Raed Saleh
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen! Meine sehr geehrten Herren! Ja, wir alle hatten die berechtigte Hoffnung, dass wir bei Corona aus dem Gröbsten heraus sind. Aber die Pandemie hat uns noch einmal eingeholt. Wir befinden uns inzwischen in der vierten Welle. Unsere Hoffnung war berechtigt, weil die Ausgangslage eine völlig andere war als vor einem Jahr. Die Impfstoffregale sind gut gefüllt. [Kurt Wansner (CDU): Seit Februar!] Wer sich impfen lassen will, kann heute Zeitpunkt und Präparat weitgehend frei wählen. Wer hätte das vor noch einem halben Jahr für möglich gehalten? 70 Prozent der Menschen in Deutschland sind inzwischen geimpft, davon fast alle doppelt. Viele haben sogar schon eine dritte Impfung. Auch Wirtschaft, Tourismus, Kultur und Gastronomie haben sich professionell mit der Pandemie arrangiert. Masken sind Standard. Homeoffice ist für viele in Berlin inzwischen Alltag, genau wie in den Restaurants das ständige Desinfizieren. Es gibt heute weniger Kontakte als früher, es wird mehr auf Hygiene, und es wird mehr auf Abstand geachtet. [Zuruf von Karsten Woldeit (AfD)] Aber offenbar reicht das alles nicht aus. Noch Anfang des Jahres haben Mediziner vorausgesagt, dass wir mit einer Impfquote von 60, 70 Prozent quasi Herdenimmunität haben werden. Bei 70 Prozent sind wir heute. Aber nun zeigt sich, dass diese Prognose falsch war. Andere Krankheiten, wie Masern, erfordern eine weit höhere Quote. Bei Masern sind das 95 Prozent. [Karsten Woldeit (AfD): Ach so!] Inzwischen gehen die Virologen davon aus, dass wir auch bei Corona eine Impfquote von 80 bis 85 Prozent der Bevölkerung brauchen, um Herdenimmunität zu erreichen. Das hängt mit dem veränderten Virus zusammen. Die neuen Varianten von Covid-19 sind ansteckender, und sie können auch leichter durch Geimpfte übertragen werden. Das ist die Ausgangssituation, mit der wir nun umgehen müssen.
