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Susann Enders

FREIE WÄHLER 28.01.2026 Sitzungen 19/68

Vielen Dank, dass ich trotzdem noch zu Wort kommen darf. (Martin Wagle (CSU): Ausnahmsweise!) Liebe Frau Waldmann, ich möchte nur darauf hinweisen: Das letzte Wort hat hier in diesem Haus immer noch das Präsidium, heute der Kollege Reiß; aber bevor der dran ist, geht es an mir nicht vorbei. Jetzt bin ich erst einmal dran. Ihr habt mitbekommen: "Medizinernachwuchs sichern, Medizinstipendien auch für Medizinstudierende im EU-Ausland" – das ist der Inhalt unseres Antrags, den wir heute gemeinsam mit dem Koalitionspartner eingebracht haben. In Deutschland und in Bayern bleiben bereits heute Hunderte Arztstellen unbesetzt, besonders – gerade auch bei uns im Flächenstaat Bayern – im ländlichen Raum. Jedes Jahr brechen qualifizierte Medizinstudierende aus finanziellen Gründen ihr Studium im Ausland ab oder beginnen es erst gar nicht, weil sie es sich vielleicht nicht leisten können. Gleichzeitig wissen wir aber: Wer dort ausgebildet wird, wo er Perspektiven bekommt, der kommt auch zurück. Wenn wir da die richtigen Brücken bauen, dann bleiben diese Medizinstudierenden hinterher als fertige Ärzte hier bei uns in Bayern. Das ist in dem Fall die Investition, weil vorhin auch der Haushalt angesprochen wurde, in diese Medizinstipendien. Das sind keine Ausgaben, sondern das sind Investitionen in unsere Versorgungssicherheit, in Standortstärke und vor allen Dingen auch in das Vertrauen in unseren Sozialstaat. Lassen Sie uns heute nicht über Grenzen sprechen; denn das Leben hört nicht an den bayerischen Grenzen auf. Wir müssen hier genau über Chancen sprechen, die am Ende auch, wie Sie wissen – ich spreche aus Erfahrung –, darüber entscheiden, wo eventuell Leben gerettet werden, nämlich da, wo genug Medizinerinnen und Mediziner vorhanden sind. Schauen wir uns die Fakten an und dann auch konkret, welche Ziele wir haben. Der Ärztemangel ist groß und wird sich in den nächsten Jahren weiter vergrößern. Um diesen Mangel zu begrenzen, brauchen wir mehr Studienplätze. Die hausärztliche Versorgung in mehreren Regionen im Land droht sich laut einer Studie in den kommenden Jahrzehnten deutlich zu verschlechtern, und eine gemeinsame Untersuchung des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung und der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass besonders Kleinstädte und der ländliche Raum – damit vor allem auch Bayern – betroffen sind. Lieber Kollege Hanna-Krahl, natürlich muss man warten, bis das Medizinstudium nach vielen Jahren beendet ist; aber genau dasselbe Argument haben wir vor Jahren schon aus allen Reihen gehört, als wir begonnen haben, mehr Medizinstudienplätze zu schaffen. Da hieß es: Ja, wir haben doch jetzt den Mangel. Was schafft ihr jetzt Studienplätze? Die Ärztinnen und Ärzte sind erst in so und so vielen Jahren fertig. – Wenn wir damals darauf gehört hätten, dann hätten wir diese jungen Leute nicht in die Medizin bekommen. Das ist genau der richtige Weg. Das ist ein fortlaufender Prozess, in den wir immer wieder steuernd – auch hier, von Bayern aus – eingreifen müssen. Ziel muss es sein, diesen Ärztemangel in Bayern, insbesondere auch im ländlichen Raum, zu bekämpfen. Wir wollen die jungen Menschen dazu bewegen, dass sie nach dem Studium hier in Bayern eine Facharztausbildung absolvieren und dann auch hier in Bayern tätig werden und hier in Bayern bleiben. Das Stipendium für Studierende an EU-Universitäten wird unterstützt, und im Gegenzug gehen die Studierenden eine Verpflichtung ein – wie wir es vorhin schon besprochen haben –, später auch eine gewisse Zeit im ländlichen Raum in Bayern als Fachärztin oder Facharzt zu arbeiten. Aber das ist doch eine Win-win-Situation für diese jungen Menschen, die sonst vielleicht keine Möglichkeit gehabt hätten, hochintelligent und genau richtig in diesem Beruf sind, weil sie das unbedingt wollen. Genau hier setzen wir an und holen diese wichtigen Menschen in die Medizin und den ärztlichen Bereich. Mit unserem heutigen Antrag wollen wir dem großen Thema der medizinischen Versorgungssicherheit im Land weiter präventiv begegnen. Bis auf die GRÜNEN gab es dafür im Ausschuss bereits große Zustimmung. Der Ärztemangel in unserem Land ist kein fernes Zukunftsszenario. Er ist für viele Menschen im ländlichen Raum längst Alltag geworden. Jeder kennt doch die Geschichten zu Hause, wenn man dringend einen Arzttermin braucht und froh ist, dass der Hausarzt, der vielleicht schon siebzig Jahre alt ist, seine Praxis immer noch betreibt, weil er sagt, er könne seine Patienten nicht im Stich lassen. Lange Wege, lange Wartezeiten also und die bange Frage, ob ärztliche Versorgung auch morgen noch verlässlich erreichbar ist. Hiermit werden wir steuernd eingreifen. Gleichzeitig gibt es Tausende junge Menschen, die den Wunsch haben, Medizin zu studieren, die motiviert, engagiert und hochintelligent sind. Genau für diese jungen Menschen öffnen wir mit dem EU-Stipendienprogramm eine Tür. Wir geben angehenden Medizinerinnen und Medizinern die Chance, im EU-Ausland zu studieren, und unseren Regionen und vor allem dem ländlichen Raum in Bayern die Perspektive, diese Fachkräfte auch wieder zurückzugewinnen. Bis zu 10.000 Euro pro Semester für maximal zwölf Semester sind eine Investition in die Ausbildung. Ja, meine Redezeit ist zu Ende. Es gäbe noch so viel, was ich Ihnen hätte sagen wollen. Das Wichtige ist aber, dass, da der Allgemeinmedizin auch im Koalitionsvertrag auf Bundesebene mit dem Primärarztsystem ein höherer Stellenwert eingeräumt wird, –

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