Sabine Gross
Sehr geehrtes Präsidium, liebe verbliebene Kolleginnen und Kollegen! Die Deutsche Bahn hatte einmal ein vergünstigtes Familienreservierungsticket. Leider wurde dieses zum 15.06.2025 abgeschafft. Alle Reisenden, auch Kinder, müssen seitdem für einen Sitzplatz den vollen Preis zahlen. Das bedeutet für eine vierköpfige Familie, statt 10,40 Euro nun allein für die Platzreservierung auf einfacher Strecke 22 Euro zu zahlen; eine Verteuerung um 100 %. Familien können häufig nicht auf eine Reservierung verzichten. Sie müssen sicherstellen, dass im Zug alle beieinandersitzen. Besonders jüngere Kinder können nicht getrennt von den Eltern sitzen, und Eltern-Kind-Abteile sind dünn gesät. Es bleibt also nur, die teure Reservierung zu zahlen oder eben auf das Auto umzusteigen. Begründet wurde diese Entscheidung der Bahn zur Abschaffung übrigens nicht mit wirtschaftlichen Erwägungen, sondern mit angeblich überhandnehmendem Missbrauch dieser Möglichkeit. Ich habe den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Bayern Heiko Büttner gefragt, wie und wie oft denn dieser Missbrauch stattgefunden hätte. Er konnte mir leider keine Auskunft erteilen. Ich kann dieses Argument auch nicht nachvollziehen. Nach eigener Auskunft der Bahn haben nur 5 % der Fernreisenden überhaupt von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Ich halte die Entscheidung der Bahn für inakzeptabel. Die Pünktlichkeit der Bahn, insbesondere im Fernverkehr, liegt konstant unter 60 %, und Besserung ist nicht in Sicht. Mittlerweile ist es so, dass man, wenn man pünktlich am Ziel ankommen will, besser nicht die Bahn nimmt oder schon am Vortag anreist. Auch sind gerade die Fernzüge aktuell nicht unbedingt komfortabel. Immer öfter gibt es kein gastronomisches Angebot, weil das Personal fehlt. Das ist kein großes Problem, wenn man wie ich mal mit dem ICE von München nach Nürnberg fährt. Aber wenn man mit Kindern von München nach Hamburg reist und es nichts zu essen und zu trinken gibt, sieht das schon anders aus. Auch die Behindertentoiletten sind in den Fernzügen immer öfter außer Betrieb, ein großes Problem für Menschen mit Behinderung. Da es absehbar ist, dass sich die Pünktlichkeit in den nächsten Jahren nicht wesentlich verbessern wird, stellen wir den Antrag, darauf hinzuwirken, nicht einfach zur früheren Praxis zurückzukehren, sondern die Familienreservierung für Kinder bis 14 Jahre ganz kostenfrei zu stellen. Das würde das Reisen mit der Bahn für Familien wieder attraktiver machen und die Bahn nicht wirklich viel kosten. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Wenn man nicht mit Service punkten kann, dann muss man eben mit Preissenkungen die Kunden anlocken. Das ist eine Binsenweisheit. Ich bitte um Ihre Zustimmung zu unserem Antrag. Er wäre ein Zeichen an die Familien in unserem Land, dass wir im Bayerischen Landtag uns für eine familienfreundliche Bahn einsetzen. – Vielen Dank. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Fünfter Vizepräsident Markus Rinderspacher: Der nächste Redner ist der Kollege Martin Wagle für die CSU-Fraktion.
