Josef Lausch
– die gesicherte Grundlastleistung. Wind- und Solarenergie sind volatil. Um Stromangebot und -nachfrage auszugleichen, braucht es steuerbare Leistung – nicht nur in den Ballungsräumen, sondern flächendeckend, Stichwort "Dunkelflaute". Dezentrale Energieerzeugung in ländlichen Regionen, wie sie die Biogasanlagen liefern, stärkt gerade auch in Krisenzeiten die Resilienz des Gesamtsystems. Biogas ist die "eierlegende Wollmilchsau". Biogas kann sowohl über das Fahrsilo Sonnenenergie aus den Sommermonaten in den Winter bringen als auch der Erzeugung von Methan, Wasserstoff und sogar grünem CO dienen. Unser Antrag zielt darauf ab, bestehende Infrastruktur zu nutzen statt neu zu bauen. Die neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat angekündigt, 20 Gigawatt in neuen Graskraftwerken erzeugen zu wollen. Kosten: 20 bis 30 Milliarden. Von Zeiträumen war noch gar nicht die Rede. In Bayern gibt es knapp 3.000 Biogasanlagen mit 1,5 Gigawatt Leistung. Viele davon sind ohne großartige Umrüstungen technisch geeignet, auch Erdgas zu verwerten. Im Detail: Seit dem EEG 2014 werden die Biogasanlagen angehalten, stromflexibel zu erzeugen; sie können je nach Strombedarf bis zu fünf-, sechs- oder auch siebenfach überbaut werden. In Zeiten von Strompreisspitzen können Biogasanlagen eben viel Strom erzeugen. Sie können bis zu acht oder gar zehn Stunden Biogas puffern. Vollauslastung der Biogasanlagen ist aber nicht gegeben. Aus biologischen Gründen – die Bakterien können ihre Leistung nicht innerhalb kürzester Zeit verdoppeln oder gar verfünffachen – ist es schwierig, kurzfristig die Leistung zu erhöhen. Deshalb hätte es unserer Meinung nach Sinn, während einer Dunkelflaute, wie sie Anfang Dezember 2024 vorherrschte, kurzfristig die Leistung zu erhöhen. Es ist lediglich notwendig, den Zündzeitpunkt der Blockheizkraftwerke anzupassen. Es ist lediglich nötig, einen Erdgasanschluss zur Verfügung zu stellen oder einen oberirdischen Erdgastank zu installieren. Wir reden hier von 20 bis 25 Tagen im Jahr. Zur Überbrückung von Dunkelflauten wird im Jahr ungefähr eine Terawattstunde Strom benötigt. Ein Drittel dieser Menge könnten regionale Biogasanlagen vorübergehend aus Erdgas erzeugen. Anstatt Milliarden in neue Großkraftwerke zu investieren, könnten zwischen 0,8 und 1,8 Milliarden eingespart werden – allein dadurch, dass man bestehende Anlagen nutzt. Das ist kostengünstiger, vor allen Dingen schneller umsetzbar und umweltverträglicher als viele Neubauten. Gegenüber dem Neubau von Gaskraftwerken könnten etwa 85 % der Kosten eingespart werden. Dies würde für Biogasanlagen nach dem EEG-Auslauf auch eine Zukunftsperspektive darstellen. Der Einsatz von Erdgas kann mittelfristig durch grüne Gase, Wasserstoff oder auch synthetisches Methan, ersetzt werden. So bleibt die Strategie an eine klimaneutrale Zukunft anschlussfähig. Aktuelle Bundesregelungen – vor allen Dingen im EEG – lassen den ergänzenden Erdgasbetrieb nicht oder nur unter sehr schwierigen Bedingungen zu. Der Bund plant neue Gaskraftwerke, berücksichtigt aber aktuell die Chancen der dezentralen Biogasblockheizkraftwerke nicht. Bayern muss sich hier deutlich positionieren, um bestehende Anlagen der Landwirte in die nationale Kraftwerksstrategie einzubinden. Den großen Worten der durchaus taffen, fähigen und fachkundigen neuen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche müssen auch Taten folgen. Wir werden dazu im Herbst einen parlamentarischen Abend der FREIE-WÄHLER-Fraktion mit dem Thema "200 Tage neue Bundeswirtschaftsministerin, neue Energiepolitik. Eine Bilanz" veranstalten. Die neue Bundesregierung muss unbedingt liefern. – Ich danke. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)
