bayern.landtag.de ↗

Ulrike Scharf

30.09.2026 Sitzungen 19/88

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Bayern ist Innovationsland. Wir haben die besten Universitäten. Wir bauen Raketen. Wir bringen Satelliten ins All, und bald sind wir auch für Quantencomputing die Hauptstadt Deutschlands. Das ist unser Anspruch, und das ist auch unsere Zukunft; aber dafür brauchen wir Menschen, nämlich Menschen, die diese Zukunft gestalten. Wir brauchen Fachkräfte, Fachkräfte, Fachkräfte. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft rechnet uns vor: Bis 2035 fehlen uns in Bayern bis zu 290.000 Arbeitskräfte. Dabei handelt es sich um 290.000 Menschen, die wir für unsere Unternehmen, aber auch für unsere Innovationskraft in Bayern dringend brauchen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Fachkräftesicherung ist Zukunftssicherung. Und deshalb handeln wir jetzt entschlossen. Wir mobilisieren zunächst unsere inländischen Fachkräfte. Wir stärken die berufliche Weiterbildung. Wir setzen uns ein für mehr Frauen in Vollzeit. Wir halten unsere älteren Fachkräfte in den Betrieben, und wir unterstützen junge Menschen für einen guten und starken Start in die duale Ausbildung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich, wenn ich die Zahlen lese: Bayern steht bei der beruflichen Bildung auf Platz eins. Das zeigt uns der Bildungsmonitor 2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft. Hinter diesem Erfolg stehen engagierte Ausbilderinnen und Ausbilder, verantwortungsvolle Unternehmerinnen und Unternehmer und vor allen Dingen junge Menschen, die ihre Talente einbringen. Das ist auch ein Erfolg unserer Politik. Wir schaffen die Chancen, damit Bayern stark bleibt. (Beifall bei der CSU) Klar ist auch, dass wir für Fachkräfte aus dem Ausland attraktiv sein müssen. Unsere Betriebe brauchen einfachere und schnellere Verfahren, um Talente zu sichern. Wir haben schon viel erreicht. Mit unserer generellen Fast Lane haben wir seit Juli 2025 klare Zuständigkeiten geschaffen. Für jeden Beruf gibt es nur noch eine zuständige Anerkennungsstelle in Bayern. Für die ausländerrechtlichen Verfahrensfragen ist die Zentrale Stelle für die Einwanderung von Fachkräften, die ZSEF, die zentrale Ansprechpartnerin. Entscheidend ist, dass diese beiden Stellen Hand in Hand arbeiten, damit Anerkennung und Einwanderung direkt, schnell und unbürokratisch ineinandergreifen. Wir zeigen unseren Unternehmerinnen und Unternehmern, dass wir den Weg für ihre Talente frei machen. Und jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu gehen: mit unserem Gesetzentwurf zur Änderung des Bayerischen Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes. Unser Ziel ist klar: Wir wollen Bürokratie abbauen. Wir müssen die Verfahren beschleunigen, und wir müssen vor allen Dingen die Rechtssicherheit stärken. Das heißt konkret: Erstens. Wir akzeptieren künftig grundsätzlich englischsprachige Unterlagen im Anerkennungsverfahren. Übersetzungen werden nur noch dort gefordert, wo sie unbedingt nötig sind. Damit sparen wir Zeit, Geld und viel Aufwand. Wir machen die Anerkennung einfacher und vor allen Dingen schneller. Zweitens. Wir schaffen mehr Flexibilität für die Fachkräfte. Der Bund hat die Fachkräfteeinwanderung neu geregelt. Fachkräfte mit anerkannter Berufsausbildung können auch in anderen qualifizierten Beschäftigungen arbeiten. Somit sorgen wir für die nötige Flexibilität, aber vor allen Dingen für Rechtssicherheit. Drittens. Wir stellen unsere Verfahren zukunftsfest und verlässlich auf. Wir gestalten sie einfacher, verständlicher und näher an der Praxis, damit Fachkräfte ihre Chance bekommen und damit unsere Unternehmerinnen und Unternehmer wettbewerbsfähig bleiben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, erst heute sind die neuen Arbeitsmarktdaten für den September erschienen. Wir haben nach wie vor 106.000 offene Stellen in Bayern gemeldet. Auch das zeigt den hohen Druck beim Fachkräftebedarf. Meine Damen und Herren, im Wettbewerb um Toptalente zählt Zeit, und es zählt vor allen Dingen auch Verlässlichkeit. Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer wissen sehr genau, wen sie brauchen. Sie wollen einstellen, sie wollen wachsen. Wir müssen dafür den Weg frei machen, und zwar mit klaren Regeln, mit schnellen Verfahren, mit einer Verwaltung, die ermöglicht und die nicht verhindert. Ich freue mich deshalb auf die Beratungen in den Ausschüssen und darauf, gemeinsam die Weichen für die Zukunft, für unsere Fachkräfte, für unsere Betriebe und für unsere Wirtschaft in Bayern stellen zu können. (Beifall bei der CSU)

Alle Reden von Ulrike Scharf Protokoll ↗