bayern.landtag.de ↗

Kerstin Celina

GRÜNE 22.01.2025 Sitzungen 19/39

Sehr geehrte Damen und Herren! An den Anfang meiner Rede möchte ich meinen tiefen Dank an diejenigen richten, die sich in der Pflege von älteren und behinderten Menschen engagieren, als Angehörige, als Nachbarn, als Pflegerinnen und Pfleger, als Träger, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, im Technischen Dienst oder als Reinigungskräfte. (Beifall bei den GRÜNEN, den FREIEN WÄHLERN und der SPD) Ich selbst habe mit meiner Familie meine Schwiegermutter eineinhalb Jahre lang zu Hause gepflegt. Als Abgeordnete bin ich in vielen Einrichtungen vor Ort und war oft im Gespräch mit Trägern, Angehörigen und Verwaltung. Ich weiß: Die psychische, die physische und eben auch die finanzielle Belastung für viele pflegende und gepflegte Menschen ist viel zu hoch. Wir brauchen jetzt eine deutliche Entlastung und Unterstützung, sonst bricht nicht nur das System, sondern sonst brechen auch die Menschen in diesem System zusammen. Die Zahl der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, steigt. 2050 wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern etwa eine Million Menschen betragen, oft mit chronischen und Mehrfacherkrankungen. Das sind fast doppelt so viele wie 2021. Vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause durch Angehörige oder durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt, der aber genauso wie der stationäre Pflegedienst wegen Fachkräftemangels am Anschlag ist. Dass gerade Bayern viel zu lange gebraucht hat, zugewanderten Menschen eine Ausbildung und eine Bleibeperspektive zu ermöglichen, wissen wir alle, denn mit der Fast Lane versucht Bayern nun, auf die Überholspur zu kommen. Aber wer zu spät gestartet ist, der hat das Rennen meistens schon verloren. Das gilt nicht nur beim Sport, sondern auch hier. Bayern hat in den letzten Jahren viel zu viel Geld in das Landespflegegeld gesteckt, das nicht in der strukturierten Pflegehilfe ankam. Wir haben 2,3 Milliarden Euro verpulvert, die nicht in eine bessere Pflegeinfrastruktur geflossen sind, damit den Menschen, die pflegen, langfristig geholfen wird. Wie man die stillen Helden und Heldinnen in der Pflege entlasten könnte, haben wir mit der Landespflegegesellschaft vorgestellt. Wir wollen pflegende Angehörige sozialversicherungspflichtig beschäftigen – mit einer Anstellung zur Pflege ihrer Familienmitglieder, mit Urlaubs- und Krankheitsversicherung sowie mit niedrigschwelliger Unterstützung; denn die Pflege der Angehörigen soll keine Bürde sein, sondern eine Aufgabe, die von der gesamten Gesellschaft getragen wird. Eine gute Pflege darf kein Luxusgut sein. Dem Antrag der SPD stimmen wir zu; er greift wichtige Punkte dazu auf. (Beifall bei den GRÜNEN)

Alle Reden von Kerstin Celina Protokoll ↗