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Bernhard Pohl

FREIE WÄHLER 27.02.2025 Sitzungen 19/43

Frau Präsidentin, Herr Staatsminister, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich frage mich: Was wollen Sie mit dieser Aktuellen Stunde bewirken, und an wen richtet sich diese Aktuelle Stunde? – Unmittelbar können die Wahlversprechen nur die Mitglieder des Deutschen Bundestages umsetzen. Ich sehe hier keinen, der ein Doppelmandat errungen hat. Mittelbar gibt es auch nur ganz wenige, wenn überhaupt, die das, was Sie hier fordern, tatsächlich umsetzen könnten. Deswegen in der Tat die Frage: Was soll diese Aktuelle Stunde? Kollege Pargent hat zu Recht darauf hingewiesen, es hätte viele andere gute Themen gegeben, zum Beispiel – da greife ich einen Gedanken des Kollegen Winhart auf – der Radikalisierung der Gesellschaft und der Politik entgegenwirken. Es beunruhigt mich, dass fast 9 % der Menschen die Linke gewählt haben; denn jetzt haben wir mit Linke, BSW und AfD über ein Drittel der Wähler, die radikale Parteien gewählt haben. Das treibt mich um. Bei mir geht es ja noch; bei mir benehmen Sie sich jetzt noch etwas besser. So, wie Sie sich bei der Rede des Kollegen Hofmann benommen haben, habe ich mir vorgestellt, wie Sie in einem Trupp von Demonstranten, vergleichbar der Antifa, durch die Straßen ziehen. Bei diesem Benehmen wird mir schon angst und bange. Das ist absolut unparlamentarisch. Das gleicht eher einem Klub der Schwererziehbaren als Mitgliedern des Bayerischen Landtags. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU sowie des Abgeordneten Harry Scheuenstuhl (SPD)) Sie haben das Thema Schuldenbremse genannt und unterstellen, dass die Union vor der Konstituierung des neuen Bundestags, was formalrechtlich zulässig ist, die Schuldenbremse noch reformieren will. Das habe ich allerdings weder gehört noch gelesen. Das würde ich eher in die Schublade Fake News einordnen. Ich glaube, dass Sie ein Thema aufmachen, das es gar nicht gibt. Die Schuldenbremse reformieren – darüber kann man diskutieren; darüber muss man diskutieren. Das ist kein Skandal, sondern das wäre eine zulässige Änderung geltenden Rechts. Wofür sind Parlamentarier da? – Um geltendes Recht zu ändern, weiterzuentwickeln, zu formen. Ich kann Ihnen sagen: Ich persönlich bin ein Anhänger der Schuldenbremse. Ich könnte mir vorstellen, die Schuldenbremse durch eine Investitionsklausel zu ergänzen, aber nur für wirklich elementare Investitionen, deren Notwendigkeit nicht vorhersehbar war. Ich sage aber auch – da zitiere ich den früheren SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, der das erst diese Woche gesagt hat –: Man muss sehr vorsichtig sein, in den Begriff Investition nicht wieder alles Mögliche zu packen. Investition in Bildung hieße dann mehr Lehrer. Es ist nicht so, dass wir uns nicht mehr Lehrer wünschen. Das ist aber keine Investition. Es ist auch keine Investition, Sozialausgaben zu erhöhen und zu sagen, dies sei eine Investition in eine funktionierende Gesellschaft. Was will ich damit sagen? – Mit dem Begriff der Investition kann auch Schindluder betrieben werden. Deswegen müsste man hinsichtlich der Formulierung sehr, sehr, sehr vorsichtig sein. Kollege Hofmann hat völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass wir vor Herausforderungen stehen, die wir wahrscheinlich mit den uns zur Verfügung stehenden Steuermitteln nicht bewältigen können. Ich nenne die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit unseres Landes. Ich weiß, dass das die Kollegen der AfD weniger auf dem Schirm haben; denn in ihrem Weltbild sitzt der Freund in Moskau, und wenn der Freund in Moskau ist, dann brauchen wir uns gegen diesen Freund nicht wehrhaft zu verteidigen. Die Wahrheit ist aber: Wenn wir unsere Freiheit und unsere Werte verteidigen wollen, müssen wir massiv in Sicherheit und Verteidigung investieren; denn das, was Putin mit seinem verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine derzeit exerziert, kann er jederzeit, wenn wir nicht verteidigungsfähig und verteidigungsbereit sind, auch auf deutschem Boden machen. Jeder weiß, dass Putin die alte Sowjetunion und den Warschauer Pakt reanimieren will. Putin ist der gleiche alte Kommunist, der er zu Breschnews Zeiten war. Daran hat sich nichts geändert. Es ist bezeichnend, dass die AfD diesem kommunistischen Diktator Beifall zollt. (Florian Streibl (FREIE WÄHLER): Hört, hört! – Zuruf von der AfD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, selbstverständlich gibt es Reformbedarf, Reformbedarf nach drei Jahren Ampel-Chaos, Reformbedarf aber auch nach einer Zeit der Großen Koalition unter Angela Merkel, die viele Dinge nicht angepackt hat. Die Bundeswehr muss ganz zentral nach vorne gerückt werden. Ich möchte jetzt auch noch ein Thema anschneiden, das uns in Bayern massiv betrifft – Kollege Hofmann und auch Kollege Pargent haben schon darauf hingewiesen. Wir brauchen eine Reform des Länderfinanzausgleichs oder des Finanzkraftausgleichs, wie es jetzt heißt. Kollege Winhart, ich habe nicht ganz verstanden, dass Sie uns für den Länderfinanzausgleich verantwortlich machen. – Okay, er hat es wohl inzwischen eingesehen. – Die letzte Reform des Länderfinanzausgleichs fand seinerzeit statt, als wir noch Opposition waren und ich diesen Länderfinanzausgleich von diesem Rednerpult aus massiv kritisiert habe. Seis drum: Wir brauchen jedenfalls einen fairen und vor allen Dingen einen leistungsorientierten Länderfinanzausgleich. Wir versperren uns natürlich nicht der Solidarität gegenüber wirklich Bedürftigen. Dies gilt für die Länder genauso wie für die Bürger. Ja, wir müssen für wirklich Bedürftige da sein. Aber ebenso wenig, wie das in vielen Bereichen der Sozialpolitik der Fall ist, ist das bei diesem Länderfinanzausgleich der Fall. Es ist doch ein Treppenwitz, wenn wir mit bayerischem Steuergeld die marode Bundeshauptstadt Berlin finanzieren. Das wäre ganz das Gleiche, wie wenn man, Kollege Scheuenstuhl, aus ärmeren Gegenden Mittelfrankens, Oberfrankens oder der Oberpfalz den Moloch München finanzieren wollte, weil die Münchner nicht wissen, wo sie ihr Geld verschleudern. Das ist Gott sei Dank nicht der Fall, weil wir in Bayern noch vernünftige Verhältnisse haben. Dass wir aber die Bundeshauptstadt Berlin alimentieren müssen, da die Berliner nicht selber in der Lage sind, die Steuereinnahmen zu generieren, die benötigt werden, um ihre Partys zu finanzieren, ist unmöglich. Das geht nicht. Das muss dringend reformiert werden. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Die neue Bundesregierung und die neuen Mehrheitsfraktionen im Bundestag haben einen schweren Weg und eine schwere Aufgabe vor sich. Sie sind aber mit Mut und Zuversicht gestartet. Ich hoffe, sie werden bis Ostern eine stabile Regierung zusammenbekommen. Ich hoffe, dass sie sich endlich auch daran messen lassen, dieses Land wieder leistungsbereit und zukunftsfest zu machen. Dabei geht es tatsächlich um die richtige Schwerpunktsetzung. Die richtige Schwerpunktsetzung heißt nicht Gendern und Cannabisfreigabe, sondern die richtige Schwerpunktsetzung heißt: Ärmel aufkrempeln für Deutschland, für Bayern, für unsere Heimat, damit der Weg wieder nach oben führt und wir nicht mehr an vorletzter Stelle unter den Industrienationen stehen, was die Wachstumsprognosen betrifft. Das ist ein Armutszeugnis für Deutschland. Das gab es noch nie. Ich kann nur sagen: Ich wünsche denjenigen, die jetzt die Verantwortung tragen werden, viel Glück und alles Gute. Ich gratuliere noch einmal zum Wahlsieg. Der AfD gratuliere ich dazu, dass sie uns eine Stunde Lebenszeit gestohlen hat. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

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