Oskar Atzinger
Frau Präsidentin, Kolleginnen und Kollegen! Legi, intellexi, condemnavi – ich habe es gelesen, verstanden und missbilligt. Unter der wohlklingenden Überschrift "Auf die Lehrkräfte kommt es an" legen uns die GRÜNEN nichts weniger als den grundlegenden Umbau der bayerischen Lehrerbildung vor. Auf die Lehrkräfte kommt es in der Tat an. Gerade deshalb dürfen wir ihre Ausbildung nicht zum Experimentierfeld bildungspolitischer Moden machen. Dieser Gesetzentwurf greift zwei Grundpfeiler der bayerischen Lehrerbildung an: das Staatsexamen und die schulartspezifische Ausbildung unserer Lehrer. Das erste Staatsexamen soll abgeschafft und durch Bachelor und Master ersetzt werden. Die Begründung dafür ist bemerkenswert. Das Staatsexamen sei bei den Studenten unbeliebt und werde von vielen als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Kolleginnen und Kollegen, seit wann bemisst sich die Qualität einer Prüfung daran, ob die Prüflinge sie mögen? Das Staatsexamen ist anspruchsvoll. Das soll auch so sein; denn der Staat trägt Verantwortung dafür, dass vor unseren Kindern Lehrer stehen, deren fachliche und pädagogische Qualifikation nach einheitlichen Maßstäben überprüft wurden. Wer das Staatsexamen durch hochschuleigene Prüfungen ersetzt, gibt ein wichtiges Instrument staatlicher Qualitätssicherung aus der Hand. Der zweite grundlegende Fehler ist die Abkehr von der bewährten schulartspezifischen Lehrerbildung. Grundschule, Mittelschule, Realschule, Gymnasium, berufliche Schule und Förderschule haben unterschiedliche Bildungsaufträge, unterschiedliche Anforderungen und unterschiedliche pädagogische Profile. Ein Gymnasiallehrer braucht andere fachwissenschaftliche Schwerpunkte als ein Grundschullehrer. Ein Mittelschullehrer arbeitet unter anderen Voraussetzungen als ein Lehrer an einer beruflichen Schule. Die Antwort darauf kann doch nicht lauten: Wir verwischen zunächst die Grenzen und führen dann ein schulartübergreifendes Basisstudium ein. Genau dies sieht dieser Gesetzentwurf aber vor. Die bisherigen Lehrämter sollen durch Lehrämter für Primarstufe, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und Inklusion ersetzt werden. Eine Lehrbefähigung soll damit mehrere Schularten umfassen können. Das ist keine Modernisierung, sondern das ist ein Schritt zur Entkernung des gegliederten Schulwesens durch die Hintertür. Noch etwas fällt auf: Während wir über Lehrermangel und sinkende Schülerleistungen sprechen müssen, wird das Studium mit immer neuen gesellschaftspolitischen Aufgaben beladen. Nicht etwa eine deutsche Leitkultur, sondern eine Kultur der Digitalität, Demokratiebildung, Interkulturalität inklusive Umgang mit Heterogenität, Rassismuskritik oder sogar die Analyse institutioneller Diskriminierungsmechanismen in der Einwanderungsgesellschaft sollen verbindlich festgeschrieben werden. Natürlich brauchen angehende Lehrer Medienkompetenzen, natürlich müssen sie mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen umgehen können. Selbstverständlich gehört auch politische Bildung zur Schule, aber Lehrerbildung darf nicht zur linksgrünen weltanschaulichen Erziehungswissenschaft werden. Im Mittelpunkt müssen Fachwissen, Fachdidaktik, Pädagogik und die Fähigkeit stehen, guten Unterricht zu halten. Geradezu symptomatisch ist deshalb die Schwerpunktsetzung dieses Entwurfs. Statt zu fragen, wie wir die fachliche Qualität stärken, wie wir wieder mehr junge Menschen für den Lehrberuf gewinnen und wie wir den Unterricht verbessern, begegnen uns sogenannte Core Practices, also auf Deutsch: Kernpraktiken, Kultur der Digitalität, Biografiearbeit und immer neue Querschnittskompetenzen. Bayern braucht keine Lehrerbildung nach pädagogischen Modebegriffen, Bayern braucht fachlich hervorragend ausgebildete Lehrer, die Wissen vermitteln, Leistung einfordern und jungen Menschen Bildung und Orientierung geben. Praxisanteile zu stärken, ist sinnvoll, die Betreuung der Studenten zu verbessern ebenfalls. Dafür müssen wir aber nicht das bewährte Schulsystem einreißen. Wir stehen zum Staatsexamen, wir stehen zur schulartspezifischen Lehrerbildung, und wir stehen zum gegliederten bayerischen Schulwesen. Dieser Gesetzentwurf führt in die falsche Richtung. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der AfD)
