlands geflüchteten Kinder im Mittelpunkt Ihres Antrags steht. Auch eine therapeutische Begleitung reicht nicht. Mir fehlen die außerschulischen Lernorte, die Kinder- und Jugendförderung, kulturelle und sportliche Angebote, Erholung und die Möglichkeit anzukommen, Spiel und Spaß, sich wohlfühlen, Kind oder Jugendliche sein zu dürfen. [Heiko Melzer (CDU): Wir freuen uns auf Ihren Änderungsantrag!] Darauf kommt es zuerst an, und das haben wir als Koalition im Blick. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD und der LINKEN] Und wir müssen die Eltern, die Mütter, die Großmütter mitnehmen, die ihre Kinder nach Berlin gerettet haben und um ihre Familien in der Ukraine fürchten. Denen ist es nicht leichtgefallen, ihre Kinder jetzt wieder in fremde Hände zu geben. Wir erleben, dass die Berliner Bürokratie immer wieder Familien und Unterstützerinnen und Unterstützern im Weg steht. Dort müssen wir besser werden. Wenn die Kinder und Jugendlichen gut angekommen sind, dann ist es Zeit, auch über Lernstoff, Abschlüsse und Übergänge zu reden. Aber diese Themen haben wir in Bearbeitung. Darüber denken viele Menschen nach und handeln bereits. Wir werden den Antrag im Ausschuss beraten, wo dieser Punkt sowieso ständiger Besprechungspunkt ist, Sie als CDU viele Fragen stellen können und wir über alle Entwicklungen informiert werden. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle Berlinerinnen und Berliner, an die Einrichtungen, an die Träger und Institutionen, die mithelfen, damit die Familien, Kinder und Jugendlichen gut in dieser Stadt ankommen können! – Frau Günther-Wünsch! Ich glaube nicht, dass Sie das so gemeint haben, wie Sie das gesagt haben, dass selbstverständlich auch syrische und ukrainische Kinder gemeinsam in einer Klasse lernen können, denn wir machen keinen Unterschied, wo ein Kind oder Jugendlicher herkommt, sondern wir unterstützen sie als Land Berlin. Ich gehe davon aus, dass die CDU das auch so möchte. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN, der SPD und der LINKEN]

Alle Reden von Marianne Burkert-Eulitz Protokoll ↗