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Ulrike Scharf

29.10.2025 Sitzungen 19/62

Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Lage in unserem Land ist viel zu ernst und die Zukunft unserer Kinder ist viel zu wertvoll, als dass wir uns mit Scheindebatten um Zuständigkeiten und vor allem mit den billigen Profilierungsversuchen in diesem Dringlichkeitsantrag auseinandersetzen sollten. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Ich arbeite jeden Tag mit ganzer Kraft daran, dass wir für jedes Kind und für jedes Talent in Bayern die beste individuelle Förderung bekommen. Frühkindliche Bildung hat für mich oberste Priorität. Erst gestern war ich gemeinsam mit unserem Ministerpräsidenten in einer Kita in Augsburg. Ich kann Ihnen nur sagen: Jeder meiner vielen Besuche in Kitas begeistert mich und macht mich dankbar und froh. Ich sehe da, mit wie viel Herzblut und mit welcher Menschlichkeit die Fachkräfte unsere Kinder in ihrem Leben begleiten. Ja, es gibt Verbesserungsbedarf. Das wissen wir. Deshalb führen wir auch das Kinderstartgeld ein. Wir schichten damit Hunderte Millionen Euro zugunsten unserer Kitas um. Wir müssen noch mehr in die Qualität und die Quantität investieren. Dafür kämpfe ich gerade in den laufenden Haushaltsverhandlungen. Was wir aber wirklich nicht brauchen, sind diese Zuständigkeitsdebatten. Ich frage mich, was die Menschen draußen darüber denken. Die Erzieherinnen und Erzieher schütteln nur den Kopf. Würden Sie mit ihnen sprechen und hätten Sie einen Bezug zur Praxis, dann wüssten Sie, was die Erzieherinnen und Erzieher wollen. Sie wollen in ihrer eigenständigen Ausbildung und mit ihrer hohen Expertise wertgeschätzt werden. Sie wollen keine Lehrerinnen und Lehrer zweiter Klasse sein. Deshalb sind sie sehr froh, dass für sie das Familienministerium zuständig ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Erzieherinnen und Erzieher wollen vor allem eines nicht, und das ist die Verschulung unserer Kindergartenkinder. Das ist eine Frage des Menschenbildes und der entwicklungspsychologischen Forschung der letzten Jahrzehnte. Schule ist etwas anderes als Kindergarten. Das freie Spiel, zweckfreies Lernen, das Ausprobieren im Team sowie Raum für emotionale Ansprache und Zuwendung, das war und ist der Weg für unsere bayerischen Kindergärten. Gleichzeitig sage ich ganz klar: Ich arbeite im Dienste unserer Kinder bestens und vertrauensvoll mit meiner Kollegin Anna Stolz zusammen. Wir haben gemeinsam die verpflichtenden Sprachtests eingeführt, und wir bauen gemeinsam die frühe Sprachförderung aus. Wir bringen gemeinsam die Ganztagsbetreuung voran, und wir beraten uns mit der kommunalen Familie. Ich wundere mich wirklich sehr über diesen Dringlichkeitsantrag. Das grün geführte Familienministerium der Ampel-Regierung hat die Förderung der Sprach-Kitas abgeschafft. (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Hört, hört!) Ich darf Sie erinnern: Das war ein brutaler Abriss dieser Förderung, eine große Katastrophe. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) In Bayern sind wir eingesprungen. Wir fördern die Sprach-Kitas weiter. Liebe Frau Triebel, und jetzt stellen Sie sich hierher und mahnen eine bessere Sprachförderung an. Ich weiß nicht, ob ich das als grüne Krokodilstränen bezeichnen soll. Bildungspolitische Glaubwürdigkeit sieht für mich jedenfalls anders aus. Unumstritten ist, dass wir einen Bildungsboom brauchen. Diesen schaffen wir auch in Bayern. Wir haben seit 2010 die staatliche Förderung der Kitas auf 3,6 Milliarden Euro vervierfacht. In unseren Kitas arbeiten fast 130.000 Beschäftigte. Im Vergleich zum Jahr 2011 ist das eine Verdoppelung. Wir werden diesen Kurs trotz schwieriger Zeiten mit Kraft und einem klaren Schwerpunkt auf der frühkindlichen Bildung weiterverfolgen. Wir fördern Tausende von Teamkräften. Auch diesen Weg werden wir konsequent und kraftvoll weiterverfolgen. Für die Schule haben wir Tausende neue Lehrkräfte zusätzlich eingestellt und werden noch einmal 1.500 zusätzliche Kräfte einstellen. Dieser Bildungsboom und die kommende Reform der Kitafinanzierung schaffen die besten Chancen für unsere Kinder. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Herkunft der Kinder ist heterogener geworden, die sprachlichen und kulturellen Hintergründe vielfältiger. Ja, wir müssen mehr investieren. Werteerziehung, Demokratiebildung, Förderung medienkompetenter und kritischer Persönlichkeiten, all das ist für uns ein wichtiger Auftrag, auch im Sinne der Demokratie. An dieser Stelle muss ich eine Bemerkung machen: Es ist interessant, dass in Ihrem Antrag Kinder mit Migrationshintergrund mit keinem einzigen Wort erwähnt werden. Da ist sie wieder, die grüne Realitätsverweigerung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, nur wenn wir heute in die Herzen und in die Köpfe unserer Jüngsten investieren, schaffen wir den Aufbruch für den sozialen und ökologischen Wohlstand von morgen. Nur dann ist unser Sozialstaat zukunftsfest, der von der Lebensleistung des Einzelnen lebt. Alles beginnt bei den Jüngsten. Wo Kinder Halt finden, wächst Zukunft. Wo Kinder früh gefördert werden, beugen wir vor. Wer heute in die Köpfe und in die Herzen der Jüngsten investiert, der sät Vertrauen, aber er erntet vor allem Zusammenhalt und Stärke. Dafür arbeite ich, aber nicht für Zuständigkeitsfragen. Deshalb lehnen wir Ihren Dringlichkeitsantrag ab. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)

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