Peter Tomaschko
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, Hohes Haus! Wir stimmen Ihnen zu, zumindest was den Titel angeht. Der Titel ist absolut richtig: Auf die Lehrkraft kommt es an. Das hat man früher schon immer so gesagt: Auf den Lehrer kommt es an, weil der Lehrer einfach für den Bildungserfolg, für die Persönlichkeitsentwicklung und letztendlich auch für die Motivation der Schülerinnen und Schüler entscheidend ist. Das stimmt. Auf die Lehrkraft, auf den Lehrer kommt es an. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, dies zeigt: Wir tragen in Bezug auf die Ausbildung unserer Lehrkräfte eine enorm hohe Verantwortung. Und deswegen lehnen wir diesen Gesetzentwurf zum Wohle unserer Schülerinnen und Schüler und auch zum Wohle unserer Lehrerinnen und Lehrer entschieden ab. Ich sage mit einer gewissen Verärgerung ganz deutlich: Dieser Gesetzentwurf ist nichts Neues. Letztendlich handelt es sich um die Neuauflage eines Antrages aus dem Jahr 2017, der am 15. Mai 2018 hier im Hohen Hause bereits abgelehnt worden ist. Sie packen jetzt ein paar neue Begriffe hinein, damit es etwas moderner und dynamischer klingt; aber letztendlich ist es der alte Antrag aus den Jahren 2017 und 2018. Sie wollen damit wieder in die Zerschlagung unseres bewährten gegliederten Schulsystems einsteigen. Ich sage es deswegen mit einiger Verärgerung, weil Sie den gemeinsamen Weg verlassen. Ich betone als Vorsitzender des Bildungsausschusses immer, dass wir der Vorbildausschuss sind. Wir sollten uns nicht am Klein-Klein des Partei- und Fraktionsdenkens orientieren, sondern wir sollten uns ganz stark daran orientieren, was wichtig für unsere Kinder und für unsere Schülerinnen und Schüler ist. Wir haben einen gemeinsamen Weg beschlossen. Wir haben eine Expertenkommission in der Lehrerbildung, die lange und intensiv getagt und ein gutes Papier auf den Weg gebracht hat. Aufgrund dieser Expertenkommission liegt uns jetzt ein Masterplan für die Lehrkräftebildung vor. Dafür gibt es überall Zustimmung. Der Bayerische Philologenverband, der bpv, begrüßt den Masterplan. Der BLLV sagt: Die Staatsregierung hat verstanden. – Und was machen Sie? – Sie scheren jetzt einfach aus, legen etwas komplett anderes vor, das sich in den Grundzügen elementar anders gestaltet, als von der Expertenkommission vorgeschlagen. Das müssen Sie mir einfach erklären, das verstehe ich nicht. Sie wollen – wenn ich es kurz zusammenfassen darf – den Schulartenbezug abschaffen. Wir haben bislang – und das wird gemäß dem Masterplan auch reformiert fortgesetzt – eine Lehrkräfteausbildung speziell für die Grundschule, für die Mittelschule, für die Realschule, für das Gymnasium und für die beruflichen Schulen. Sie wollen nur noch stufenbezogene Lehrämter. In der Praxis bedeutet das: weniger fachliche Passung, weniger Berufsfeldbezug und eine schlechtere Ausbildungsqualität. Die Expertenkommission, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, hat genau gesagt: Wir brauchen weiterhin diese schulartspezifische Ausbildung, weil das der Garant für die Qualität ist, die wir hier in Bayern haben. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) In der Bildung sollte es Standard sein, dass man auf die Wissenschaft und die Experten hört. Diesen Weg haben Sie verlassen. Entschuldigen Sie, wenn ich hier in aller Härte sage, dass Sie jetzt einen ideologischen Weg in Richtung Gesamtschule gehen wollen. Dies wollen Sie mit dem Gesetzentwurf umsetzen; aber das darf und das wird Ihnen nicht gelingen. Was ich zudem nicht verstehe: Sie wollen das erste Staatsexamen abschaffen. Sie geben damit unsere Qualitätssicherung aus der Hand. Das ist der Punkt, an dem wir von Seiten des Freistaats steuern und an dem wir unmittelbaren Einfluss auf die Lehrerausbildung nehmen können. Ansonsten liegt die Ausbildung in der Verantwortung der Universitäten, die in der Wissenschaft vielleicht andere Schwerpunkte setzen; aber wir müssen die Verbindung zwischen der Wissenschaft und der Praxis in der Schule herstellen. Im Klartext geben Sie diese Qualitätssicherung aus der Hand. Wenn Sie weiter sagen, die Studienzeit sollte man auf zehn Semester verlängern und das Referendariat dafür verkürzen, schrecken Sie einerseits ab, weil Sie die Ausbildungszeit – beispielsweise im Bereich der Mittel- und Realschulen, wo wir so dringend Lehrkräfte brauchen – deutlich verlängern. Auf der anderen Seite wollen Sie dort, wo wir vor Ort in den Schulen ausbilden – also dort, wo das Rüstzeug, wo die Praxis vermittelt wird –, verkürzen und damit da, wo wir die Lehrpläne in jeder Schulart umsetzen. Das verstehe ich überhaupt nicht. Die pädagogische Erprobung, die Reifung der Lehrerpersönlichkeit: – all das bliebe bei Ihren auf der Strecke. Sie opfern damit den Praxisbezug, und das ist nicht verständlich. Unser Resümee ist: Sie senken die Qualität, Sie schwächen den Praxisbezug, und Sie verschärfen den Lehrermangel. Dem werden wir nicht zustimmen. Vor allem kämpfen wir weiterhin für die guten Rahmenbedingungen, die wir in Bayern haben. Ich betone immer: im Detail Weiterentwicklung, im Detail Verbesserungen. Ja, nichts bleibt stehen. Wenn sich ein System aber von den Grundzügen, von den Rahmenbedingungen her bewährt hat, dann sollten wir es nicht aufs Spiel setzen. Genau auf die Lehrkräfte kommt es an – im Titel des Gesetzentwurfs haben Sie das auch richtig betont –, und deswegen verdienen sie eine Ausbildung, die auf Qualität setzt, eine Ausbildung, die den Berufsfeldbezug wahrt und die darauf aufbaut, was sich in Bayern bewährt hat. Wir haben mit dem "Masterplan Lehrkräftebildung" Bayern ein eigenes Konzept vorgelegt, und wir möchten diesen Masterplan im intensiven Austausch umsetzen. Hierzu werden wir im Bildungsausschuss genauso wie im Wissenschaftsausschuss intensiv diskutieren, wo eben die beiden Bereiche Wissenschaft und Praxis zusammenkommen. Auf der Basis der Ergebnisse der Expertenkommission ist ein sehr gutes Papier entstanden, das hier noch oft eine Rolle spielen wird. Allerdings ist ganz wichtig, dass wir diesen Praxisbezug herstellen. Wir haben deshalb darin ein ganz starkes Handlungsfeld und den Fokus auf praxisorientierte Lehrveranstaltungen gerichtet. Wir führen ein intensives Praxisjahr mit einer Verdoppelung ein. Der angehende Lehrer ist 50 % mehr in der Klasse, wo er mit den Schülerinnen und Schülern arbeitet und all das, was er im Studium lernt, in der Praxis umsetzen kann. Modellversuche zu Core Practice bedeuten nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch, wie der Lernstoff vermittelt werden kann. Wenn man in der Theorie gut ist, heißt das noch lange nicht, dass man den Lernstoff ans Kind bringt. Hier gibt es wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse, die führen wir ein, dass wir das in die Praxis bringen, genauso wie die Stärkung der Inklusion, den Umgang mit Heterogenität, Demokratiebildung, digitale Bildung bis hin zu Fortbildungsoffensiven und Qualitätsmanagement. Ich bin überzeugt, dass wir hier wirklich auf einem guten Weg sind. Abschließend als Vorsitzender des Bildungsausschusses noch ein Appell: Lassen Sie uns diese Dinge doch gemeinsam angehen. Setzen wir weiterhin auf die Experten, die wir in Bayern so reichlich haben. Setzen wir auf die Erfahrungen der Verbände in der Schullandschaft und auf die Erfahrungen unserer Lehrerinnen und Lehrer. Lassen Sie uns diesen so wichtigen Bereich, der heute das Fundament für den Bildungserfolg von morgen bildet, bitte gemeinsam angehen. Dafür werbe ich. – Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. Vielen Dank. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)
