Florian Siekmann
Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen! Zunächst ein herzlicher Dank an alle Kameradinnen und Kameraden! Wir haben es schon gehört: 320.000 ehrenamtliche Einsatzkräfte. Mein besonderer Dank gilt dabei all jenen, die lange dabeibleiben; denn die Belastung im ehrenamtlichen Feuerwehreinsatz ist hoch. Sie kann zu jeder Tages- und Nachtzeit hoch sein; dies über viele Jahre durchzuhalten, verdient Respekt. Zur Debatte steht jetzt eine Anhebung der Altersgrenze um zwei Jahre oder eine Anhebung auf das gesetzliche Renteneintrittsalter. Wir finden das gut, wir finden das fair, und wir halten das für eine Wertschätzung gegenüber allen, die sich in der Lage sehen, den Feuerwehrdienst noch etwas länger auszuüben. (Beifall bei den GRÜNEN) Wir glauben aber, dass eine feste Altersgrenze wichtig ist; denn ohne eine feste Altersgrenze würden wir es den Kommandantinnen und Kommandanten zumuten, plötzlich einem Ehrenamtlichen erklären zu müssen, dass er zur Ausübung seines Dienstes nicht mehr in der Lage ist. Das wird dann nicht wie bisher die Ausnahme sein, sondern das wird dann zur Regel. Noch ein paar Worte zur Absenkung der Altersgrenze: Herr Kollege Heinisch, ich wäre etwas vorsichtig mit den Sprachbildern. Bei der Feuerwehr "verheizen" wir keine Kinder, sondern wir bringen ihnen bei, wie man Feuer löscht. Wenn ein Kind mit 6 Jahren in die Feuerwehr eintritt, was passiert dort? – Brandschutzerziehung. Wir alle wissen, junge Menschen sind wissensdurstig. Sie wollen etwas erleben. Einen Sechsjährigen bis zu seinem zwölften Lebensjahr mit Brandschutzerziehung zu beschäftigen, ist eine Herausforderung. Deshalb finde ich es wichtig, darüber nachzudenken, wie wir den Einstieg in die Jugendfeuerwehr verbessern und wie wir etwas Interessanteres bieten können. Damit ist ja kein Einsatz verbunden; denn der erste Einsatz darf frühestens mit 16 Jahren erfolgen, regelmäßig dann ab 18 Jahren. Wir bilden unsere jungen Menschen gut aus, bevor sie mit der Feuerwehr in den Einsatz gehen. Wir wollen aber auch die Lust am Feuerwehrdienst von der Kinderfeuerwehr über die Jugendfeuerwehr bis zum Einsatzdienst erhalten. Deshalb halte ich es für richtig, eine Absenkung des Eintrittsalters in den Blick zu nehmen. (Beifall bei den GRÜNEN) Wir führen gerade eine lange Altersdebatte. Wir dürfen aber nicht glauben, dass die Anhebung des Maximalalters und die Absenkung des Alters für die Jugendfeuerwehr das Problem lösen. Der demografische Wandel mit einer älter werdenden Gesellschaft schlägt bei den Feuerwehren massiv zu: In den nächsten 15 Jahren werden wir ein Drittel unserer aktiven Einsatzkräfte verlieren. Um das auszugleichen, brauchen wir in Bayern jedes Jahr 4.000 neue Freiwillige in der Feuerwehr. Das ist eine Mammutaufgabe. Bereits heute fallen nicht plötzlich alle über die Altersklippe. Vielmehr geht schon heute die Zahl der Aktiven in der Freiwilligen Feuerwehr ab dem 50. und dem 58. Lebensjahr deutlich nach unten. Viele leisten den Dienst so lange, wie sie dazu in der Lage sind. Das ist auch in Ordnung. Aber dem Problem, dass wir mehr Aktive brauchen, sollten wir uns stellen und ihm nicht durch eine Anhebung der Altersgrenze aus dem Weg gehen, was uns nur ein bisschen Zeit erkauft. Was brauchen wir stattdessen? Wir brauchen mehr Frauen in den Feuerwehren. Wir haben gerade einmal 11 %. Unter den jungen Leuten ist es ein bisschen mehr. Aber ich wünsche mir, dass es 50 % werden. (Beifall bei den GRÜNEN) Wir brauchen mehr Quereinstieg. Bei jeder Landesfeuerwehrversammlung kriegen wir eines gezeigt: positive Beispiele für den Quereinstieg. – Für die Feuerwehr gibt es gerade in kleinen Gemeinden kaum einen größeren Gewinn, als neu zugezogene, junge Familien für den Feuerwehrdienst zu rekrutieren. Sie sind dann 15, 20 Jahre im aktiven Einsatz, und man kann sich auf sie, wenn sie wohnortnah arbeiten, auch bei der Tagesalarmbereitschaft verlassen. Das ist ein großer Gewinn. Wir müssen die jungen Kräfte natürlich an die Feuerwehr binden, also dafür sorgen, dass wir sie mit 23, 24 Jahren, einer Phase mit vielen Lebensumbrüchen, nicht verlieren. Wir müssen den Feuerwehren eine gute Ausstattung hinstellen, vor allem Feuerwehrgerätehäuser, die einem modernen Dienst entsprechen. Ich bin froh, dass wir im Innenausschuss in guten Gesprächen darüber einig sind, dass sich bei der staatlichen Finanzierung der Generalsanierung und auch besserer Sanitäranlagen in den Feuerwehrhäusern was tut. Letzter Punkt. Wir haben über 7.400 Ortsfeuerwehren, auch wenn wir nur etwas über 2.000 Gemeinden haben. Wir müssen auch darüber sprechen, wie wir die Kooperation unter den Ortsfeuerwehren verbessern können, damit wir dafür sorgen, dass wirklich jede Ortsfeuerwehr ein Aufgabenspektrum hat, das sie mit dem Personal, das vor Ort ist, leisten kann und womit sie sich gleichzeitig als wertvollen Teil in der Gefahrenabwehr der örtlichen Gemeinde sieht. (Beifall bei den GRÜNEN)
