Christian Lindinger
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Mit der heutigen Entscheidung zur Novellierung des Bayerischen Jagdgesetzes schließen wir einen intensiven und wichtigen Gesetzgebungsprozess ab. Seit der Ersten Lesung am 5. Februar – und auch vorher schon – haben wir engagiert diskutiert, uns fachlich und konstruktiv mit dem Thema auseinandergesetzt – genau so, wie es sich für ein lebendiges Parlament gehört. Die Details der Novellierung wurden bereits vielfach vorgetragen, sodass ich nicht mehr explizit darauf eingehe. Die Jagd ist in Bayern weit mehr als Tradition. Sie ist ein zentraler Bestandteil unserer Kulturlandschaft und ein unverzichtbares Instrument verantwortungsvoller Naturbewirtschaftung. Rund 80.000 Jägerinnen und Jäger engagieren sich in Bayern ehrenamtlich für Hege, Wildmonitoring, Lebensraumgestaltung und Artenschutz. Sie leisten jährlich mehrere Hunderttausend Stunden unentgeltliche Arbeit – ein Beitrag, der oft unterschätzt wird, der aber für den Zustand unserer Kulturlandschaft von enormer Bedeutung ist. Gleichzeitig stehen wir vor tiefgreifenden Veränderungen. Der Klimawandel wirkt längst nicht mehr abstrakt. In den vergangenen fünf Jahren sind in Bayern über 40 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Hitze, Trockenheit und der Borkenkäferbefall haben ganze Waldregionen geschwächt. Der notwendige Waldumbau hin zu klimaresistenten Mischwäldern ist dabei eine Generationenaufgabe. Damit dieser Waldumbau gelingt, braucht es eine Waldbewirtschaftung, die sich an ökologischen Realitäten orientiert. Wildbestände und Verbissbelastung müssen in einem nachhaltigen Gleichgewicht stehen. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Waldverjüngung und Wildbestand ist keine Gegensätzlichkeit, sondern eine Voraussetzung für einen gesunden Wald. Genau hier setzt die Novellierung des bayerischen Jagdrechts an. Sie schafft erstens mehr Klarheit und Verlässlichkeit. Viele Regelungen stammen aus einer Zeit, in der weder Klimawandel noch moderne Wildökologie eine Rolle spielten. Dieses Gesetz schafft eindeutige Verantwortlichkeiten, stärkt die Revierinhaber in ihrer Eigenverantwortung und sorgt für nachvollziehbare Entscheidungsprozesse. Zweitens brauchen wir eine stärkere Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen. Studien aus der Wildökologie zeigen deutlich, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung besonders dann erfolgreich ist, wenn sie auf Kooperation, regionale Anpassung und klare Verantwortlichkeiten setzt. Genau diesen Ansatz verfolgt die geplante Novellierung. Drittens. Verbesserte Zusammenarbeit. Nachhaltige Jagdpolitik gelingt nur im Zusammenspiel von Waldbesitzern, Landwirtschaft, Jägerschaft, Naturschutz und Politik. Die Novelle fördert diesen Dialog; denn nur gemeinsam können wir die Herausforderungen in unseren Wäldern bewältigen. Viertens. Anerkennung des Engagements der Jägerinnen und Jäger. Die Jägerschaft trägt wesentlich zur Regulierung von Wildbeständen, zur Seuchenprävention – man denke nur an die Afrikanische Schweinepest – und zur Pflege von Lebensräumen bei. Das Gesetz stärkt die Rolle der Jägerschaft und reduziert unnötige Bürokratie, damit Verantwortung dort wahrgenommen werden kann, wo sie entsteht, nämlich draußen im Revier. Sehr geehrte Damen und Herren, die Novellierung des Jagdrechts ist kein Bruch mit der Vergangenheit; sie ist eine Weiterentwicklung, die Tradition und Moderne verbindet. Sie trägt den gesellschaftlichen Erwartungen nach Transparenz und Nachhaltigkeit Rechnung und schafft gleichzeitig praktikable und unbürokratische Rahmenbedingungen für diejenigen, die Verantwortung vor Ort tragen. Ein Gesetz allein löst keine Probleme. Entscheidend wird sein, wie wir es in den kommenden Jahren gemeinsam mit Leben füllen – in unseren Wäldern, in unseren Revieren, in unserer Kulturlandschaft. Mit dieser Novelle schaffen wir die Grundlage, damit auch künftig eine Jagdpolitik verfolgt werden kann, die ökologisch wirksam, gesellschaftlich akzeptiert und rechtlich klar geregelt ist. Ich danke allen, die an diesem Prozess mitgewirkt haben: den Verbänden, den Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis. Ich danke allen Jägerinnen und Jägern für ihr Engagement und ihre Arbeit. Für das beginnende Jagdjahr 2026/2027 wünsche ich ihnen viel Erfolg in ihren Revieren und grüße sie mit einem kräftigen Weidmannsheil. Ich bitte um Zustimmung zum Gesetzentwurf und danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)
