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Benjamin Nolte

AfD 06.05.2025 Sitzungen 19/49

Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kollegen! Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Deutsch weltweit die führende Sprache in der Wissenschaft, insbesondere in Disziplinen wie Chemie, Physik, Medizin und Philosophie. Das hatte unterschiedliche Gründe, zum einen die wissenschaftliche Exzellenz in Deutschland. Deutsche Universitäten galten weltweit in den genannten Disziplinen als führend. Zum anderen lag es am Bildungssystem an deutschen Universitäten, das gemäß dem Humboldt-Modell Forschung und wissenschaftliche Freiheit betonte. Ein weiterer Grund, warum das Deutsche weltweit als Sprache der Wissenschaft geschätzt wurde, ist die Tiefe, die Flexibilität und die Präzision unserer Sprache. Nun, die Zeiten, in denen deutsche Universitäten weltweit führend waren, sind leider schon lange vorbei. (Toni Schuberl (GRÜNE): Das stimmt nicht!) Deutsch als Sprache der Wissenschaft gerät gegenüber dem Englischen selbst im eigenen Land zunehmend ins Hintertreffen. Bayern nimmt hier eine negative Vorreiterrolle ein. Der Anteil der rein englischsprachigen Masterstudiengänge hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. An der TU München finden von 111 Masterstudiengängen 70 ausschließlich oder überwiegend auf Englisch statt. Das ist mehr als die Hälfte. Die TU München nennt sich auch ganz weltmännisch "The Entrepreneurial University" – keine Ahnung, wer sich so etwas ausdenkt. Interessant wäre mal, wie groß der Anteil der Studenten an der TU München ist, die dieses Wortungetüm überhaupt aussprechen können. Als "Entrepreneurial University" braucht man übrigens auch keine Fakultäten mehr. Diese heißen an der TU München schlicht "Schools" – zumindest hier dürfte es keine Probleme mit der Aussprache geben. Noch schlimmer sieht es mit der University of Technology Nuremberg aus. Dort wird auf die deutsche Sprache komplett verzichtet. Ob es für die Qualität von Lehre und Forschung besonders förderlich ist, wenn sich deutschsprachige Professoren und Dozenten vor deutschsprachigen Studenten mit einer für beide Seiten fremden Sprache herumplagen müssen, darf bezweifelt werden. Aber nicht nur das: Einheimische Studenten werden auch im eigenen Land gegenüber Gaststudenten aus englischsprachigen Ländern benachteiligt. Eine Studie aus Australien aus dem Jahr 2023 belegt, dass Studenten, deren Muttersprache Englisch ist, enorme Vorteile selbst denjenigen gegenüber haben, die Englisch als Fremdsprache sehr gut beherrschen. Es kann doch nicht Sinn und Zweck des internationalen Austausches an Universitäten sein, dass Gaststudenten die Sprache des Gastlandes nur dann erlernen müssen, wenn sie nach dem Studium auch in Deutschland arbeiten wollen. Möchten sie es nicht, gibt es für Gaststudenten vielfach keinen Grund mehr, die deutsche Sprache zu erlernen. Für einheimische Studenten sind rein englischsprachige Studiengänge weniger attraktiv. Sie entscheiden sich im Zweifel für ein Studium an einer Universität, an der sie das gewünschte Studienfach auch in ihrer Muttersprache absolvieren können. Auch besteht die Gefahr, dass die Akzeptanz von Wissenschaft und Forschung in der Bevölkerung leidet, wenn die Universitäten eine andere Sprache sprechen als die breite Mehrheit der Bevölkerung. Denn der Großteil der Menschen in Deutschland spricht nach wie vor Deutsch, ob es Ihnen nun gefällt oder nicht. (Michael Hofmann (CSU): So ein Quatsch!) Ein Grund, weswegen sich Deutsch als Sprache der Wissenschaft einst durchgesetzt hat, ist, wie bereits erwähnt, die Präzision unserer Sprache – die Präzision, die gerade in der Grundlagenforschung entscheidend ist, in der es darum geht, Forschungsgegenstände und Sachverhalte präzise zu definieren. Diese Möglichkeit bietet das Englische vielfach nicht. Hier wird für mehrere unterschiedliche Dinge ein und dasselbe Wort verwendet. (Harry Scheuenstuhl (SPD): Das gibt es bei uns auch!) Es bleibt das Argument, dass ja in der internationalen Forschung größtenteils auf Englisch publiziert wird. Das ist zwar richtig, aber erstens strebt nicht jeder Student gerade in technischen Fächern nach seinem Studium eine internationale Forschungskarriere an und zweites wird das Deutsche international auch nicht an Bedeutung gewinnen, wenn die deutsche Sprache selbst im eigenen Land an den eigenen Universitäten verdrängt wird. Die Verdrängung der eigenen Sprache ist kein Ausdruck von Weltgewandtheit, die Verdrängung der eigenen Sprache ist ein Ausdruck mangelnden Selbstbewusstseins. Wir wollen wieder Humboldt statt möchtegern-weltmännischen Humbug an unseren Universitäten. Wir wollen wissenschaftliche Exzellenz im eigenen Land, mit der eigenen Sprache, statt intellektueller Fast-Food-Kultur. Daher sagen wir Ja zu Deutsch als Wissenschaftssprache an bayerischen Hochschulen. Wir bitten um Zustimmung. (Beifall bei der AfD)

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