Björn Jungbauer
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, liebe Kollegin Gabi Triebel, Lesen ist der Schlüssel zur Welt. Das ist absolut richtig. Das sage ich hier als Papa mit voller Überzeugung, weil ich weiß, wie wichtig es ist, mit den Kindern zu lesen und sich die Zeit dafür zu nehmen. Deswegen fand ich die Aussage, dass manche Eltern vielleicht nicht die Zeit haben, mit ihren Kindern zu lesen, sehr schade. Als Staat ist es unsere Aufgabe, den Eltern zu sagen: Nehmt euch die Zeit. Mir kann keiner erklären, dass er nicht die Zeit hat, am Tag zehn Minuten oder eine Viertelstunde mit seinen Kindern zu lesen. Diese Zeit müssen sich Eltern nehmen. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Wir müssen vorsichtig sein, als Staat nicht auf einmal zu sagen: Ja, wir übernehmen das. Nein, Eltern haben eine Verantwortung, und ja, auch wir als Staat haben eine Verantwortung, den Kindern in unseren Schulen das Lesen beizubringen. Deswegen habe ich den Antrag sehr aufmerksam gelesen. Die Lesekompetenz ist an allen bayerischen Schulen ein zentraler Bestandteil mit fester Verankerung. Sie wird konsequent weiterentwickelt. Das möchte ich an den Ergebnissen des PISA-Schocks 2023 exemplarisch festmachen. Was haben wir damals getan? – Wir haben gesagt: Ja, die PISA-Ergebnisse bedeuten für uns die Notwendigkeit, die Grundkompetenzen zu verändern und zu stärken. Ich glaube, das in Kombination mit den verpflichtenden Sprachtests hat gezeigt, dass wir hier in der Fortentwicklung aus den PISA-Ergebnissen gelernt haben. Jetzt haben wir es aus dieser richtigen Handlung heraus, liebe Frau Staatsministerin, weiterentwickelt. Wir werden es weiterentwickeln. Hier darf ich darauf verweisen, was unser Ministerpräsident angekündigt hat: Wir werden innerhalb der nächsten zwei Jahre die intensivste Grundschule in Bayern einführen. Wir werden es tun. Wir brauchen kein Hamburger Modell, sondern wir gehen unseren bayerischen Weg. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Wir werden also nicht aus dem Selbstzweck heraus die meisten Wochenstunden haben, sondern genau wegen der Punkte, die im Antrag angesprochen sind. Wir brauchen mehr Kompetenzen in den Grundfähigkeiten und hier speziell beim Lesen. Wir werden die Grundschullehrtafel erhöhen, auch dank des Ein- und Ausbringens von 1.500 neuen Stellen, die wir im Bayerischen Haushalt 2027 auf den Weg bringen. Mit diesen zusätzlichen Ressourcen werden wir es schaffen, für die Klassen eins und zwei und in einer weiteren Stufe drei und vier mehr Zeit für Deutsch zu haben. In Zukunft werden wir nicht nur sagen, wir brauchen hier verbindlich fünf Bücher, die in der Woche, im Monat, im Jahr oder wann auch immer zum Einsatz gebracht werden. Nein, wir haben den LehrplanPLUS, wir haben Zeit, wir haben Fachpersonal, und wir werden dies weiter verstärken. Warum? – Weil wir mit unserer fachintegrierten Leseförderung, dem FiLBY, schon jetzt ein evidenzbasiertes, nachweislich wirksames und vor allem auch systematisches Leseförderprogramm haben, das uns in Kombination mit dem Diagnoseinstrument dabei hilft, den Zuwachs an Lesekompetenz zu messen und dort, wo wir ihn nicht messen können, entsprechend handeln zu können. Daher glaube ich, pauschale Vorgaben, wie sie hier im Antrag gefordert werden, werden uns nicht weiterbringen. Ich glaube, der Weg, den ich beschrieben habe, wird dazu führen, dass wir unsere Kinder weiterhin kreativ befähigen, Lesefreude zu entwickeln und eine Motivation zu haben, und dort, wo dies nicht funktioniert, die Kinder unterstützen zu können. Ich glaube, der Weg, den wir gehen, ist der richtige. Ich möchte es exemplarisch an der Unterstützung demonstrieren, die wir als Regierungsfraktionen geben, beispielsweise Lesen mit Willy Wortbär in Würzburg, Stadt und Land. Am Lehrstuhl von Prof. Dr. Richter geht es darum, ein silbenbasiertes Trainingsprogramm mit einer Lese-App vor Ort zum Einsatz zu bringen, um zu zeigen, wie der Prozess läuft, wo wir leseschwache Kinder haben und wo unsere Lehrkräfte die Kinder unterstützen können. Ich glaube, diesen Weg sollten wir weitergehen. Der Staat allein wird es nicht richten können. Das sage ich an dieser Stelle ganz bewusst, weil ich weiß, dass unser Ministerpräsident, aber auch unsere Kultusministerin mit ihrem Haus große Anstrengungen unternehmen, damit unsere Schulen die Ressourcen haben und unsere Lehrkräfte entsprechend befähigt sind. Wir können die Eltern aber nicht aus der Verpflichtung lassen. Wir können sie nicht herauslassen. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Deswegen sage ich an dieser Stelle: Liebe Eltern, die Kinder brauchen kein Update am Handy, die Kinder brauchen ein Lesezeichen. Nehmen Sie sich die Zeit, schenken Sie Ihren Kindern – – (Tim Pargent (GRÜNE): Das ist frech!) – Das ist nicht frech. Es ist Aufgabe der Eltern, mit ihren Kindern zu lesen und Kompetenzen zu fördern. (Tim Pargent (GRÜNE): Das ist oberlehrerhaft! – Zuruf der Abgeordneten Tanja Schorer-Dremel (CSU)) Dort, wo Schule – – (Zuruf des Abgeordneten Tim Pargent (GRÜNE)) – Wir können und wollen nicht alles verstaatlichen. Das ist der falsche Weg. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN – Tanja Schorer-Dremel (CSU): Sehr gut! – Zurufe von den GRÜNEN) Die vorderste Aufgabe der Eltern ist, Verantwortung für die Kinder zu übernehmen. Der Staat hat die Aufgabe zu unterstützen, wenn es die Eltern nicht können. Das tun wir. (Gabriele Triebel (GRÜNE): Nein! – Tim Pargent (GRÜNE): Nein!) – Doch, doch. Das unterscheidet uns: Die Sicht auf den Auftrag der Gesellschaft. Das Schöne am Lesen ist, es tut nicht weh, schenkt schöne Momente und kostet nichts. Ich darf deswegen an dieser Stelle einmal Danke an alle Ehrenamtlichen da draußen sagen, unsere Lesepaten, alle, die in unseren Büchereien arbeiten und am Sonntag und unter der Woche die Büchereien aufmachen, sodass unsere Kinder zum Lesen gehen können. Ich möchte ein großes Dankeschön an Sie aussprechen. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN – Michael Hofmann (CSU): Sehr gut! – Tanja Schorer-Dremel (CSU): Sehr gut!) Ich rufe allen zu: Weniger wischen, mehr in Büchern blättern! Weniger Bildschirm, mehr Buch! Ich glaube, die Zeit wäre vorhanden. Wir sollten unseren Kindern mitgeben, dass nicht das, was der Akku ersetzen kann, das Beste ist, sondern das Buch, das wir in die Hand nehmen. Ich beende meine Rede mit dem Spruch: Lesen gefährdet die Dummheit. – Wir verfolgen das gleiche Ziel, auch wenn die Wege dazu unterschiedlich sind. Ich bin davon überzeugt, dass unsere intensivste Grundschule, die wir auf den Weg bringen, der richtige Weg sein wird. Wir werden diesem Antrag deswegen nicht zustimmen. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)
