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Maximilian Böltl

CSU 23.07.2025 Sitzungen 19/57

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Als kleiner Bub wollte ich immer Bauer werden. Dann hätte ich wahrscheinlich zum vorigen Tagesordnungspunkt sprechen dürfen. Ohne eigenen Hof daheim gab es da bei mir aber nur drei Möglichkeiten: einheiraten, kaufen oder gründen. Nichts davon hat geklappt – heute könnte ich sagen: –, weil es damals noch nicht genug Risikokapital für Gründer gab. Jetzt ist das natürlich anders, und wir haben auch die Überleitung zu Tagesordnungspunkt 26 hinbekommen. Bayerische Start-ups konnten in den vergangenen sechs Monaten knapp 2,1 Milliarden Euro Risikokapital einsammeln, in einem halben Jahr fast genauso viel wie im gesamten letzten Jahr zusammen. Rund die Hälfte des in Deutschland investierten Risikokapitals fließt nach Bayern. Die Hightech Agenda Bayern unserer Staatsregierung hat den Boden fruchtbar gemacht. Unsere neu geschaffenen Matching Funds aus privaten und öffentlichen Mitteln wirken wie Dünger auf dem bestens bestellten Feld. Das bayerische Ökosystem aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Gründerzentren, Akzeleratoren und Geldgebern wächst an, und es entwickelt sich zu dem Innovations-Hotspot in Europa. Ich bleibe beim Bild des Bauers: Wenn wir die Fruchtfolge beachten und uns auch nicht übereilig ans Ernten machen, dann kann noch Größeres kultiviert werden. Unsere Vision ist: Wer in Europa ans Gründen denkt, der muss nach Bayern kommen. – Vielleicht murren manche jetzt: Na ja, das ist aber ein bisschen kleinteilig gedacht. – Aufgepasst, bei aller weltweiten Vernetzung: Wissen wandert immer nur wenige Häuserblocks weiter, und Innovation, wie wir sie haben, braucht Wissen. Wir sind dafür das ideale Cluster, als Agglomeration von Technologie und Talent. Der Blick ins Kleine darf aber den internationalen Vergleich nicht verwässern. Momentan fließt viel zu viel Geld aus Europa in die USA ab. Über 300 Milliarden Euro investieren europäische Familien pro Jahr dort; es fließen aber auch viel zu viele Talente ab. Bei einem Viertel aller Unicorns in den USA, also der Start-ups mit einer Milliardenbewertung, stammen die Gründer eigentlich aus Europa, sind also abgewandert. Wie bei einem Kampf der Kleinbauern gegen die US-Agrarindustrie hilft da aber nicht "höher, schneller, weiter", sondern nur "besser": Bayern gründet besser. Wir haben als CSU-Fraktion deshalb heute den Antrag als Teil eines Pakets von fünf Anträgen eingebracht, die Gründern beim Aussäen, beim Anbauen und beim Ernten helfen. Im ersten Antrag geht es um Stiftungen als Kapitalgeber. Mein Kollege Dr. Stefan Ebner wird darauf gleich noch konkreter eingehen. Im zweiten Antrag geht es um den Staat als Kunden und als Innovationspartner. Der dritte Antrag "Vom Patent zum Produkt" setzt sich für den Wissenstransfer aus den Universitäten direkt in die Unternehmen ein. Im vierten Antrag geht es um Best Practice für eine noch engere Vernetzung dieses Kosmos rund um Gründungen, und im fünften Antrag um Testregionen, damit Gründer einfach einmal machen können. Wir wollen aber auch, liebe Kolleginnen und Kollegen, eine neue Mentalität etablieren und in der Jugend nicht nur künftige Arbeitnehmer sehen, sondern sie als neue Unternehmer befähigen, nicht nur den Dreiklang Universität – Unternehmen – Unicorn fördern, sondern die Mittelschule zur Gründerschule machen. Gründen muss weiblicher und kann ländlicher werden. Am Ende aber ist Gründen ansteckend, auch wenn nicht jeder diesen Weg gehen kann oder will, weil Gründer nicht herumjammern, sondern anpacken. Sie rufen nicht permanent nach dem Staat, nutzen ihre Freiheit und übernehmen Verantwortung aus eigener Kraft. Deshalb kann ich sagen, Gründer und Bauern haben vieles gemeinsam: Sie prägen Bayern, die einen schon immer und die anderen immer mehr. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Fünfter Vizepräsident Markus Rinderspacher: Vielen Dank, Herr Kollege Böltl. – Nächster Redner ist Herr Kollege Jurca für die AfD-Fraktion.

Alle Reden von Maximilian Böltl Protokoll ↗