Benjamin Nolte
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kollegen! In unserem Antrag geht es um das Forschungszentrum Globaler Islam. Dieses Forschungszentrum wurde im Jahre 2008 von Frau Prof. Susanne Schröter in Frankfurt gegründet und war deutschlandweit einzigartig. Es beschäftigte sich mit liberalen Reformansätzen im Islam genauso wie mit konservativen Strömungen bis hin zu islamischem Extremismus. Es war somit die einzige Forschungseinrichtung in Deutschland, die sich ohne Berührungsängste auf wissenschaftlicher Ebene auch mit den Aspekten des Islams auseinandergesetzt hat, die uns – freundlich ausgedrückt – national wie international vor Herausforderungen stellen. Frau Schröter und das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam haben einen wichtigen Beitrag zu der Debatte rund um den Islam in Deutschland geleistet. Der wohl größte Beitrag ist Sichtbarkeit. Das Thema wurde und wird, so gut es geht, unter den Teppich gekehrt. Frau Schröter und das FFGI haben es geschafft, Probleme rund um den Islam – ja, diese Probleme gibt es, ob Sie es hören wollen oder nicht – in der Öffentlichkeit zu adressieren. Dieses Institut wurde im Oktober letzten Jahres geschlossen. Frau Prof. Schröter ist eine anerkannte Wissenschaftlerin, die uns auch hier im Bayerischen Landtag schon als Sachverständige im Bereich Antisemitismus unterstützt hat. Sie sah sich während ihrer Forschungsarbeit mit ständigen Anfeindungen und Mobbing-Kampagnen konfrontiert. Sie kritisierte auch offen die sogenannte postkoloniale Theorie, die ein ziemlich einseitiges Bild der Geschichte zeichnet: auf der einen Seite die weißen europäischen Täter, auf der anderen Seite die Opfer, zu denen primär auch Muslime zählen. Dass diese Theorie ziemlicher Blödsinn ist und Muslime keineswegs nur Opfer der bösen Europäer waren, zeigt sich allein dadurch, dass muslimische Reiche über Jahrhunderte hinweg Millionen Menschen aus Afrika und Europa entführt und versklavt haben. Dieser Umstand ist allerdings nicht so bekannt wie die Versklavung der Afrikaner in den USA. Warum wohl? – Ganz einfach: Es gibt kaum kritische Forschung zum Thema Islam in Deutschland. Das wollen wir mit unserem Antrag ändern. Wir wollen das renommierte Forschungszentrum Globaler Islam zu neuem Leben erwecken. Ich gehe hier gerne noch einmal auf die Argumente ein, mit denen unser Antrag im Ausschuss abgelehnt wurde. Angeblich verstößt der Antrag gegen die Freiheit von Forschung und Lehre und gegen die Grundsätze der Hochschulautonomie. Liebe Kollegen, es ist vielleicht einmal hilfreich, wenn Sie sich unsere Anträge auch durchlesen würden, bevor Sie sie ablehnen. "Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen", "Hierzu soll mit einer geeigneten bayerischen Hochschule ein Konzept entwickelt werden". Das ist es, was in unserem Antrag steht. Niemand will die Staatsregierung dazu auffordern, eine Hochschule zur Gründung eines solchen Instituts zu zwingen oder Ähnliches. Die Staatsregierung setzt regelmäßig Impulse für neue Forschungseinrichtungen oder entwickelt Konzepte zusammen mit Hochschulen. Mittel werden aus dem Staatshaushalt bereitgestellt usw. Das ist alles nichts Neues oder Außergewöhnliches, und nichts anderes will unser Antrag. Nächstes Argument war, dass es in Bayern angeblich bereits ausreichende Expertise im Bereich Islamwissenschaften gibt. Wenn das so ist, dann stelle ich mir die Frage: Warum wurde bei der Anhörung zum Thema Antisemitismus an bayerischen Hochschulen hier im Bayerischen Landtag Frau Prof. Schröter aus Hessen eingeflogen, wenn wir doch hier in Bayern angeblich so viel Expertise haben? Das letzte Argument lautete, dass Frau Prof. Schröter bereits emeritiert sei und deshalb fraglich sei, ob sie die Leitung übernehmen könne. Frau Prof. Schröter ist bereits seit 2023 pensioniert. Beim FFGI hat sie über eine Forschungsprofessur weitergearbeitet. Das Problem war die mangelnde Perspektive in Frankfurt. Sie hat mehrfach angedeutet, dass sie ihre Arbeit unter anderen Rahmenbedingungen gerne fortsetzen würde. Frau Prof. Schröter mag eine streitbare Frau sein; aber sie legt den Finger in die sprichwörtliche Wunde. Sie beklagte einst, dass es in Deutschland einen woke-islamistischen Deep State gebe. Setzen wir doch hier in Bayern ein Zeichen gegen diesen woke-islamistischen Deep State (Zuruf: Mein Gott!) oder ein Zeichen für die Freiheit der Wissenschaft. (Beifall bei der AfD) Ein Kollege hat hier vorne seinen Stift vergessen. Der liegt hier vorne.
