Simone Strohmayr
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, vor allem liebe Kolleginnen und Kollegen der Regierungsfraktionen! Ihr Ministerpräsident hat aus Spargründen eine digitale Kehrtwende an unseren Schulen eingeleitet. Im Koalitionsvertrag von CSU und FREIEN WÄHLERN steht, dass spätestens bis zum Jahr 2028 sukzessive alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse ein digitales Endgerät erhalten sollen. Kaum ein Jahr später entscheidet die Staatsregierung, dass alle Schülerinnen und Schülern zukünftig erst ab der achten Klasse ein digitales Endgerät erhalten sollen. Statt Fortschritt heißt es plötzlich Rückschritt. Der Ministerpräsident leitet damit die digitale Vollbremsung ein. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sagen ganz klar: Digitale Endgeräte an weiterführenden Schulen bis zur achten Klasse zu verbannen, macht einfach keinen Sinn. Natürlich brauchen wir auch analoges Lernen, sehr geehrter Herr von Waldenfels. Ist er noch hier? – Ja. Natürlich müssen Kinder und junge Menschen lesen, schreiben und rechnen können. Dabei hilft es auch, ein Buch in die Hand zu nehmen. Und es ist doch ein Schmarrn, wenn Sie sagen, wir wollen die Bücher aus der Schule verbannen. Das will doch kein Mensch; aber wir leben in einer digitalen Welt. Wir leben in einer Welt, in der es KI gibt, in der es Fake News und Social Media gibt. Das bestimmt doch unseren Alltag und den Alltag der jungen Menschen. Wir leben in einer digitalen Realität, und die ist längst kein Nebenschauplatz mehr, sondern leider Fakt. Junge Menschen müssen auf diese digitale Welt vorbereitet werden. Das ist wichtig. Sie haben jetzt viele Studien zitiert. Ich möchte Ihnen eine zusätzliche Studie nennen, die Sie anscheinend nicht kennen. Die Universität Würzburg setzt sich nämlich genau mit der Frage auseinander, was der Unterschied zwischen einem Leihgerät und einer 1 : 1-Ausstattung ist. Und siehe da, was ist das Ergebnis dieser dreijährigen Studie der Universität Würzburg? – Es ist etwas völlig anderes, ob ein Kind ein Leihgerät oder durch die 1 : 1-Ausstattung ein eigenes Gerät in der Hand hat. Die 1 : 1-Ausstattung führt zu einer höheren Motivation von jungen Menschen. Sie haben bessere Lernfortschritte, und das wollen wir doch erreichen. Deswegen brauchen wir die 1 : 1-Ausstattung ab der fünften Klasse, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD) Eines ist mir als Sozialdemokratin noch wichtig zu sagen: Beleuchten wir noch einmal die Mittelschulen. Die Schülerinnen und Schüler verlassen nach der neunten Klasse die Mittelschule, um in eine digitale Arbeitswelt zu starten. Was passiert denn, wenn sie erst ab der achten Klasse die digitalen Endgeräte bekommen? Sie werden unvorbereitet in diese digitale Arbeitswelt entlassen. Wollt ihr das wirklich? Ich kann euch nur sagen, das ist doch ein Schmarrn, das ist der falsche Weg. (Beifall bei der SPD – Widerspruch bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN – Tanja Schorer-Dremel (CSU): Glauben Sie das wirklich?) Und noch ein Argument möchte ich Ihnen mitgeben. Digitale Endgeräte sind wirklich essenziell für die Schulen. (Felix Locke (FREIE WÄHLER): Wo ist jetzt das Argument?) Was passiert denn, wenn wir den Kindern keine digitalen Endgeräte geben? – Jeder hat heute ein Handy. Die Kinder werden ohne pädagogische Begleitung, ohne kritische Reflexion, ohne nötiges Wissen mit diesen digitalen Inhalten konfrontiert. Das kann doch nicht unser Ziel sein. Das wollen wir verhindern.
