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Martin Stümpfig

GRÜNE 17.06.2026 Sitzungen 19/82

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Führende internationale Klimaforschung-Teams haben vor 15 Jahren unterschiedliche Klimaszenarien erarbeitet. Das Worst-Case-Szenario war das sogenannte Klimaszenario RCP 8.5, welches davon ausging, dass die Kohleverstromung einen richtigen Boom erlebt, die erneuerbaren Energien nicht ausgebaut werden und das Bevölkerungswachstum weltweit ungebremst weitergeht. Man hat berechnet, wenn das alles so eintritt, könnte man auf eine Erderwärmung von 4,8 Grad zusteuern. Das Szenario wurde jetzt angepasst. Dank des Pariser Klimaabkommens, das vier Jahre später im Jahr 2015 in Kraft getreten ist, dank des Booms der erneuerbaren Energien, den wir jetzt verzeichnen, und dank des geringeren Bevölkerungswachstums ist dieses Worst-Case-Szenario heute unplausibel. Es besteht ein ganz klarer Unterschied: Man hat sich nicht verrechnet. Es ist ein ganz normaler Vorgang in der Wissenschaft, dass man 15 Jahre später noch einmal überprüft, wie es aktuell aussieht, und zu dem Schluss kommt: Dieses Worst-Case-Szenario wird so nicht eintreten. Das neue Worst-Case-Szenario geht von einer Überhitzung von 3,5 Grad aus. Das wäre nach wie vor katastrophal. Wie Herr Kollege Dietz schon gesagt hat, liegt das durchschnittliche Szenario bei 2,8 Grad. Festzuhalten bleibt: Wenn von rechter Seite, von Trump, von der "Bild"-Zeitung, von der AfD und leider auch vom Wirtschaftsminister Aiwanger versucht wird, das auszunutzen und die Klimawissenschaft schlechtzureden und zu disqualifizieren, weil sie ihre Prognosen angepasst hat, dann ist das einfach falsch. Die Klimawissenschaft hat recht behalten. Die Klimawissenschaft hat ganz klar gesagt, in welche Richtung es geht. Das ist ein ganz normaler Ablauf, der von Klimaleugnern und -skeptikern nicht falsch interpretiert werden darf. (Beifall bei den GRÜNEN und der SPD) Wir sehen auf anderer Seite, dass Klimaschutz wirkt. Das wird von der AfD verschwiegen. Die erneuerbaren Energien wurden ausgebaut, und es gab eine geringere Kohleverstromung sowie weniger CO -Emissionen. Das sind erste kleinere Erfolge. (Zuruf des Abgeordneten Martin Huber (AfD)) Sie verschwiegen auch, dass das gleiche Forschungsteam das Best-Case-Szenario ebenfalls einkassiert hat, das besagt: Wenn wir erfolgreich sind und die erneuerbaren Energien ausbauen usw. usf., können wir es schaffen, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Dieses Ziel des Pariser Klimaabkommens wurde leider nicht erreicht. Es müssten jetzt eigentlich alle Alarmglocken schrillen, weil wissenschaftlich bestätigt wurde, dass wir dieses Ziel nicht mehr erreichen können. Unsere Schlussfolgerung muss doch jetzt lauten: Die Erde hat hochgradig Fieber. Das ist lebensbedrohlich, aber wir haben zumindest die richtige Diagnose erstellt. Die Treibhausgasemissionen müssen weiter sinken. Die ersten Maßnahmen zeigen Wirkung. Die schlimmsten Befürchtungen können ausgeschlossen werden. Das hat Herr Kollege Dietz bereits richtigerweise gesagt. Aber ein Weiter-so ist nach wie vor lebensbedrohlich. Wenn Sie als Klimaleugner bzw. Klimaskeptiker davon sprechen, dass man die Therapie abbrechen soll, weil der Tod nicht eingetreten ist, ist das doch vollkommen falsch. Die demokratischen Parteien hier im Hohen Haus sind sich hoffentlich darüber einig, dass die Therapie für den kranken Patienten anschlägt. Wir brauchen mehr erneuerbare Energien und weniger fossile Energien. Das Fieber des Patienten steigt immer noch. Wir sind kurz davor, gefährliche Kipppunkte zu überschreiten, bei denen die Genesung unseres Planeten nicht mehr erreicht werden kann. Man kann grundsätzlich sagen: Der Medikamentenplan passt, aber die Dosis noch überhaupt nicht. Wir brauchen viel mehr erneuerbare Energien, viel mehr Klimaschutzmaßnahmen und viel weniger fossile Emissionen. Das muss die Folgerung sein, und dafür setzen sich die GRÜNEN weiterhin ein. (Beifall bei den GRÜNEN)

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