Josef Lausch
Sehr geehrtes Präsidium, hochgeschätztes Haus, liebe Kolleginnen und Kollegen! Als Rosenheimer bin ich durchaus betroffen, weil ganze Heerscharen von Italienern, Südtirolern, Österreichern und anderer Nationalitäten quer durch den Landkreis Rosenheim auf der Schiene zum Oktoberfest fahren. Deswegen freut es mich, heute zu diesem Thema zu sprechen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich stelle mir, natürlich rein hypothetisch, gerade vor, wie dieser Antrag entstanden ist, der nur eine halbe DIN-A4-Seite umfasst und keine einzige Zahl enthält. Ich stelle mir vor, man sitzt beim Oktoberfest vor der fünften Maß, dem sechsten Hendl und der dritten Portion Makrele. Dann fängt man in der bierseligen Atmosphäre zu pulvern an. Denken Sie an Gerhard Polt: "Attacke auf Geistesmensch". Dieses Buch kennt vielleicht noch der eine oder andere. Dann fängt man an, auf die Ausländer zu schimpfen, die im Frühjahr schon die besten Plätze weggefaxt haben. Dann sagt der Kollege: Und der Zug war auch voll, ich habe nicht einmal in der 1. Klasse einen Platz bekommen. Da schreiben wir jetzt einen Antrag an den Bayerischen Landtag. Dann bestellt man noch eine Maß, und danach stehen dann im Antrag Begriffe wie "maximal mögliche Platzkapazität" und "maximale Zuglängen". Was heißt das konkret? Wie wird das gemessen? Auch dies ist Recht und Gesetz unterworfen. Zusätzliche Doppelstockwagen oder längere Züge erfordern eine langfristige Planung, die sich mit den Fragen auseinandersetzen muss, wo der Bahnsteig passt oder an welchem Bahnhof die Züge halten können. Berücksichtigt man das nicht, betreibt man schlichtweg populistische Symbolpolitik. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die Lösung liegt natürlich nicht in Schnellschüssen oder leeren Forderungen, sondern in einer soliden Planung. Die Staatsregierung, allen voran unser bayerischer Verkehrsminister und die Bayerische Eisenbahngesellschaft, arbeiten bereits daran. Zugegebenermaßen gibt es da und dort Verbesserungspotenzial für den Schienenverkehr und zur Reduzierung von Engpässen – nicht nur zur Oktoberfestzeit, sondern ganzjährig und nachhaltig. Nüchtern betrachtet ist dieser Antrag vielleicht sogar gut gemeint. Er erscheint mir aber verschwommen, ist in einer undeutlichen Sprache formuliert und deswegen abzulehnen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN)
