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Kerstin Celina

GRÜNE 30.09.2026 Sitzungen 19/88

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute geht es im Landtag um Kinderkrankentage. Die Debatte, die hier geführt wird, ist – mit Verlaub gesagt – echt schräg. Kurz zusammengefasst: Die Zahl der Kinderkrankentage wurde in der Corona-Zeit erhöht. Jetzt soll das wieder wegfallen – und das, obwohl jeder weiß, dass es kaum zu Einsparungen führen wird, weil die meisten Familien die maximale Zahl der Kinderkrankentage gar nicht nutzen. Das ist Symbolpolitik pur. Das wirkt wie der letzte verzweifelte Strohhalm von CDU und CSU: Wirtschaft vor Familien, maximaler Druck im Sozialbereich, Rolle rückwärts pur. CDU und CSU bräuchten echt einmal neue Ideen. (Beifall bei den GRÜNEN) Schaden wird die Bundesregierung den wenigen, die diese Kinderkrankheitstage und unsere Solidarität wirklich brauchen, zum Beispiel weil sie Kinder mit chronischen Krankheiten haben oder weil ein Kind in einem Jahr wirklich oft krank ist und die Eltern auf dem Zahnfleisch gehen. Ich war vor zwei Wochen beim Kinder-Lebens-Lauf 2026, organisiert vom Bundesverband Kinderhospiz, der Mitglieder in der Region besuchte, darunter Eltern, deren Kinder an Morbus Sandhoff leiden. Ihr in der Union, ihr wollt diesen Familien ernsthaft die Kinderkrankheitstage kürzen? Jetzt kommt die SPD, die in der Regierungsverantwortung ist und die einfach einmal Nein sagen könnte, und unterstützt ihre schwachen Verhandlerinnen auf Bundesebene mit einem Antrag in Bayern. Inhaltlich stimmen wir mit der SPD voll und ganz überein: keine Kürzung der Kinderkrankentage. Aber jetzt wird es echt schräg: Die CSU, die in Berlin und in Bayern in der Regierung ist, schreibt mit den FREIEN WÄHLERN einen – ich muss es so deutlich sagen – lächerlichen Antrag zu einem Runden Tisch, um über Familienpolitik zu diskutieren. Ihr seid doch als Regierung in Bayern und als regionale Abgeordnete die ganze Zeit an Runden Tischen. Ihr regiert seit Jahrzehnten. (Bernhard Pohl (FREIE WÄHLER): Seit acht Jahren!) Und jetzt stellt ihr diesen Antrag zu einem neuen Runden Tisch, weil euch absolut nichts anderes mehr einfällt und ihr irgendeinen Ausweg sucht, um heute nicht offen zugeben zu müssen: Ja, die Kürzung der Kinderkrankentage und vieles andere, was wir in der Bundesregierung machen, ist echt Mist. (Beifall bei den GRÜNEN und der SPD) Ihr hört es doch auch aus euren eigenen Reihen, dass die Sozial- und Gesundheitsreformen, die gerade im Bund forciert werden, vor Ort einfach richtig schlecht ankommen, und zwar aus einem einzigen Grund: weil die Union mit ihren Vorschlägen einfach durchgehend Misstrauen sät, inzwischen gefühlt gegen alle: gegen Familien, als ob Familien in großer Zahl ohne Not die Kinderkrankentage ausnutzen würden, oder gegen Menschen, die nach 45 Jahren Arbeit einfach ihre Rente wollen, als ob die in der Hängematte liegen würden! Im Gegenteil, die meisten beaufsichtigen ihre Enkel, damit die Eltern arbeiten gehen können und engagieren sich nebenbei noch ehrenamtlich. Krankschreibung ab dem ersten Tag – ein klares Misstrauensvotum der Union gegen die Gesamtbevölkerung zulasten der Hausarztpraxen. Mit euren Vorschlägen in der Gesundheitspolitik schürt ihr doch den Unmut, den ihr in den letzten Wahlen geerntet habt. Es ist einfach so lächerlich, heute und hier in dieser Situation einen Antrag zu einem neuen Runden Tisch zu stellen, statt der berechtigten Kritik der SPD am Gesundheitsminister zuzustimmen. (Beifall bei den GRÜNEN) Wir werden uns beim CSU-Antrag enthalten. Reden kann man immer, aber der Zeitpunkt ist falsch. Vor allem ist das falsch in Kombi – das ist mein letzter Punkt – mit dem Tankrabatt; denn dafür gehen insgesamt mehrere Milliarden Euro drauf. Viel davon wird bei den Mineralölkonzernen und letztlich bei den Ölmultis landen. Mit dem Geld könnten wir locker die versicherungsfremden Leistungen in der Krankenversicherung zahlen. Wir könnten die Pflegeversicherung aufpeppen, den Umbau auf kostenfreie Erneuerbare voranbringen. Statt eine Kehrtwende einzuleiten und ehrlich zu diskutieren, ist die CSU hier heute zu feige zuzugeben, dass die SPD mit ihrem Antrag einfach recht hat. Das kann doch in dieser dramatischen Lage nicht euer Ernst sein. – Danke schön. (Beifall bei den GRÜNEN und der SPD – Petra Högl (CSU): Da kann man nichts anmerken, weil das unterirdisch ist! Tut mir leid!)

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