Simone Strohmayr
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, einen wunderschönen guten Morgen! Bayern hat hervorragende Schulen, kompetente, zugewandte, leistungsbereite Lehrkräfte. Sie übernehmen viele Zusatzaufgaben und Mehrarbeit, vieles davon ohne Ausgleich. Sie tun das, weil ihnen der Erfolg unserer Schülerinnen und Schüler am Herzen liegt. Es ist wundervoll anzusehen, wie kreativ auch Eltern und Kinder angesichts der immer neuen Herausforderungen an bayerischen Schulen sind. Ein herzliches Dankeschön an alle! Wir erkennen an, was Sie jeden Tag leisten. (Beifall bei der SPD, der CSU, den GRÜNEN und den FREIEN WÄHLERN) Wahr ist aber auch, liebe Kolleginnen und Kollegen: Bayerns Schulen sind am Limit. Das ist leider keine Übertreibung. Ich erhalte jeden Tag Mails und Anrufe, und auch bei Schulbesuchen wird deutlich: Vielen Lehrkräften geht es angesichts der vielen staatlichen Zumutungen richtig schlecht. Ich erinnere an die Mehrarbeit an den Grundschulen, die im Piazolo-Paket verordnet wurde, oder an die Einschränkungen der Teilzeitmöglichkeiten für Lehrkräfte. Gerade will die Staatsregierung die Tariferhöhungen für Beamte nur mit Verzögerung umsetzen. Das ist ein schlechter Aprilscherz, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das hat bereits die Katholische Erziehergemeinschaft treffend angemerkt. Aber schauen wir noch genauer hin: Inklusion, Digitalisierung und immer heterogenere Klassen verlangen den Lehrkräften viel ab. Lehrkräfte sind heute weitaus mehr als nur Lehrerinnen und Lehrer; sie sind Sozialarbeiter, sie sind Erzieherinnen und Erzieher, sie sind Berater, sie sind Nothelfer, sie sind Streitschlichter und vieles mehr. Gleichzeitig werden sie mit Verwaltungsaufgaben überhäuft, führen Listen, organisieren Zuschüsse für digitale Endgeräte. Hier gibt es endlos viele Beispiele. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist aber noch schlimmer. In Bayern fehlen seit Jahren Tausende Lehrkräfte, und jetzt kommt das Stellenmoratorium zur Unzeit. Was heißt denn dieses Stellenmoratorium? – Im öffentlichen Dienst in Bayern soll im Jahre 2026, also dieses Jahr, keine einzige neue Stelle entstehen. Keine einzige neue Stelle: Echt jetzt? – Da wird doch die Feuerwehr zum Brandstifter. Da werden Lehrkräfte verheizt. Das geht doch krass an der Realität vorbei. (Beifall bei der SPD) Wollt ihr das? Es grenzt schon fast an Fake News, wenn der Ministerpräsident am Dienstag postet: Im Doppelhaushalt 2026/2027 schaffen wir 1.500 neue Stellen. Er verschweigt, dass es im Jahre 2026 keine einzige neue Stelle gibt, liebe Kolleginnen und Kollegen. Was sollen Lehramtsabsolventen machen, wenn sie dieses Jahr fertig werden? Sollen sie auf der Straße stehen, obwohl wir sie brauchen? – Liebe Kolleginnen und Kollegen, denkt noch einmal nach. Da muss nachgebessert werden. (Beifall bei der SPD) Auf Kultusministerin Stolz ist wenig Verlass. (Felix Locke (FREIE WÄHLER): Ach bitte!) Sie verwalten nur den Mangel, prüfen freundlich, machen Selfies mit Herrn Söder, und am Ende werden Ihre Reformen, Ihre Ideen, die Sie haben, von eben diesem Ministerpräsidenten einkassiert. Frau Ministerin, da müssen Sie wirklich noch mehr für die Lehrkräfte kämpfen. (Beifall bei der SPD) Der Erfolg dieser Politik des Duo infernale ist direkt messbar. Ich habe aktuell eine Anfrage gestellt. Vor zehn Jahren waren noch 47 % der Grund- und Mittelschullehrkräfte bis zur regulären Altersgrenze im Dienst, jetzt sind es gerade einmal noch 14 %. Die Dienstunfähigkeit hat also massiv zugenommen. Das bedeutet: Immer mehr Lehrkräfte brechen zusammen, bevor sie in Pension gehen. Das kann doch nicht sein, liebe Kolleginnen und Kollegen. Bayern war einst Bildungsland Nummer eins. Diesen Vorsprung haben wir längst verloren. Und jetzt dieses Stellenmoratorium! Ist das wirklich euer Ernst? (Beifall bei der SPD) Ich sage Ihnen: Das Stellenmoratorium ist ein krasser politischer Fehler. Es ist ein Angriff auf die Zukunft unserer Kinder. Wer heute keine Lehrkräfte einstellt, der spart eben nicht – ganz im Gegenteil: Er gibt Unsummen für Frühpensionierungen und Vertretungskosten aus, während die Bildungsqualität sinkt, die Chancengerechtigkeit erodiert. Bezahlen tun das letztendlich die Schwächsten im System, nämlich die Kinder aus bildungsfernen Familien oder die Kinder mit besonderen Förderbedarfen. Ich kann Sie nur auffordern: Machen Sie eine verlässliche Personalpolitik. Nehmen Sie das Stellenmoratorium zurück. – Herzliches Dankeschön. (Beifall bei der SPD)
