Susann Enders
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon interessant, wie man so viel Gutes so schlechtreden kann. Denn mit unseren drei Anträgen machen wir auf etwas ganz besonders Lebenswichtiges aufmerksam. Nur auf die Zuckersteuer abzuzielen, ist doch viel zu kurz gegriffen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir mit einer Zuckersteuer vielleicht dafür sorgen, dass dann schon Kinder und Jugendliche in erhöhtem Maße Zuckerersatzstoffe, die zum Teil gesundheitsbedenklich sind, konsumieren, dann ist das eben einfach zu kurz gegriffen. Sorry, gute Politik ist eben nicht zu kurz gegriffen. Da darf man nicht nur von A nach B, sondern von A bis zum Ende durchdenken. Wir wissen längst, dass die Ernährung unsere Gesundheit beeinflusst, und das ganz entscheidend. Sie kann Krankheiten vorbeugen oder Therapien unterstützen und die Lebensqualität verbessern. Trotzdem wird ihr Stellenwert im Gesundheitswesen immer noch unterschätzt. Dabei sehen wir die Folgen wirklich jeden Tag. Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Zahl der Menschen mit Übergewicht steigt. Diabetes nimmt zu. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weiterhin zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Gleichzeitig wird unsere Gesellschaft immer älter, wodurch auch die Bedeutung der gezielten Ernährungstherapie wächst. Genau deshalb setzen wir heute mit unseren Anträgen ein klares Zeichen: Prävention und Therapie durch Ernährung müssen einfach stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Der erste Antrag befasst sich mit dem Beruf der Diätassistentinnen und Diätassistenten. Viele Menschen wissen eigentlich gar nicht, was das ist oder was das für extrem wichtige Fachkräfte in unserem Gesundheitswesen sind. Sie begleiten Patientinnen und Patienten bei Diabetes, Adipositas, Essstörungen, Krebserkrankungen oder auch nach schweren Operationen, und sie helfen dabei, dass Therapien erfolgreich gestaltet werden können und auch Komplikationen vermieden werden. Trotzdem basiert das entsprechende Berufsgesetz, wie wir es schon gehört haben, noch auf Regelungen, die mittlerweile rund 30 Jahre alt sind. Das wird den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Hier ändern wir. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass das Gesetz grundlegend modernisiert und zu einem zeitgemäßen Gesetz zur Diätetik weiterentwickelt wird. Denn dieser Beruf verdient mehr Anerkennung, mehr Sichtbarkeit und bessere Entwicklungsmöglichkeiten, damit es auch für junge Leute interessant wird, in diese Berufe zu gehen. Dabei geht es um weit mehr als klassische Ernährungsberatung. Die Diätetik umfasst sämtliche ernährungstherapeutischen Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen. Sie begleitet Menschen beispielsweise bei Adipositas, Diabetes oder Essstörungen und auch in besonderen Lebenssituationen wie in einer Schwangerschaft. Moderne Ernährungstherapie arbeitet interdisziplinär mit Ärztinnen und Ärzten, Fachkräften und weiteren Gesundheitsberufen zusammen. Gerade deshalb müssen Ausbildung und Berufsbild endlich an die Anforderungen unserer Zeit angepasst werden. Die Zahlen zeigen den Handlungsbedarf ganz deutlich. Denn aktuell werden in ganz Bayern lediglich 293 angehende Diätassistentinnen und Diätassistenten ausgebildet. Das ist schlichtweg zu wenig angesichts der aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen eben in Richtung Prävention. Deshalb geht unser zweiter Antrag auch den nächsten wichtigen Schritt. Wir wollen ein Konzept für eine Teilakademisierung vorlegen, und das nicht, weil wir die bisherige Ausbildung schlechtreden wollen, sondern ganz im Gegenteil, um diesen Beruf zukunftsfähig gestalten zu können. Wir brauchen attraktive Karrierewege, moderne Ausbildungsstrukturen und bessere Entwicklungsperspektiven. Denn nur so können wir ausreichend Fachkräfte gewinnen und langfristig auch im Beruf halten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Prävention – wer das ernst meint, der muss auch die Menschen stärken, die die Prävention und die Therapie in der Praxis umsetzen. Daher auch der dritte Antrag. Er beschäftigt sich ganz konkret damit: "Mehr Ernährungstherapie auf Rezept". Denn oftmals wird ja professionelle Ernährungsberatung erst dann in Anspruch genommen, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist. Dabei kann eine qualifizierte Ernährungstherapie dabei helfen, Krankheitsverläufe positiv zu beeinflussen, Folgeerkrankungen zu verhindern und Krankenhausaufenthalte zu reduzieren. Das ist nicht nur medizinisch sinnvoll und das ist nicht nur auch wirtschaftlich sinnvoll, sondern vor allen Dingen ist es menschlich sinnvoll. Denn jeder Euro, den wir in die Prävention investieren, spart häufig ein Vielfaches an späteren Behandlungskosten. Ich komme selber aus dem Gesundheitswesen und weiß, wie wichtig Körper und Geist sind und dass es dort hochsensible Zusammenhänge gibt. Es ist nun einmal so: Das, was wir oben reinschütten, ist ausschlaggebend dafür, wie der menschliche Körper in seiner Ganzheit funktioniert. Vor allem aber erspart gute Ernährung den Menschen Leid, Einschränkungen und gesundheitliche Belastungen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gute Gesundheit beginnt nicht erst im Krankenhaus. Sie beginnt viel früher mit Prävention, und das schon beim täglichen Essen, bei gesunden Gewohnheiten und bei einer kompetenten Begleitung durch qualifizierte Fachkräfte. Genau dort setzen diese gemeinsamen Anträge von CSU und FREIEN WÄHLERN an. Wir stärken Prävention. Wir stärken die Ernährungstherapie. Wir stärken diejenigen, die tagtäglich einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit vieler Menschen leisten. Wir FREIEN WÄHLER als Regierungsfraktion stehen komplett dahinter. Wir müssen auch darüber sprechen, was Krankheit verhindert, bevor sie überhaupt entsteht. Dazu gehört nun einmal eine qualifizierte Ernährungstherapie ganz entscheidend. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)
