Franz Schmid
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, sehr geehrte Damen und Herren! In Bayern sind rund 35.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos. Die Arbeitslosenquote ist in dieser Altersstufe mit 4,3 % am höchsten. Nur unter den Ausländern herrscht mit 9 % eine höhere Arbeitslosenquote. Das bedeutet, dass in Bayern anteilig mehr junge Menschen arbeitslos sind als die Generation 50 plus. Das ist verheerend. Gleichzeitig finden rund 30 % der Ausbildungsbetriebe keine Auszubildenden. Die Abbruchquote bei Ausbildungen ist auf alarmierende 12 % gestiegen. Das ist kein Zufall, das ist ein Systemversagen, weshalb es Zeit wird, dass wir endlich handeln. Lassen Sie uns die Fakten betrachten: Die Jugendarbeitslosigkeit steigt bundesweit. Seit über zehn Jahren bleiben mehr junge Menschen ohne Ausbildungsplatz, in Bayern sogar über 9.500, obwohl rund 27.500 Ausbildungsstellen frei sind. Ich frage Sie: Was ist los? – Trotz historisch hohem Angebot bleiben Tausende Jugendliche unversorgt. Auf Unternehmerseite wird von weniger abgeschlossenen Ausbildungsverträgen und von Bewerbermangel gesprochen. Vor allem in unbeliebten Branchen wie in der Lebensmittelindustrie, im Bau-, Hotel- und Gaststättengewerbe, selbst im Metallbau oder in der Fahrzeugführung fehlen Lehrlinge. Und was macht die Politik? Wir alle kennen solche Fälle. Es geht um eine Weiterbildungsmaßnahme, beispielsweise zum Busfahrer. Für den arbeitslosen jungen Mann wird extra ein Führerscheinmodell gewählt, das länger dauert und den Arbeitslosen schonend auf die bevorstehende Prüfung vorbereiten soll. Das kostet natürlich Geld, nämlich circa 20.000 Euro, die das Jobcenter übernimmt. Anschließend gefällt dem Arbeitslosen der Beruf dann doch nicht. Verbucht wird das Ganze unter "fehlgeschlagener Eingliederungsmaßnahme". Wir finden, man muss früher ansetzen. Die duale Ausbildung muss priorisiert werden, Berufsorientierung muss gestärkt werden, und wir müssen mehr Anreize schaffen. Es geht um die Gleichstellung der Berufsausbildung mit dem Studium. Warum soll ein Azubi benachteiligt sein? Wir fordern Kostenvergünstigungen und Leistungsverbesserungen für bessere Mobilität. Denken Sie an günstigere Tickets für die Auszubildenden, den Bau von Azubi-Wohnheimen oder an ein Stipendienprogramm, das Talente auch in der Berufsausbildung gezielt fördert, (Beifall bei der AfD) und an Ausbildungsabschlussprämien, wie der von uns geforderte kostenlose Führerschein bei besonders erfolgreich absolvierter Ausbildung. Was die Beratung betrifft, hat der Freistaat in den letzten Jahren ohne Frage viel für die Ausbildung getan; aber genau da liegt das Problem. Die Vielzahl an Berufsorientierungsprogrammen ist längst zu einem undurchsichtigen Dschungel geworden: zu viele Angebote, zu wenig Orientierung; Jugendliche, die von einer Maßnahme in die nächste verfrachtet werden. Waren sie schon einmal in einer BVJ-Klasse? – Dort ist der Unterricht, der Wissenslücken schließen oder gar Orientierung bieten soll, schlichtweg unmöglich. Die Schüler sind zu unterschiedlich. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Aufbewahrungsstätte für die Jugendlichen, die ihre Schulpflicht noch nicht beendet haben; aber von Förderung kann keine Rede sein. Wir brauchen endlich mehr Durchblick, weniger Bürokratie, mehr Klarheit. Das bedeutet: aufräumen, entrümpeln, prüfen und bündeln. Jugendliche brauchen klare, einfache Wege in den Beruf, und Kommunen müssen unterstützt werden, damit Schulen, Betriebe und junge Menschen besser zusammenarbeiten für echte, praktische Chancen statt für Dauerparken im System. Im Übrigen betonen Forscher, wie beispielsweise Dr. Holger Seibert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dass die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bereits im Schulsystem beginnen muss und nicht erst auf dem Arbeitsmarkt; denn junge Menschen ohne Schulabschluss oder nur mit Hauptschulabschluss sind überproportional von der Jugendarbeitslosigkeit betroffen. Dieses Jahr haben allein in Bayern fast 5.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell, um das Deutschland international beneidet wird. Warum lassen wir uns diesen Erfolgsfaktor schleichend kaputt machen? Ein Blick nach Ungarn hilft. Ja, Sie können jetzt aufschreien und Ihren Hass kundtun; aber Orban hat gezeigt, wie durch sinnvolle Programme die Jugendarbeitslosigkeit und der Fachkräftemangel halbiert werden konnten, ohne auf Migration zu setzen. Lassen Sie uns nicht warten, bis es zu spät ist. Lassen Sie uns den Fachkräftemangel als Mär erkennen und auf das zurückgreifen, was uns schon immer gerettet hat: unsere Jugend. In ihr liegt die Zukunft. Wir haben die Fachkräfte längst im Land. Sie müssen nur ausgebildet werden. Doch statt in unsere Jugend zu investieren, holen Sie Jahr für Jahr sogenannte Fachkräfte aus aller Herren Länder hierher, und trotzdem wird die Lage immer schlechter. Seltsam, oder nicht? Es ist Zeit, dieses falsche Spiel endlich zu beenden. Die Zukunft Bayerns wird nicht importiert. Sie wächst in Bayern auf, in unseren Schulen, in unseren Werkstätten. Sie liegt in den Händen unserer Jugend. (Beifall bei der AfD)
