Thomas W. Holz
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Ministerin, verehrte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Wertschöpfung vor Ort, Beschäftigung vor Ort, Ausbildung vor Ort, letztlich Wohlstand für unser ganzes Land. Wenn Sie das hören, woran denken Sie dann? – Richtig, an den Bayerntourismus; denn der bietet genau das als vielfältige Leitökonomie. Es ist unzweifelhaft, dass der Tourismus in Bayern sehr breit aufgestellt ist und weit mehr Wirtschaftszweige beeinflusst als nur Gastronomie und Beherbergung. Vom Tourismus profitieren nämlich viele mittelständische Betriebe vor Ort. Nehmen wir zum Beispiel den örtlichen Metzger oder den Bäcker, bei dem die Urlaubsgäste einkaufen, nehmen wir den Zimmerer, den Schreiner, von dem die touristischen Betriebe ihre Umbauten und Sanierungen durchführen lassen. Wenn wir über Vielfalt sprechen, dann sprechen wir doch auch über das kulturelle Erbe Bayerns. Das ist reich. Auch da werden wir uns doch einig sein. Vor allem der Tourismus trägt dazu bei, dass kulturelle Einrichtungen heute noch gefördert werden. Historische Städte, Denkmäler, Kirchen, staatliche Schlösser und Burgen, Theater, Opernhäuser sowie rund 1.300 Museen und Sammlungen haben 2023 knapp 24 Millionen Besucher angezogen. Das Schöne ist, dass wir diese Einrichtungen über das ganze Land verteilt finden. Das heißt also, der Tourismus in Bayern sorgt dafür, dass nicht nur die großen Städte, sondern eben auch der ländliche Raum attraktiv ist und bleibt. Das gilt natürlich in ganz besonderer Weise für die Infrastruktur. In den Regionen, in denen es keinen Tourismus mehr gibt, sind Dörfer ohne Gaststätten leider keine Seltenheit mehr. Dagegen haben wir in den touristischen Regionen eine lebendige Infrastruktur mit Thermen und Schwimmbädern, mit Rad- und Wanderwegen, mit Restaurants, Seilbahnen und vielem mehr. Auch das trägt natürlich ganz entscheidend zur Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung bei. Wenn wir vom Tourismus als vielfältiger Leitökonomie sprechen, dann dürfen wir eines nicht vergessen, nämlich dass es in Bayern für jeden Geldbeutel das passende Angebot gibt. Vom kleinen Privatvermieter über die attraktiven Campingplätze bis hin zum hochklassigen Wellnesshotel – in Bayern ist alles zu finden. Der Bayerntourismus ist aber nicht nur vielfältig, er ist auch nachhaltig. Das Leitbild der Bayerischen Staatsregierung ist deshalb ein Tourismus im Einklang mit Mensch und Natur; denn eines ist doch auch klar: Neben den engagierten, freundlichen und weltoffenen Gastgebern sind vor allem die intakte Natur und unsere wunderschöne Kulturlandschaft der Grund, warum so viele in Bayern Urlaub machen. Nachhaltiger Tourismus ist aber mehr als nur Umweltschutz. Ganz entscheidend ist, dass ökonomische, soziale und ökologische Fragestellungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern miteinander verschränkt und dann auch austariert werden. Nachhaltige Tourismusentwicklung erfordert also eine ganzheitliche Perspektive mit dem Ziel, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und die Bedürfnisse von Gästen und Einheimischen mit denen des Natur- und Umweltschutzes zu verbinden. Vor diesem Hintergrund ist die bayerische Tourismuspolitik auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und wirkt unterstützend daran mit, das touristische Angebot an den Klimawandel anzupassen. Mit den Einheimischen und Kommunen werden Konzepte erarbeitet, wie sich Nachhaltigkeit im Tourismus in der eigenen Region verankern lässt. Dabei geht es unter anderem darum, ein breites witterungsunabhängiges Angebot vor Ort zu entwickeln, zum Beispiel das Winterwandern, die Achtsamkeit oder kulturelle Angebote – das habe ich gerade angesprochen. Dass der Tourismus aber nicht nur vielfältig und nachhaltig ist, sondern eben auch eine erfolgreiche Leitökonomie, zeigen folgende Zahlen sehr eindrucksvoll: 100,3 Millionen Übernachtungen, 39 Millionen Ankünfte, 47,5 Milliarden Euro touristische Einnahmen und 28,2 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung – das entspricht im Übrigen knapp 5 % der gesamten bayerischen Wirtschaftsleistung. Das sind überaus erfreuliche Zahlen, die das Erfolgs- und Rekordjahr 2023 beschreiben. Zum zweiten Mal überhaupt haben wir in Bayern die magische 100-Millionen-Marke bei den Übernachtungen übertroffen. Das sind im Übrigen mehr als ein Fünftel aller Übernachtungen in ganz Deutschland. (Beifall bei der CSU) Damit ist Bayern klar das Reiseland Nummer eins und das Aushängeschild Deutschlands in der ganzen Welt. Dies sieht im Übrigen auch das renommierte Reisemagazin "Lonely Planet" in seiner aktuellen Ausgabe für 2025 so. Bayern wird dort als eine der zehn besten Regionen empfohlen und befindet sich dabei in guter Gesellschaft mit dem Wallis in der Schweiz, dem Tamar Valley in Australien oder der Terai-Region in Nepal. Dieses großartige Ergebnis der Branche verdient in meinen Augen besondere Anerkennung, vor allem angesichts der nicht einfachen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach der Corona-Zeit, die den Betrieben wirklich viel abverlangt haben. Dass die Bilanz dennoch so positiv ausfällt, liegt an der enormen Widerstandskraft der Branche und vor allem am unermüdlichen Einsatz der Menschen, die mit viel Herzblut und Engagement im Tourismus und in der Gastronomie tätig sind. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Deshalb möchte ich mich ganz bewusst von dieser Stelle aus bei den mehr als einer halben Million in dieser Branche Beschäftigten bedanken. Diese sorgen nämlich nicht nur für diese herausragenden Zahlen, sondern auch dafür, dass unser Bayern ein so positives Image in der ganzen Welt hat. Herzlichen Dank dafür! (Beifall bei der CSU) Meine Damen und Herren, die ersten Bilanzen für 2024 zeigen: Es geht so weiter, ein Plus von 2,9 % bei den Übernachtungen in den ersten acht Monaten. Klar ist: Die Nachfrage nach Erholung, die Nachfrage nach Urlaub in Bayern ist und bleibt hoch. Damit könnten wir jetzt die Hände in den Schoß legen und sagen: Passt schon; es läuft schon. Wenn das, meine Damen und Herren von der Ampel, Ihre Motivation für den Tourismus ist, dann würde ich das vielleicht noch verstehen, und dann würden Sie wenigstens keinen Schaden anrichten. Aber nein. – Sie tun nicht nur nichts; Sie schmeißen der Branche sogar noch einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass Ihr roter Bundeskanzler sein Versprechen bricht und die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wieder anhebt, was im Übrigen für die bayerische Gastronomie ein herber Schlag ist. Laut DEHOGA Bayern sind dadurch 2.300 Betriebe in ihrer Existenz bedroht, und die traditionelle Wirtshauskultur, die uns eigentlich allen gefällt, ist gefährdet. Ihr grüner Wirtschaftsminister kürzt dann auch noch das Budget der Deutschen Zentrale für Tourismus, der Werbeagentur für Deutschland schlechthin, um über 1 Million Euro. (Michael Hofmann (CSU): Unglaublich!) Ich meine, noch deutlicher kann man die mangelnde Wertschätzung dieser Branche gegenüber gar nicht zum Ausdruck bringen. Oder – und das ist vielleicht sogar noch schlimmer – Ihnen ist schlichtweg die Bedeutung des Tourismus nicht bewusst oder auch egal. Der CSU und der Bayerischen Staatsregierung ist die herausragende Bedeutung des Tourismus sehr wohl bewusst, und zwar für das ganze Land. Das zeigt sich allein schon daran, dass erstmals in der Geschichte des Freistaats der Tourismus im Namen eines Ministeriums wiederzufinden ist. Mir ist schon klar: Nur weil das Ministerium so heißt, ist noch nicht genügend getan; das muss auch noch mit Leben gefüllt werden. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir seit einem Jahr mit Michaela Kaniber eine Tourismusministerin haben, die sich nicht nur für die Branche interessiert – das war auch nicht immer so –, sondern auch genau weiß, wovon sie spricht, und sich mit Herz und Verstand für diese Branche einsetzt. (Beifall bei der CSU) So hat die Ministerin beispielsweise schon kurz nach Amtsübernahme die Kongressinitiative Bayern aufs Gleis gesetzt, mit der die bayerische Tourismuswirtschaft gestärkt wird. Auch sonst gibt es im Haus viele Überlegungen; denn so gut und so erfreulich die Zahlen sind: Die Konkurrenz, meine Damen und Herren, schläft nicht. Die Branche steht vor genügend Herausforderungen. Deswegen gilt es, den Bayerntourismus fit für die Zukunft zu machen. Meine Damen und Herren, leider muss ich langsam zum Ende kommen. Der Tourismus in Bayern stellt eine vielfältige, nachhaltige und auch erfolgreiche Leitökonomie dar. Das kann man feststellen. Unser Freistaat bietet nicht nur atemberaubende Landschaften und kulturelle Schätze, sondern auch innovative Konzepte in Sachen Nachhaltigkeit. Dank der engagierten Zusammenarbeit von Privatleuten, Unternehmen, Kommunen und der Politik können wir auf unseren Tourismus hier in Bayern stolz sein. Die Erfolge des Tourismus tragen nämlich maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität und auch zum Wohlstand Bayerns bei. Lassen Sie uns deshalb miteinander daran arbeiten, Bayern auch weiterhin als Vorreiter im Tourismus zu positionieren und unsere wunderschöne Heimat für zukünftige Generationen zu bewahren. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)
