Oskar Atzinger
Frau Präsidentin, Kolleginnen und Kollegen! Esse est percipi. – Sein heißt, wahrgenommen werden. Die heutige Aktuelle Stunde der FREIEN WÄHLER trägt den Titel "Chancen sichern, Zukunft gestalten: Die Initiative ‚Mittelschule – stark für jeden Weg‘". Diesem Titel kann man auf den ersten Blick nur zustimmen; denn Chancen sichern und Zukunft gestalten, das ist genau das, was unser Bildungssystem leisten muss. Doch bleibt es – seien wir ehrlich – viel zu oft bei wohlklingenden Überschriften, während die Realität an unseren Mittelschulen eine andere ist. Die Mittelschule ist das Rückgrat des Bildungssystems, gerade hier in Bayern. Sie ist nicht die Schule zweiter oder gar dritter Klasse, als die sie in der Öffentlichkeit leider oft dargestellt wird. Sie ist vielmehr ein zentraler Baustein für die berufliche Bildung, für Integration, für soziale Stabilität und vor allem für die Zukunft unseres Handwerks. Genau hier liegt ein entscheidender Punkt. Wir sprechen in Deutschland seit Jahren von Fachkräftemangel. Wir beklagen fehlende Handwerker, fehlende Auszubildende und fehlende Praktiker. Gleichzeitig erleben wir eine Akademisierung um jeden Preis. Immer mehr junge Menschen werden in Richtung Studium gedrängt, oft unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen. Aber das ist ein verheerender Fehler. Nicht jeder muss studieren, und das ist auch gut so. Unser Land braucht nicht nur Akademiker, sondern vor allem Menschen, die anpacken können, also Menschen, die bauen, reparieren, installieren, pflegen und gestalten. Das Handwerk ist das Fundament unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands. Ohne Handwerk und ohne Mittelstand steht alles still. Die Mittelschule ist genau der Ort, an dem diese Talente erkannt und gefördert werden können. Hier werden praktische Fähigkeiten vermittelt. Hier entstehen erste Kontakte zu Ausbildungsbetrieben, und hier wird Berufsorientierung konkret gelebt. Doch anstatt diese Schulart gezielt zu stärken, wird sie oft vielerorts vernachlässigt. Wir als AfD-Fraktion sagen klar: Die Mittelschule darf nicht länger stiefmütterlich behandelt werden. Das beginnt bei der personellen Ausstattung. Es kann nicht sein, dass gerade an Mittelschulen der Lehrermangel besonders stark zu spüren ist. Es kann nicht sein, dass Unterricht ausfällt und Förderangebote fehlen. Es kann nicht sein, dass Lehrkräfte dauerhaft am Limit arbeiten. Wer die Mittelschule stärken will, muss in sie investieren, und zwar nicht nur in Programme, sondern auch in Menschen. Wir brauchen mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen und vor allem eine bessere Unterstützung angesichts der besonderen Herausforderungen, die diese Schulart mit sich bringt. Dazu gehören auch Schulsozialarbeit, Berufsberatung und eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben. Ein weiterer zentraler Punkt ist die gesellschaftliche Wertschätzung. Solange das Handwerk und die berufliche Ausbildung nur als Plan B gelten, wird sich wenig ändern. Wir müssen endlich wieder klar sagen: Eine handwerkliche Ausbildung ist kein zweitrangiger Weg, sondern ein gleichwertiger, oft sogar zukunftssicherer Lebensweg. Die Initiative der Staatsregierung geht in die richtige Richtung, greift aber zu kurz, wenn sie nicht konsequent umgesetzt wird. Es reicht nicht, Projekte zu starten und wohlklingende Konzepte vorzulegen. Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen auch im Alltag der Schulen ankommen. Wir fordern daher erstens eine echte Stärkung der Mittelschulen durch ausreichend Personal und bessere Ausstattung, zweitens eine konsequente Förderung der beruflichen Bildung mit besonderem Fokus auf handwerkliche Fertigkeiten und drittens eine gesellschaftliche Aufwertung praktischer Berufe, auch durch politische Vorbilder und klare Botschaften. Wenn wir die Zukunft unseres Landes sichern wollen, müssen wir dort ansetzen, wo diese Zukunft entsteht, nämlich in den Schulen. Dazu gehören eben nicht nur Realschulen und Gymnasien, sondern ganz besonders auch die Mittelschulen. Dort werden die Fachkräfte von morgen ausgebildet. Dort entscheidet sich, ob wir auch in Zukunft noch genügend Handwerker haben werden, die unsere Häuser bauen, unsere Infrastruktur erhalten und unsere Wirtschaft am Laufen halten. Die Mittelschule ist stark, wenn man sie lässt. Sorgen wir gemeinsam dafür. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der AfD)
