Simone Strohmayr
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Ehrengäste! Es ist mir eine besondere Freude, heute im Plenum des Bayerischen Landtags zu stehen und über das geplante Yad Vashem Education Center zu sprechen, das wir uns alle hier in Bayern wünschen. Es ist gut und angemessen, dass sich die demokratischen Fraktionen (Lachen bei der AfD) dieses Hohen Hauses unserer Initiative angeschlossen haben; denn es geht um historische Verantwortung, Bildung und ein ganz persönliches Herzensanliegen. Wir alle wollen, dass das Bildungszentrum nach Bayern kommt. Wer einmal im Yad Vashem war, vergisst diesen Ort nicht mehr. Ich erinnere mich gut an meinen eigenen Besuch im Jahre 2015. Man betritt das Museum; das Licht im Inneren ist gedämpft, die Atmosphäre einzigartig. Man schreitet durch die Geschichte des Holocaust, chronologisch und unerbittlich: Fotos von Familien, die es nicht mehr gibt, persönliche Gegenstände, Schuhe, Koffer, Briefe und Videoinstallationen mit Zeitzeugen, deren Stimme einem durch Mark und Bein geht. In der Halle der Namen türmen sich die Ordner bis zur Decke. Jeder einzelne ist gefüllt mit Biografien von Ermordeten – sechs Millionen individuelle Schicksale. Ich erinnere mich, wie schwer es mir gefallen ist, damals nur einen Kranz niederzulegen. Dann tritt man hinaus auf die Terrasse und blickt auf Jerusalem. Das ist Programm: Aus dem Dunkel ins Licht, aus der Erinnerung in die Verantwortung. Genau das ist es, was wir mehr denn je brauchen: Verantwortung. Wir Demokraten müssen zusammenstehen und gemeinsam für unsere Werte, für Wahrheit, für Mitmenschlichkeit und für Demokratie eintreten. (Beifall bei der SPD, der CSU, den FREIEN WÄHLERN und den GRÜNEN) Wir haben aus der Geschichte gelernt, und wir wehren uns gegen Fake News, Geschichtsklitterung und den Versuch, die Demokratie auszuhebeln. Dieses Wissen müssen wir von Generation zu Generation weitergeben. Das Yad Vashem Education Center wäre ein sehr guter Ort, um dies zu tun, hier in Bayern, im Land der Täter, vielleicht sogar in München, der "Hauptstadt der Bewegung". (Beifall bei der SPD, der CSU, den FREIEN WÄHLERN und den GRÜNEN) Dieses Zentrum wäre keine Konkurrenz zu unseren bestehenden Gedenkstätten in Dachau und Flossenbürg. Es ist eine Ergänzung und ein Brückenschlag. Mit knapp zwanzig Mitarbeitern sollen vor allem Lehrkräfte und Multiplikatoren geschult werden. Mit der einzigartigen pädagogischen Expertise soll gegen Holocaustverharmlosung und Geschichtsverzerrung angekämpft werden. Die Vorteile Bayerns haben meine Kolleg:innen schon erwähnt und stehen in unserem Antrag. Leider kann ich aus Zeitgründen nicht mehr näher darauf eingehen. Zum Schluss will ich noch sagen: Wir dürfen nicht aufrechnen, weder in Bayern, wo einige sagen, das Geld muss anders ausgegeben werden, noch mit Blick auf Israel oder Gaza. Wir stehen zu unserer Verantwortung. Lassen Sie uns als Parlamentarier gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und Vereinen in einem großen Bündnis dafür eintreten, dass das Yad Vashem Education Center hier nach Bayern kommt. (Beifall bei der SPD, der CSU, den FREIEN WÄHLERN und den GRÜNEN)
