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Roswitha Toso

FREIE WÄHLER 23.07.2025 Sitzungen 19/57

Sehr verehrtes Präsidium, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir alle wissen: Altern ist weit mehr als das schlichte Fortschreiten der Lebensjahre. Altern ist ein hochkomplexer biologischer – physischer und psychischer – und sozialer Prozess, geprägt von individuellen Lebensgewohnheiten und gesellschaftlicher Teilhabe. Wer Altersforschung ernst nimmt, der weiß: Sie braucht Interdisziplinarität. Sie braucht Biologie und Medizin genauso wie Soziologie, Psychologie, Pflegewissenschaften und Stadtplanung. Der vorliegende Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen, verkennt diese Realität. Bayern steht keineswegs so schlecht da, wie dort behauptet wird. Im Gegenteil, die Forschungslandschaft in unserem Freistaat ist leistungsfähig, breit aufgestellt und in vielen Bereichen Vorreiter. Ein Beispiel: An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg forscht das Interdisziplinäre Centrum für Alternsforschung unter anderem zu Ernährung, Bewegung und sozialer Teilhabe im Alter. Aktuelle Projekte beschäftigen sich mit Biomarkern zur Muskelalterung und mit digitalen Interventionen zur Sturzprävention. An der Ludwig-Maximilians-Universität München befasst sich eine eigene klinische Professur mit altersassoziierten Multimorbiditäten, mit Medikamentenmanagement und Rehabilitationsstrategien, und das immer in enger Kooperation mit den geriatrischen Abteilungen der Unikliniken. Doch die Altersforschung endet nicht an der Kliniktür, liebe Kolleginnen und Kollegen; sie betrifft auch das soziale Miteinander, die Frage nach Wohnformen, Teilhabe und Würde im Alter. Genau hier setzt die vom bayerischen Sozialministerium geförderte Koordinationsstelle "Wohnen im Alter" an. Dort geht es um Quartiersentwicklung, Barrierefreiheit und generationenübergreifende Konzepte, die auch in unseren Kommunen direkt umgesetzt werden, etwa in mobilen geriatrischen Angeboten oder Mehrgenerationenhäusern. Diese Vielfalt zeigt: Bayern handelt – wissenschaftsgeleitet, praxisnah und mit Weitblick. Der vorliegende Antrag greift in die Wissenschaftsfreiheit ein. Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes garantiert, dass Inhalte und Schwerpunkte der Forschung nicht politisch vorgeschrieben werden. Ein staatlich gesteuertes Sonderprogramm – wie von der AfD vorgeschlagen – würde genau das tun. Forschen nach Parteiprogramm? – Das lehnen wir entschieden ab, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Ferdinand Mang (AfD): Aber bei Hightech ist es erlaubt?) Dazu kommt, dass der Antrag keine effiziente Mittelverwendung sicherstellt. Bayern setzt seit Jahren auf wettbewerbliche Ausschreibungen, auf gezielte Förderlinien, auf Kooperation mit Hochschulen und Kliniken. Diese Strukturen haben sich bewährt; sie sichern Innovation und Wettbewerb. Nicht zuletzt ist festzustellen: Bayern ist im Bereich Altersforschung bereits spitze. Durch unsere exzellenten Standorte, internationalen Netzwerke und kontinuierlichen Investitionen sind wir Teil der wissenschaftlichen Avantgarde. Das soll auch so bleiben. Zusammengefasst: Altersforschung ist ein zentrales Zukunftsthema – keine Frage. Aber sie braucht Freiheit statt Vorgaben, Qualität statt Aktionismus und kluge Förderung statt Symbolpolitik. Die bestehenden Initiativen an der FAU, der LMU und in unseren Kommunen zeigen: Bayern ist gut aufgestellt. Wir sollten diesen erfolgreichen Weg weitergehen. – Danke schön. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Fünfter Vizepräsident Markus Rinderspacher: Vielen Dank, Frau Kollegin Toso. – Nächste Rednerin ist Frau Kollegin Katja Weitzel. Sie spricht für die SPD-Fraktion.

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